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17. Juli 2015 06:53 Uhr

Stimmen-Festival

Wie war's bei... Bob Dylan beim Stimmen-Festival in Lörrach?

Er ist vermutlich der größte Songwriter der Popmusik und einer ihrer kreativsten Köpfe: Bob Dylan gab beim Stimmen-Festival ein beeindruckendes Konzert auf dem mit 5000 Besuchern ausverkauften Lörracher Marktplatz.

  1. Keine Fotos, keine Videos: Dylan kann Akustik. Optik eher weniger. Foto: Barbara Ruda

  2. Keine Fotos, keine Videos: Dylan kann Akustik. Optik eher weniger. Foto: Nils Oettlin (Original: Sony Music)

  3. Der Lörracher Marktplatz huldigt Bob Dylan. Foto: Barbara Ruda

  4. Hörenswertes im Vorprogramm: Sängerin Irma aus Kamerun. Foto: Barbara Ruda

  5. Der Lörracher Marktplatz huldigt Bob Dylan. Foto: Barbara Ruda

  6. Der Lörracher Marktplatz huldigt Bob Dylan. Foto: Barbara Ruda

Der erste Eindruck: Nach einer recht langen Umbaupause nach der hörenswerten Sängerin Irma aus Kamerun ist die Band plötzlich auf der Bühne. Der Gitarrist spielt schon beim Hereinkommen, die anderen kommen alle irgendwo hervor und legen lässig folk-rockend los. Bob Dylan stellt sich mit seinem weißen Hut, den er auch auf der Rückseite des Covers von "Love And Theft" trägt, ans Mikrophon. Seine Stimme ist kratzig-kraftvoll wie eh und je, als könne das Alter dem 74-Jährigen nichts anhaben.

Setlist: Things Have Changed, She Belongs To Me, Beyond Here Lies Nothin', Don't Think Twice, It's All Right, Duquesne Whistle, I'll Be Your Baby Tonight, Pay In Blood, Full Moon and Empty Arms, The Levee's Gonna Break, Visions Of Johanna, Early Roman Kings Shelter From The Storm, Blind Willie McTell, Tweedle Dee & Tweedle Dum, Desolation Row, Ballad Of A Thin Man, All Along The Watchtower.

Show und Stimme: Packend und mit jeder Menge Energie spielt die Band entspannt und folk-orientiert, zugleich mit der Kraft des Rock und hin und wieder countrymäßigen Einflüssen der Steel-Guitar. Das Programm besteht aus einigen neueren Songs wie "Duquesne Whistle" vom Album "Tempest" oder "Tweedle Dee & Tweedle Dum" von "Love And Theft". Aber auch jede Menge alt bekannter Songs sind darunter wie "Don't Think Twice, It's All Right" oder "Ballad Of A Thin Man". Bob Dylan singt mit voller Kraft und dem bekannt krächzigen Timbre, das seine Stimme aber so unverwechselbar macht, das seinen Songs ihre Eigenwilligkeit verleiht. Bei vielen Liedern spielt er Piano, bei einigen Mundharmonika. Viel Show hat er nicht nötig. Die Bühne ist sparsam beleuchtet, mit ein paar großen Theaterscheinwerfern, bei "Full Moon and Empty Arms" nur mit düsteren Lichtlein.

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Mensch und Mythos: Es gibt es Tausende Leute, die besser singen können als Bob Dylan und auch viele, die instrumental besser sind. Aber dieser Mann ist wahrscheinlich der größte Songwriter, den es je in der Popmusik gegeben hat. Niemandes Songs wurden häufiger gecovert als seine. Während vielen in die Jahre gekommenen Musikern keine neuen Stücke mehr einfallen, kommt von ihm nach wie vor jede Menge Neues. Und wenn er seine alten Hits spielt, dann interpretiert er sie ganz neu, gewinnt ihnen neue Seiten ab, macht sie fast schon zu neuen Stücken. Es ist faszinierend, diese Legende auf der Bühne zu erleben, aber noch faszinierender ist es, zu erleben, wie sehr dieser Mann noch immer vor musikalischer Kreativität übersprudelt. Man spürt, dass er in seiner Musik lebt, dass er nicht existieren könnte, ohne Musik zu machen, aber vielleicht bräuchte er dazu gar kein Publikum. Der Bandbaufbau ist vom Bühnenrand etwas zurückgesetzt, und Dylan redet nicht mit den Konzertbesuchern, kündigt keine Lieder an. Er singt, aber er sagt nichts.

Stimmung: Auf dem Lörracher Marktplatz drängen sich 5000 Menschen im Alter von 20 bis 70 Jahren in einträchtiger Enge. Viele wippen und gehen mit, man erkennt die Songs und jubelt. Bob Dylan schafft es, sein Publikum mit seiner Musik, mit seiner überbordenden Schaffenskraft zu packen. Bei "Shelter From The Storm" gelingt es ihm, eine beschwörende, fast andächtige Stimmung zu erzeugen.

Finale: Erst gegen Ende des Konzerts dreht sich Bob Dylan zum Publikum um und grüßt mit einer Hand mit erhobenem Finger. Dann spielt er noch ein Lied, wendet sich dem Publikum zu und geht ab. Als Zugabe spielt er "All Along The Watchtower", danach zeigt sich die Band gemeinsam dem Publikum und geht endgültig ab – wortlos.

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Autor: Thomas Loisl Mink