Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Dezember 2012 09:03 Uhr

St. Petrus in Ketten

Hells Angels sind dargestellt im Deckengemälde von Ruster Kirche

In der Ruster Kirche St. Petrus in Ketten sind die Hells Angels allgegenwärtig – und das nicht wegen der Trauerfeier vor kurzem. Schon 1985 wurden sie dort verewigt. In einem Deckengemälde.

  1. Hells Angels im Deckengemälde der Kirche rechts unten... Foto: Bernhard Rein

  2. ...der Ausschnitt. Foto: Bernhard Rein

Dass die Trauerfeier für das getötete Mitglied der Lahrer Hells Angels in der Pfarrkirche am Mittwochnachmittag keine war wie jede andere, wer wollte das bestreiten. Mit einigen Hundert Rockern in lederner Clubkleidung in den Kirchenbänken von Sankt Petrus in Ketten werden in Rust gemeinhin keine Messen gefeiert (Fotos). Und doch sind die Hells Angels für Kirchenbesucher in Rust allgegenwärtig – seit 1985 um es genau zu sagen. Damals hat der Karlsruher Künstler Reinhard Daßler in einem Deckengemälde im Langhaus zwei Hells Angels integriert.

"Das Jüngste Gericht" ist das Werk im Zentrum des Langhaus-Gewölbes. "Reinhard Daßler hat darin das Gute und Böse mit einem zeitgenössischen Gemälde festhalten wollen", erklärt Karl-Heinz Debacher, der sich mit der Historie von Rust auskennt wie kein Zweiter. Rechter Hand des Gottessohnes ist das Gute dargestellt in Person von Ökobauern, einem Märtyrer am Eisenpfahl oder Mutter Theresa. Linker Hand symbolisiert ein Fötus im Reagenzglas die kritische Distanz des Künstlers zur Wissenschaft, wird die Geldgier der Menschheit durch den die Erdkugel auspressenden Rockefeller dargestellt; und für Gewalt stehen eben die beiden sich prügelnden und nicht mehr ganz so jugendlich erscheinenden Männer in Lederkluft mit der Aufschrift "Hells Angels". Im Hintergrund des Gemäldes ist übrigens das Straßburger Münster zu erkennen. Petrus in Ketten gehörte bis 1830 zum Bistum Straßburg, ehe es zum Bistum Freiburg überführt wurde.

Werbung


Wussten die Hells Angels von dem Gemälde?

Debacher schließt im Übrigen aus, dass die Hells Angels von der Darstellung "Das Jüngste Gericht" gewusst haben und deshalb die Trauerfeier nach Sankt Petrus in Ketten verlegten. "In Rust spricht man eher davon, dass es familiäre Gründe waren. Der Getötete hatte früher eine Beziehung mit einer Rusterin, aus der auch ein Sohn stammt. Ich erinnere mich, dass er diesen auch einige Male von der Schule abholte", erzählt der Schulleiter Karl-Heinz Debacher. Für die Ruster Einschätzung spräche auch die Reaktion der Hells Angels-Mitglieder während der Trauerfeier, denn diese war bereits im Gange, als offensichtlich ein Mitglied den Ausschnitt im Deckengemälde wahrnahm und plötzliche Hunderte Rocker ihren Blick in Richtung Kirchendecke richteten.

Dort befindet sich übrigens noch ein zweites Deckengemälde des Karlsruher Künstlers. Sein Titel: Jesus am See Genezareth. Beide entstanden im Jahr 1985 und waren eine Auftragsarbeit einer angesehenen Ruster Familie. Debacher: "Bis zum Jahr 1985 hat es in der Kirche nur ein Deckengemälde gegeben, drei große Flächen waren frei geblieben".

Kein Unterschied

Dass die Trauerfeier in der Ruster Pfarrkirche mit dem erwarteten Aufgebot an Journalisten und Polizei stattfand, sieht der noch junge Hausherr Pfarrer Michael Gartner, 35 Jahre alt und erst seit Oktober Leiter der Seelsorgeeinheit, gelassen. "Dass im Pfarramt von Angehörigen aus einer anderen Seelsorgeeinheit angefragt wird, ob wir unsere Kirche für ihre kirchliche Feiern wie Hochzeiten oder eben Trauerfeiern öffnen, ist so selten nicht. Meist wollen die Familien dann auch die Feier mit ihrem Pfarrer feiern. Es sprach aus meiner Sicht deshalb auch nichts dagegen, unsere Kirche für diese Trauerfeier zu öffnen", erklärte Michael Gartner der BZ. In der Liturgie mache die Kirche ohnehin keinen Unterschied, ob es eine Trauerfeier für Prominente oder eben für Mitglieder einer Gruppe wie den Hells Angels sei.
Mehr zum Thema:

Autor: Klaus Fischer