Kaum Zeit für das Hobby Fußball

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Sa, 27. Oktober 2012

Rust

LAND UND LEUTE: Der 33-jährige Architekt Ralf Rauer hat maßgeblich am neuen Bell-Rock-Hotel des Europa-Parks mitgebaut.

RUST. Seit Wochen schon muss Ralf Rauer zuschauen, wenn seine Fußballerkollegen vom FSV Altdorf in der Landesliga spielen. Sein Knie macht Probleme. Dabei hätte er jetzt Zeit für sein Hobby. Das war im vergangenen Jahr ganz anders: Da stand für den Architekten des Europa-Parks das Hotel Bell Rock im Vordergrund, der Fußball war nur Nebensache.

Als Roland Mack, Inhaber des Europa-Parks, im Sommer bei der offiziellen Vorstellung des neuen Bell Rock-Hotels diejenigen erwähnte, die maßgeblich an dem Projekt beteiligt waren, da nannte er auch den Namen von Ralf Rauer und hob dessen Arbeit besonders hervor. Ein Lob, das den 33-Jährigen natürlich gefreut hat. Und er gibt das Lob zurück: "Für einen so jungen Menschen wie mich war das ein überdimensionales Projekt. Ich kann mich glücklich schätzen, das Vertrauen der Familie Mack geschenkt bekommen zu haben."

Ralf Rauer ist ein Eigengewächs des Europa-Parks. Schon das Vorpraktikum hat er dort gemacht ("Das war mit der ausschlaggebende Punkt für meine Berufswahl"), während seines Architekturstudiums von 2002 bis 2007 an der FH Karlsruhe arbeitete er dann immer freitags, an den vorlesungsfreien Tagen und in den Semesterferien im Baumanagement des Freizeitparks. Das ganze Jahr 2003 über hat er sich im Praxissemester mit dem damals neuen Hotel Colosseo beschäftigt– sein erstes großes Projekt im Europa-Park. Seit 2007 ist er angestellt.

Dass er seine ganze Ausbildung beim Europa-Park absolviert hat, sieht Ralf Rauer als Vorteil. Dabei gab und gibt es unter seinen Studienkollegen durchaus Vorbehalte: "Viele denken, dass wir nur Kulissen bauen. Durch die beiden Hotels Colosseo und Bell Rock sehen sie aber, dass wir auch richtig bauen." Der 33-Jährige, der mittlerweile in Grafenhausen lebt und seit einigen Monaten Vater einer Tochter ist, gehört zur Abteilung Baumangagement, der zwei Ingenieure, zwei Architekten, drei Bauchzeichner, zwei Sekretärinnen und Praktikantin angehören. Rauer plant selber Projekte oder übernimmt Bauleitung und Bauabwicklung. Beim Bell Rock stammte der Entwurf für die Gebäude im neuenglischen Stil vom Münchner Rudi Neumeier, alles um diese Gebäude herum – also Zufahrten, Stege, Seen, Häuschen oder Grünanlagen – haben Ralf Rauer und seine Kollegen entworfen. Das Restaurant Ammolite lief komplett über den 33-Jährigen.

"Man muss nicht stur die Scheuklappe aufhaben,

man sich austoben."

Ralf Rauer über seine Arbeit
Viel wurde während der Bauzeit improvisiert, manche Ideen entstand erst während der Bauphase, wie drei kleine Häuschen im Außenbereich. "Da haben wir überlegt: ’Hoppla, da müssen wir unseren Gästen doch noch etwas anbieten.’" Das geschieht im engen Austausch mit Roland Mack, dessen "Steckenpferd" die Bauabteilung ist, wie Ralf Rauer sagt. Da schickt der Inhaber von einer Reise im Ausland schon einmal ein Foto mit einer neuen Idee, die er gerade gesehen hat: "Er gibt immer seine eigene Note dazu."

Während der Bauphase des Bell Rock war Ralf Rauer fast rund um die Uhr auf der Baustelle, sein Büro hatte er in einen Container auf dem Parkplatz verlegt. Viele Samstage war er auf der Baustelle "und an den Sonntagen hatte ich das Bell Rock auch noch im Kopf". Erst im September hat er wieder seinen Schreibtisch im Verwaltungsgebäude bezogen. Die Arbeit ist deshalb aber noch nicht zu Ende: "Die Details, auf die wir großen Wert legen, die können wir gar nicht im Vorfeld planen."

Das Bell Rock war das bisher größte Projekt vom Ralf Rauer in seiner Verantwortung und er weiß das sehr zu schätzen: "Es gibt Studienkollegen von mir, die dürfen gerade einmal Einfamilienhäuser bauen." Auf Rauers Referenzliste stehen dagegen schon die Sicherheitszentrale, die Gärtnerei, das Tipidorf mit Saloon oder das Science House.

Die enge Zusammenarbeit mit der Familie Mack ist für Rauer dabei Spaß und Motivation zugleich – wobei es einen kreativen Austausch gibt, auch mal unterschiedliche Meinungen. Ralf Rauer schätzt dabei die Freiheit, die ihm die Eigentümer einräumen: "Man muss nicht stur die Scheuklappe aufhaben, man sich austoben." Eine richtige Pause wird es für Ralf Rauer nicht geben. Denn anders als in anderen Unternehmen, ist der Winter die Hauptbauzeit im Europa-Park – dann wenn die Saison eine Pause einlegt. "Die Arbeit geht uns nicht aus, dass wir stehen bleiben, gibt es nicht. Wenn wir nicht etwas Neues bauen, dann sanieren wir." Acht neue Projekte stehen auf dem Plan – und wenn Roland Mack wieder etwas Neues im Ausland entdeckt, dann können es auch mehr werden.