Drei Landwirte gegen den Schlamm

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Sa, 19. Januar 2019

Schallbach

In Schallbach gibt es nun ein Konzept zum Schutz vor Erdrutschen bei starkem Regen.

SCHALLBACH (sil). Immer wieder strömen nach starkem Regen Massen von Schlamm den Fischinger Hang hinab nach Schallbach, zuletzt im Mai 2018. Der Schlamm verursacht im Dorf Schäden, zugleich geht wertvoller Ackerboden verloren. Drei Schallbacher Landwirte, die im Gewann "Rohr" Flächen am Hang entlang des Fischinger Wegs bewirtschaften, wollen nun etwas dagegen tun.

Im vergangenen Jahr hatte es zum Thema ein Treffen von Bürgermeister Martin Gräßlin, betroffenen Landwirten und Rolf Hess vom Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamtes gegeben. Gemeinderat Christian Iselin stellte nun das Konzept der drei Landwirte vor. Wegen Befangenheit stimmte er jedoch nicht mit ab, ebenso wie Michael Sütterlin.

Zum bereits vorhandenen Erdwall quer zum Hang sollen drei mittels Akazienpfählen oder Eichenstämmen befestigte Reisig-Wälle hinzukommen. Die Reisigwälle könnten noch in diesem Winter in einer Gemeinschaftsaktion angelegt werden. Zwei Wälle werden sollen rund 25 Meter lang, einen Meter breit und einen halben Meter hoch werden. Ein dritter Wall nahe der Kreisstraße 6327 soll winkelförmig werden.

Des Weiteren soll ein Stück Ackerland nahe der Kreisstraße in weniger erosionsanfälliges Grünland umgewandelt werden. Damit der Boden im Frühjahr bei Starkregen weniger ausgeschwemmt wird, sollen zudem Maisfelder mit einer Kombination aus Mulchsaat und Untersaat versehen werden. Bei der Mulchsaat wird der Acker nicht gepflügt, sondern stehen gebliebenes Pflanzenmaterial wird mittels eines "Grubbers" eingearbeitet. Bei der Untersaat wird zur Stabilisierung der oberen Bodenschicht eines Maisfelds zusätzlich Hafer ausgesät.

Die drei Landwirte Christian Iselin, Manfred Sütterlin und Florian Lindemer fordern von der Gemeinde, dass diese einem von ihnen drei Flurstücke nahe der Kreisstraße gratis zur Verfügung stellt. Dort soll dann Ackerland in weniger profitables Grünland umgewandelt werden. Des Weiteren fordern sie, dass die Gemeinde die Kosten für Bagger, Akazienpfähle und Eichenstämme trägt. Die Kosten liegen voraussichtlich bei rund 2000 Euro im ersten Jahr und je 1000 Euro in den beiden Folgejahren.

Keine Mehrheit für den Vorschlag des Bürgermeisters

Das Reisigmaterial, so Iselin, könne eventuell gratis von der Straßenmeisterei Wollbach bezogen werden. Wie er ausführte, gebe es beim bereits vor einigen Jahren angelegten Erdwall gewisse Erfolge, doch auch Probleme mit Staunässe. Die Reisigwälle hingegen seien wasserdurchlässig und sollten das im Schlamm enthaltene Erdreich festhalten. In Frankreich habe man damit bereits gute Erfahrungen gemacht.

Bürgermeister Gräßlin dagegen meinte, Reisigwälle seien kurzlebig und müssten sich zudem erst verschlämmen. Er halte Erdwälle, die zwecks Entwässerung mit Rohren versehen seien, für besser. Florian Grether, Carsten Dobrinski und Christina Neu plädierten dafür, das Konzept auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Regina Wagner fand die Initiative der drei Landwirte "gut durchdacht". Für Gräßlins Alternativvorschlag, der Anlage weiterer Erdwälle samt Röhren, gab es fünf Gegenstimmen. Das Konzept der Landwirte fand mit fünf Befürwortern eine Mehrheit. Gräßlin stimmte dagegen.