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28. April 2017

Viel Applaus für "Sonnengrün"

Solararchitekt Rolf Disch baut die Wohnanlage in den Weiermatten in Schallstadt / Finanzierung und Mietpreise noch offen.

  1. Der Entwurf des Architekten Rolf Disch für die Bebauung in den Weiermatten Foto: Visualisierung: Rolf Disch

SCHALLSTADT. Sechs Investoren hatten sich um den Bau des bewohnbaren Lärmschutzriegels entlang der Straße Brandhof in Schallstadt beworben, drei von ihnen hatten schon vor der Sitzung des Auswahlgremiums Anfang August 2016 das Handtuch geworfen (die BZ berichtete). Jetzt beschloss der Gemeinderat einstimmig, das nicht ganz unkomplizierte Bauvorhaben an den Freiburger Architekten Rolf Disch zu vergeben, der mit seinem vierteiligen Plusenergiehaus "Sonnengrün" nicht nur die Jury zu überzeugen vermochte.

Nachdem Rolf Disch seinen Entwurf für den Riegelbau nochmals im Detail vorgestellt hatte, gab es sowohl von den Bürgern im Zuhörerbereich als auch vom Ratsgremium kräftigen Applaus. "Ich bin zutiefst beeindruckt", gestand Karin Müller-Sandner (Bündnis 90/Die Grünen) – und war mit ihrem Eindruck offenbar nicht allein.

Das Gebäude
"Uns ist das Projekt ein ganz wichtiges, denn das vielfältig Schwierige reizt uns." Mit diesen Worten war Rolf Disch in seine Präsentation eingestiegen. Schwierig sei zum einen der Baugrund, da das Grundwasser "direkt an der Grasnarbe" stehe. Die geplante Tiefgarage müsse deshalb komplett in weißer Wanne gebaut werden. Auch sei die Gründung selbst "nicht einfach und teuer", da tragfähiger Baugrund erst in fünf Meter Tiefe zu finden sei, machte der Planer deutlich. Zum anderen müsse das Haus so gebaut werden, dass der Lärm, der von den unmittelbar auf der anderen Straßenseite liegenden Gewerbebetrieben ausgehe, innerhalb des Gebäudes im rechtlich zulässigen Rahmen bliebe. Zugleich müsse das Bauwerk als Schallschutzwand für das südwestlich geplante kleinteilige Wohngebiet "Weiermatten" dienen können, führte Disch weiter aus.

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Nach derzeitiger Berechnung schlagen allein die Schallschutzvorkehrungen mit rund 600 000 Euro zu Buche, rechnete der Architekt vor. Er versprach jedoch, dass sein Büro sowohl bei der Gründung als auch beim Schallschutz versuchen werde, "die Kosten so gering wie möglich zu halten". "Badische Lösungen" für den Schallschutz wünschte sich Hansjörg Klumpp (CDU), der "den ganzen Popanz wegen einer Stunde morgens Lärm" für übertrieben hält.

Die Wohnungen
Mehr Freude machten Rolf Dischs Ausführungen zum Gebäude selbst. Mindestens 40 Prozent der Wohnungen in den vier leicht bogenförmig nebeneinander geplanten Pultdachhäusern sollen Mietwohnungen werden, sagte der Architekt. Die Zahl der Wohnungen könne nach Bedarf festgelegt werden, denn die rund 16 Meter hohen dreistöckigen Baukörper mit aufgesetztem Penthouse seien in ihrem inneren relativ flexibel aufteilbar, wie er anhand einer Planzeichnung aufzeigte. Von der rund 20 Quadratmeter großen Einraumwohnung bis zur knapp 130 Quadratmeter großen Mehrzimmerwohnung wäre vieles möglich. Angedacht sei zudem sogenanntes Clusterwohnen – Appartements, die sich Gemeinschaftsräume teilen. Neben unterschiedlicher Nutzung – Wohnen und Arbeiten – schweben Rolf Disch auch unterschiedliche Nutzer vor: vom Flüchtling über Senioren und Mehrgenerationenwohnen bis hin zu Studenten.

Energetisch werde das Haus der höchsten Förderstufe KfW 40 plus genügen, wofür unter anderem eine Photovoltaikanlage auf den Dächern sorgen soll. Noch überlegt werde, ob das Haus komplett in Holzbauweise errichtet werden kann. Hier sei der Planungsaufwand jedoch "gigantisch". Als sein Steckenpferd bezeichnete der Architekt, der mit dem Freiburger "Sonnenschiff" bereits ein ähnliches Projekt realisiert hat, das Thema Mobilität. Für das Haus "Sonnengrün" sind neben etlichen geschützten Fahrradstellplätzen auch Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos geplant. Auf Dischs Wunschzettel steht zudem ein hauseigener E-Fuhrpark, der eventuell in Kooperation mit einem Freiburger Car-Sharing-Unternehmen betrieben werden könne.

Mieten und Finanzierung
Noch offen ist, das ergaben die Nachfragen von Karin Müller-Sandner und Wolfgang Perach (beide Grüne), wie das Gebäude finanziert werden soll und wie hoch die Quadratmetermietpreise ausfallen werden. Rolf Disch versprach, die Mieten "möglichst günstig" zu gestalten, was aber letztlich auch vom Grundstückspreis abhinge. Was die Investoren betreffe, habe man bereits "etwas im Auge", wolle jedoch erst mit einem "noch besser ausgearbeiteten Konzept" in mögliche Verhandlungen gehen, schloss Disch.

Autor: Julius Steckmeister