"Auch mal an was Anderes denken"

Luca Schöder, Klasse 9e, Faust-Gymnasium, Staufen

Von Luca Schöder, Klasse 9e, Faust-Gymnasium & Staufen

Mi, 23. Dezember 2015 um 14:40 Uhr

Schülertexte

Sebastian Kienle ist ein deutscher Triathlet. Er ist mehrfacher Deutscher Meister, Ironman-Weltmeister sowie Ironman-Europameister. Er wird in der Bestenliste deutscher Triathleten auf der Ironman-Distanz geführt – und er hat 2014 den Ironman auf Hawaii gewonnen. In diesem Jahr belegte er beim Ironman-Hawaii-Wettbewerb den achten Platz. Zischup-Reporter Luca Schöder aus der Klasse 9e des Faust-Gymnasiums in Staufen hat ihn interviewt.

Sebastian Kienle ist ein deutscher Triathlet. Er ist mehrfacher Deutscher Meister, Ironman-Weltmeister sowie Ironman-Europameister. Er wird in der Bestenliste deutscher Triathleten auf der Ironman-Distanz geführt – und er hat 2014 den Ironman auf Hawaii gewonnen. In diesem Jahr belegte er beim Ironman-Hawaii-Wettbewerb den achten Platz. Zischup-Reporter Luca Schöder aus der Klasse 9e des Faust-Gymnasiums in Staufen hat ihn interviewt.

Zischup: Wie trainierst du auf so einen Wettkampf?
Kienle: Das Training geht natürlich nicht erst in den Wochen vor dem Wettkampf los, sondern schon Jahre davor. Es braucht eine sehr lange Zeit, bis man so weit ist. Als Faustregel kann man sagen, dass man nach rund 10 000 Stunden Training bei seinem besten persönlichen Potential angekommen ist.
Zischup: Wie ernährst du dich während des Rennens auf Hawaii?
Kienle: Da gibt es spezielle Produkte, deren Energiedichte sehr hoch ist. Das sind Riegel und vor allem Gels, weil man bei der Belastung nicht so einfach kauen kann. Die Ernährung ist sehr wichtig bei einer Langdistanz. Das ist wie bei einem Sportwagen, der hat zwar einen tollen Motor, aber wenn der Tank leer ist, funktioniert er nicht mehr.
Zischup: Wie viel verdienst du?
Kienle: Deutlich weniger als jeder Fußballprofi, aber genug um davon gut leben zu können. Der größte Lohn ist aber, etwas machen zu dürfen, was mir Spaß macht, viel zu reisen und ein sehr selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Zischup: Und wie lange trainierst du am Tag?
Kienle: Mitunter trainiere ich bis zu neun Stunden, im Schnitt trainiere ich zirka dreieinhalb Stunden jeden Tag.
Zischup: Trainierst du jeden Tag?
Kienle: Normalerweise habe ich einen Tag in der Woche Pause, sonst trainiere ich jeden Tag bis zu vier Einheiten.
Zischup: Wo trainierst du?
Kienle: Ich trainiere immer noch sehr viel daheim in Mühlacker, aber ich bin auch in vielen Trainingslagern, zum Beispiel auf Fuerteventura, in Tucson, in Hawaii. Oft geht das nicht anders, weil es schwierig ist, zuhause im Winter so viel zu trainieren, ohne dabei krank zu werden. Und natürlich macht gerade das Radfahren auch mehr Spaß, wenn die Sonne scheint und man mit anderen zusammen trainieren kann.
Zischup: Wie fühlst du dich vor so einem Wettkampf?
Kienle: Natürlich bin ich vor einem großen Rennen sehr nervös, man fragt sich immer, ob man genug trainiert hat. Man hat auch ein bisschen Angst, weil man nicht weiß, wie es laufen wird. Aber man freut sich auch, weil man sehr lange dafür gearbeitet hat und jetzt zeigen kann, was man drauf hat. Es ist also ein Mix aus verschiedenen Gefühlen.
Zischup: Wie fühlst du dich nach so einem Wettkampf?
Kienle: Das kommt natürlich auch auf das Ergebnis an, aber nicht nur. Gerade nach einer Langdistanz ist man meistens schon sehr euphorisch, weil man es geschafft hat. Das Gefühl kann sehr lange anhalten. Oft geht es mir in den Wochen nach einem Rennen sehr, sehr gut.
Zischup: Was machst du nach so einem Wettkampf?
Kienle: Nach Hawaii habe ich erst einmal Urlaub gemacht. Das ist sehr wichtig, nicht nur, damit der Körper sich erholen kann, sondern auch damit man einmal an etwas Anderes denken kann als nur an den Sport. Auf Dauer ist das nämlich nicht gut, man verliert den Spaß.
Zischup: Hast du am Morgen vor deinem Triumph 2014 an den Sieg geglaubt?
Kienle: Ja, das habe ich. In den Wochen davor eher nicht, aber es ist auch wichtig, an sich selber glauben zu können. Wenn man nicht daran glaubt, wird es sehr schwierig.
Zischup: Ab wann hast du daran geglaubt, Profi werden zu können?
Kienle: Während meines Studiums habe ich das erste Preisgeld verdient und meine ersten Sponsoren gehabt, die mir ein Gehalt bezahlt haben, da habe ich angefangen zu glauben, dass es wirklich klappen kann. Ich habe aber das Studium noch recht lange weiter durchgezogen.
Zischup: Was kannst du am besten von den drei Disziplinen?
Kienle: Sicher das Radfahren, Schwimmen ist meine große Schwäche.
Zischup: Weißt du schon, was du nach deiner Karriere machen willst?
Kienle: Als Erstes will ich meine beiden Studiengänge abschließen, im Moment studiere ich International Management in Ansbach, und das Physikstudium in Karlsruhe habe ich nach dem Vordiplom unterbrochen. Das würde ich gerne beenden, auch wenn das sehr schwierig wird.
Zischup: Was kannst du an deinem Sport nicht ausstehen?
Kienle: Die Leute, die betrügen, also zum Beispiel Dopingmittel nehmen, weil das alles kaputtmacht, was am Sport schön ist. Schlimm ist auch, wenn man verletzt oder krank ist und nichts machen kann oder darf, das wird dann für den Kopf sehr schwer. Viele Leute übertreiben es auch mit dem Sport und werden regelrecht besessen und süchtig, das ist sehr gefährlich und kann einen – fast wie eine Droge – total kaputtmachen.