Zischup-Interview

"Ich bin in gute Geschichten verliebt"

Irene Garofalo, Anna Koristka, Soraya Razama, Hanna Richter, Lilly Zipperer, Klasse 8a, Max-Planck-Realschule, Bad Krozingen

Von Irene Garofalo, Anna Koristka, Soraya Razama, Hanna Richter, Lilly Zipperer, Klasse 8a, Max-Planck-Realschule & Bad Krozingen

Fr, 18. August 2017 um 14:54 Uhr

Schülertexte

Andreas Kirchgäßner ist ein Jugend- und Kinderbuchautor aus Mengen. Am 20. März hat er an der Max-Planck-Realschule in Bad-Krozingen aus seinem Buch "Traum-Pass" gelesen. Fünf Schülerinnen der Klasse 8a haben ihn interviewt.

Zischup: Wie war Ihre zweijährige Afrikareise?
Kirchgäßner: Die war abenteuerlich und hat mich für mein Leben absolut geprägt. Ich bin nur langsam vorangekommen, damit habe ich nicht gerechnet. Ich fuhr mit einem Bus, das war eigentlich ganz gut, weil ich in Länder kam, wo es zum Beispiel keine Hotels gab. Man schläft in seinem Bus und ich kam halt so langsam vorwärts, dass mir der Bus zusammenbrach und ich immer wieder etwas reparieren musste. So konnte ich die Leute ganz gut kennenlernen, die Leute in den Werkstätten dort oder die Leute, bei denen ich so lange schlafen konnte, wenn mein Wagen in den Werkstätten war und so habe ich Afrika sehr genau kennengelernt. Aber ich hatte sehr oft Angst, dass es jetzt das endgültige Ende meines Wagens sein könnte und ich nicht mehr weiß, wie ich nach Hause kommen soll. Ich war also glücklich, hatte aber auch ganz schön Angst.
Zischup: Sind Sie alleine gereist?
Kirchgäßner: Nein mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau. Sie ist ebenso reiselustig wie ich und seither afrikabegeistert.
Zischup: Inwiefern wurde Ihr Buch "Traum-Pass" durch Ihre Afrikareise geprägt?
Kirchgäßner: Sehr, allein auf die Idee über afrikanischen Fußballer etwas zu schreiben, kam ich nur durch die Reise. Ich habe versucht mit afrikanischen Straßenfußballern zu spielen, aber bin gnadenlos gescheitert. Dort ist den Jugendlichen egal, wo der Ball hinfliegt, die werfen sich in jede Pfütze.

Zischup: In welches Land würden Sie gerne noch reisen?
Kirchgäßner: Ich bin ganz kurz vor einer Iranreise, habe die Flüge schon gebucht, aber kämpfe momentan noch um das Visum.
Zischup: Was treibt Sie in Länder wie Afrika und Iran?
Kirchgäßner: Also die erste Reise, die Afrikareise, sollte eigentlich um die ganze Welt gehen, aber ich habe gemerkt, mit meinem Auto kann ich froh sein, wenn ich überhaupt durch Westafrika komme. Außerdem mag ich es lieber, ein Land intensiv kennenzulernen, als immer nur überall ein bisschen reinzuschnuppern.
Zischup: Welcher Teil von Afrika gefällt Ihnen persönlich am besten?
Kirchgäßner: Ich kenne bis jetzt nur zwei Teile. Nordafrika und Westafrika. Die sind beide toll!
Zischup: Wie lange haben Sie gebraucht, um das Buch "Traum-Pass" zu schreiben?
Kirchgäßner: Zwei Jahre, ich hatte die Idee schon länger, aber als ich dann intensiv angefangen habe, daran zu arbeiten, waren es insgesamt zwei Jahre. Sehr viele Recherchen musste ich machen, da ich nicht der absolute Fußballexperte bin, was zum Beispiel Regeln betrifft.

Zischup: Und wie lange brauchen Sie, um allgemein ein Buch zu schreiben?
Kirchgäßner: Ich bin ein langsamer Schreiber. Außer die Kinderbücher, die habe ich ziemlich kurz hintereinander herausgebracht. Bei dem Roman "Traum-Pass" war ich mir aber auch sehr unsicher, weil ich nicht wusste, ob ich bei der Recherche alles richtig gemacht hatte. Deshalb habe ich es auch sehr viele Menschen Probe lesen lassen und habe gewartet, bis die mir eine Rückmeldung gaben.
Zischup: Wollten Sie schon als Kind Autor werden und was fasziniert Sie an ihrem Beruf?
Kirchgäßner: Also ich bin ein Autor, der hauptsächlich in gute Geschichten verliebt ist, was heißt, dass es für mich nicht wichtig ist, dass einer brillant formulieren kann, sondern für mich ist hauptsächlich wichtig, dass die Geschichte gut ist. Und schon als kleiner Junge sind mir ständig Geschichten eingefallen, besonders wenn ich nicht einschlafen konnte. Meine Großmutter, die selbst Schriftstellerin war, hat schon immer zu mir gesagt, ich solle Schriftsteller werden.

Zischup: Sie waren ja nicht immer Schriftsteller, wie kam es, dass Sie Ihren eigentlichen Beruf aufgegeben haben?
Kirchgäßner: Ja genau, zuerst habe ich Landwirt gelernt. Zwischenzeitlich war ich auch mal Maschinenschlosser und habe in Fabriken als Lkw-Fahrer gearbeitet und viele Jahre als Lagerarbeiter und erst durch diese Afrikareise habe ich gemerkt, verdammt, du musst zu dem stehen, wofür dein Herz schlägt. Und dann habe ich es gewagt und habe gesagt, ich versuche davon zu leben. Und es hat geklappt, zwar nicht von Anfang an, aber es hat geklappt.
Zischup: Gibt es Bücher, die Sie geschrieben haben, die aber nicht veröffentlicht wurden?
Kirchgäßner: Ja, meine Schubladen sind voll von Ideen und vollendeten Manuskripten.

Zischup: Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht am Bücherschreiben sind?
Kirchgäßner: Ich mache Lesungen, recherchiere für neue Bücher, mache Schreibwerkstätten an Schulen und damit verdiene ich auch mein Geld.

Zischup: Gibt es einen Grund, warum Sie sich auf Kinder- und Jugendbücher spezialisiert haben?
Kirchgäßner: Ja, erst habe ich angefangen, Erwachsenenbücher zu schreiben, aber als meine Tochter immer mehr verlangte, dass ich ihr Geschichten erzählen sollte, habe ich mir diese aufgeschrieben und habe versucht, diese bei Verlagen vorzustellen. Die Verlage waren durchaus interessiert daran.
Zischup: Gibt es Zeiten, in denen Ihnen keine Ideen für Bücher kommen? Und was machen Sie dann?
Kirchgäßner: Also, wenn ich mal eine Schreibblockade habe, hilft es mir auf Reisen zu gehen. Wenn ich wieder zu Hause bin, habe ich lauter neue Ideen.
Zischup: Wie viele Bücher haben Sie geschrieben und welches davon ist Ihr Lieblingsbuch
Kirchgäßner: Ich habe sechs Kinderbücher geschrieben und mein Lieblingsbuch davon ist "Das alte Haus". Von den Jugendbüchern ist mir das Buch "Traum-Pass" das wichtigste. Das einzige, was ich nicht mehr so liebe, ist der Roman "Zeitverlust".

Zischup: Muss man, um Schriftsteller zu werden, gut in Deutsch sein?
Kirchgäßner: Nein, ich bin in Rechtschreibung bis heute schlecht. Also wenn man grammatikalisch falsch schreibt, ist das vielleicht nicht von Vorteil. Aber durch die ganzen Rechtschreibprogramme spielt Rechtschreibung nur noch eine untergeordnete Rolle.
Zischup: Haben Sie Tipps für junge Autoren?
Kirchgäßner: Wenn ihr Spaß habt, am Geschichtenerfinden, lasst euch nicht davon abbringen, dass euch jemand sagt, dass da die Grammatik und die Rechtschreibung nicht stimmt, sondern schaut erst einmal auf eure Geschichte und sucht euch jemand anderen, der euch sagt, ob sie ihm gefällt oder nicht, und nehmt dessen Tipps an.
Zischup: Haben Sie ein Vorbild beim Schreiben?
Kirchgäßner: Eigentlich nicht, aber ich bin nach wie vor begeistert von Astrid Lindgren und Ottfried Preußler. Trotzdem würde ich nicht versuchen, wie sie zu schrieben.
Zischup: Was ist Ihr nächstes Projekt?
Kirchgäßner: Ich bin jetzt gerade an einem Projekt über einen Hund, der immer schneller wächst und sich langsam als ein Drache entpuppt .
Zischup: Welche Geschichten schreiben Sie am liebsten?
Kirchgäßner: Am liebsten schreibe ich Abenteuerromane.
Zischup: Haben Sie ein Hobby?
Kirchgäßner: Reisen und Lesen sind meine Hobbys.