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14. November 2012

Energiewende im Namen des Herrn

In Schutterwald entsteht auf Initiative der katholischen Kirche ein Solarpark mit einem Jahresertrag von 2500 Megawattstunden.

  1. Anpacken für die Energiewende (von links): Planer Klaus Grossmann aus Balingen, Gerhard Beha, Land- und Forstwirt bei der Erzdiözese Freiburg, Johannes Groß von der Firma Wirsol, Johannes Baumgartner, Abteilungsleiter Diözesane Stiftungen beim Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, Martin Holschuh, Bürgermeister von Schutterwald, Jürgen Gaugel, Geschäftsführer Wirsol und Volker Fouquet, Kommunalberater aus Konstanz. Foto: R.  Ullmann

SCHUTTERWALD. Der Solarpark Schutterwald kommt. Am Dienstag war der offizielle erste Spatenstich, in Kürze rollen die Bagger an. Bauherren sind die Firmen Wirsol, Waghäusel, und Sowi-Energie, Baienfurt bei Ravensburg. Laut Sowie-Energie-Geschäftsführer Jürgen Gaugel soll der Solarpark Schutterwald im ersten Quartal 2013 ans Netz gehen. Gaugel rechnet mit einem Jahresertrag von etwa 2500 Megawattstunden – das entspricht etwa durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 830 Haushalten.

Dafür werden auf der 6,6 Hektar großen Fläche 9800 Solarmodule eingebracht. Die CO2-Einsparung, so Gaugel, liege bei knapp 1700 Tonnen pro Jahr. Der Park entsteht auf Schutterwälder Gemarkung südlich der L-99-Brücke über die A 5, auf 77 Metern Länge westlich der Autobahn. Bislang war das Areal ein Maisfeld.

Der Anstoß zu dem Projekt kam von der katholischen Kirche. Rund die Hälfte des künftigen Solarpark-Geländes gehört der Pfarrpfründestiftung der Erzdiöszese Freiburg. Der Stiftung gehören allein in der Ortenau 6000 landwirtschaftliche Grundstücke. Mit ihrem Ertrag werden Pfarrer-Gehälter finanziert. Laut Johannes Baumgartner, als Abteilungsleiter beim Erzbischöflichen Ordinariat für diese Stiftung zuständig, will man in größerem Umfang Gelände für Solar- und Windkraftprojekte zur Verfügung stellen. Baumgartner spricht von weiteren Liegenschaften längs der Autobahn und der Rheintalbahn, die in Frage kommen, für die man teils in Verhandlung sei. Mit der Firma Wirsol habe man bereits ein großes Projekt realisiert. Die Erzdiözese habe vor einem Jahr mit der Gemeinde Schutterwald Kontakt aufgenommen und die Partner zusammengebracht.

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In seiner Gemeinde sei das Projekt kontrovers diskutiert worden, so Bürgermeister Martin Holschuh. Die Grundsatzentscheidung für den Solarpark sei jedoch sehr früh gefallen. Was das Ja zum Solarpark vermutlich erleichterte: Schutterwald hat längs der A 5 einen Lärmschutzwall erhandelt. Er entsteht auf Gelände der Stiftung. "Auf diesen Lärmschutz haben wir der Entfernung wegen keinen rechtlichen Anspruch gegenüber dem Bund", so Holschuh. Die Gemeinde hätte ihn selbst nicht errichten können, da ihr das Gelände nicht gehört. Der Bau einer möglichen Autobahnanschlussstelle Offenburg-Süd werde durch den Park nicht beeinträchtigt, so Holschuh. Dazu kommt, dass Wirsol und Sowi-Energie die Betreibergesellschaft in Schutterwald ansiedeln werden, wodurch der Gemeinde Steuereinnahmen zufließen. Holschuh zufolge bringt auch Schutterwald einen Teil des Geländes mit ein. Ein Hektar war im Gemeindebesitz, weitere Flächenwurden erworben. Es sind noch drei Grundbesitzer beteiligt, darunter ein Landwirt. Im Wesentlichen sei es um die Abwägung mit der landwirtschaftlichen Nutzung gegangen, zumal ein Landwirt eine große Fläche abgeben musste, die er bislang von der Erzdiözese gepachtet hatte.

Auch Baumgartner spricht diese Problematik an. Man versuche, soweit möglich, Ersatzpachtflächen anzubieten. Die betroffenen Landwirte dürften nicht in ihrer Existenz gefährdet sein. Man gebe jedoch der Energieerzeugung durch Solarkraft gegenüber dem Maisanbau den Vorzug, auch um die Energiewende zu unterstützen. Bei einer Veranstaltung mit Pfarrgemeinderäten am Samstag in Sasbach bei Achern habe man diese Grundsatzentscheidung diskutiert und sei auf einmütige Zustimmung gestoßen. Man sehe sich als Kirche in der Pflicht, die Umwelt für die nachfolgenden Generationen zu bewahren. Jürgen Gaugel sieht im Solarstrom gegenüber dem Maisanbau für Biogas die bessere Alternative, da der Park emissionsfrei betrieben werde. Der Solarpark Schutterwald soll 30 Jahre Strom erzeugen. In diesem Zeitraum wird das Areal extensiv bewirtschaftet: Zwei Mähschnitte pro Jahr. Auch dass dadurch mit der Zeit hochwertiger Lebensraum für viele Arten entstehen kann, sprach bei den Beteiligten für das Projekt.

Autor: Robert Ullmann