Schwanau

Bundesverkehrsminister war bei Herrenknecht

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Fr, 07. Oktober 2016 um 17:27 Uhr

Schwanau

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat sich zeigen lassen, wo die großen Bohrer herkommen. Am Rande erläuterte er auch die Pläne zum Ausbau der A5.

"Bei der WM kann man dann in jedes Stadion fahren", erklärt Martin Herrenknecht die Metrolinie in Doha/Katar seinem Gast. Gebohrt wurden die Röhren von Herrenknecht-Maschinen, am 25. September war die letzte Durchbruchsfeier nach 111 gebohrten Kilometern in 26 Monaten. Der Verkehrsminister ist beeindruckt und plaudert mit dem Firmenoberhaupt über die Produkte aus dem Hause Herrenknecht, das nach eigenen Angaben im Jahr 2015 mehr als 60 Tunnelbohrmaschinen ausgeliefert hat.

Dass der Bohrer, der sich unter dem Bosporus durchgefressen hat, für 35 Millionen Euro zu haben war, findet der Bundesminister "gar nicht so teuer". Bei einem Tunnelprojekt bei ihm zu Hause sei dagegen gesprengt worden. "Das ist Blödsinn", kommentiert Herrenknecht, bekannt für deutliche Worte. Für ihn gibt es nur Bohren. Weltweit und egal wie und für welchen Zweck – vertikal oder horizontal, für Verkehr, Abwasser, Öl- oder Gasbeförderung.

Wo die Bohrer konstruiert werden, erfährt der Minister direkt an einem Schreibtisch eines Angestellten. "Der Bundesverkehrsminister ist das – was machst du?", leitet Herrenknecht das Gespräch spontan beim Vorbeigehen ein. Auch die Lehrwerkstatt schaut sich Dobrindt an, studierter Soziologe und einige Jahre Geschäftsführer einer mittelständischen Maschinenbaufirma.

Gruppenfoto vor Tunnelbohrer

Es ist kurz nach 16 Uhr, eigentlich hätten die Lehrlinge schon Schluss, aber wegen des Besuchs feilen sie noch weiter. 5000 Mitarbeiter hat Herrenknecht weltweit nach eigenen Angaben, darunter rund 180 Auszubildende. Schließlich gibt es noch ein Gruppenfoto vor "Vitosha", einem fertigen Tunnelbohrer, offensichtlich benannt nach einem bulgarischen Gebirge. Der Bohrer baut das Metronetz der Hauptstadt Sofia aus.

Sechsspurig ausgebaut werden soll auch die A 5 direkt vor der Haustür der Firma Herrenknecht. Am Rande seines Besuchs erklärte der Bundesminister, Ziel sei, die Arbeiten an der A 5 mit dem Ausbau der autobahnparallelen Bahntrasse abzustimmen. Das Bundeskabinett hatte Anfang August im überarbeiteten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 Planungsrecht für den Ausbau zwischen Offenburg und Freiburg gebilligt.

Bei der Pkw-Maut, die für In- und Ausländer gelten soll, erkennt Dobrindt keine Diskriminierung. Damit Deutsche sie nicht im eigenen Geldbeutel spüren, soll die Kfz-Steuer um den Betrag sinken, der künftig an Maut bezahlt werden muss. Die Europäische Kommission hat jüngst Deutschland wegen der Pkw-Maut verklagt, da sie die ausländische Autofahrer diskriminiere. Dass nun der Europäische Gerichtshof über die Maut entscheiden soll, begrüßt Dobrindt. Damit gehe es zügig mit der Maut voran. Er erwartet eine Bestätigung seiner Rechtsauffassung über die Maut.

Martin Herrenknecht hätte seinen Besucher gern noch zum Essen eingeladen. "Ein Vesper oder ein Abendessen sind üblich", sagte er. Dobrindt musste sich jedoch sputen. Er wurde in Stuttgart zur Verkehrsministerkonferenz erwartet.

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