Sensationsfund

Aargauer Bauer findet römischen Münzschatz unter Kirschbaum

sda

Von sda

Do, 19. November 2015 um 14:24 Uhr

Schweiz

Es ist einer der größten Münzschätze der Schweiz: Ein Landwirt hat in Ueken im aargauischen Fricktal zufällig über 4000 Münzen aus der Römerzeit entdeckt. Sie sind mehr als 1700 Jahre alt.

Die Münzen sind sehr gut erhalten und stammen aus der Zeit um 295 nach Christus. Das teilte die Kantonsarchäologie Aargau mit. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Münzen kurz nach der Prägung aus dem Verkehr gezogen und vergraben worden waren.

Der Fundort befindet sich nur wenige Kilometer südlich von Murg und Laufenburg am Hochrhein entfernt.Die Münzen lagen danach mehr als 1700 Jahre gut versteckt unter der Erde - bis sie ein Landwirt in Ueken im Fricktal in seiner Kirschbaumplantage auf dem Chornberg fand. Der Landwirt entdeckte zunächst auf einem Maulwurfhügel einige grün schimmernde Münzen.

Die Bauernfamilie erinnerte sich daran, dass wenige Monate zuvor im nahe gelegenen Frick eine römische Siedlung ausgegraben worden war. Der Landwirt informierte die Kantonsarchäologie, die dessen Vermutung bestätigte: Die außergewöhnlich gut erhaltenen, fast prägefrischen Münzen stammen aus der Römerzeit.

Ausgrabungen unter Geheimhaltung

Die Archäologen sicherten die Fundstelle. Unter strenger Geheimhaltung lässt der Kanton im September eine Ausgrabung machen. "Was wir dann innerhalb von drei Tagen freilegen, dokumentieren und bergen konnten, übertrifft alle Erwartungen bei Weitem", sagt Kantonsarchäologe Georg Matter. Es gebe nur vereinzelt vergleichbare Münzschätze.
Die Archäologen legten bis Anfang November immer mehr Münzen aus dem Ackerboden frei. Auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern wurden insgesamt 4166 römische Münzen geborgen. Alle Münzstücke wiegen zusammen rund 15 Kilogramm.

Bronzemünzen mit hohem Silbergehalt

Es handelt sich um besonders hochwertige Bronzemünzen, die einen hohen Silbergehalt von fünf Prozent aufweisen, wie die Untersuchungen ergaben. Die Prägungen auf der Vorder- und Rückseite sind gut lesbar. Sie zeigen, dass die Münzen aus der Zeit von 274 nach Christus stammen.
Der Münzexperte Hugo Doppler identifiziert unter anderem Prägungen der Kaiser Aurelianus (270-275), Tacitus (275-276), Probus (276-282), Carinus (283-285), Diocletianus (284-305) und Maximianus (286-305). Die jüngsten Exemplare stammen gemäß der Kantonsarchäologie aus dem Jahr 294 nach Christus.

Doppler geht davon aus, dass die Münzen so gut erhalten sind, weil diese unmittelbar nach ihrer Prägung aus dem Verkehr gezogen worden waren. "Der Besitzer muss diese Münzen gezielt ausgesucht haben, um sie zu horten", vermutet Doppler: "Das in ihnen enthaltene Silber garantierte in der damals wirtschaftlich unsicheren Zeit wohl einen gewissen Werterhalt."

Münzschatz gehört dem Kanton

Mindestens ein Teil der Münzen war in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben worden. Über den damaligen Wert der 4166 Münzen, die nun gereinigt und weiter untersucht werden, können die Archäologen bislang einzig Vermutungen anstellen.Klar ist, dass es sich um ein beträchtliches Vermögen in der Größenordnung von einem bis zwei durchschnittlichen Jahreseinkommen handeln muss, wie es heißt.Der archäologische Bodenfund gehört gemäß Gesetz der Allgemeinheit. Der Münzschatz von Ueken soll laut Matter im Vindonissa Museum in Brugg der Öffentlichkeit gezeigt werden. Das Museum präsentiert bereits Geschichte und Geschichten aus dem einzigen römischen Legionslager der Schweiz.

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