Schweiz

Öko-Institut warnt vor großen Mängeln im Atomkraftwerk Beznau

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Fr, 13. Oktober 2017 um 17:00 Uhr

Schweiz

Das Schweizer Atomkraftwerk Beznau in der Nähe der deutschen Grenze weist laut Freiburger Öko-Institut erhebliche Sicherheitsmängel auf. Nicht einmal Nachrüstungen würden diese beheben können. Politiker fordern die Abschaltung.

Das Schweizer Atomkraftwerk Beznau weist nach Ansicht des Freiburger Öko-Instituts erhebliche Sicherheitsmängel auf, die laut den Experten auch mit Nachrüstungen nicht behoben werden können. Das geht aus einem Gutachten hervor, das die auftraggebende Landesregierung in Stuttgart vorgestellt hat.

Beznau ist das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) erklärte, das Kernkraftwerk gehöre "zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschaltet". Beznau ist das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt; es liegt in der Nähe der deutschen Grenze. Untersteller sagte, das Akw Beznau sei in schlechterer Verfassung als Anlagen, "die wir nach Fukushima aus Sicherheitsgründen sofort abgeschaltet haben."

Die Studie ist ein Folgegutachten zu einer Analyse aus dem Jahr 2012, die ebenfalls das Öko-Institut vorgenommen hatte. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass wesentliche Schwachstellen bei der Sicherheit fortbestehen, obwohl beide Reaktorblöcke des Kraftwerks Verbesserungen erfuhren. Zwar seien auch für die Zukunft Nachrüstungen geplant. "An der Gesamtbeurteilung des Umweltministeriums, dass es sich um eine sicherheitstechnisch fragwürdige Anlage handelt, ändert sich dadurch aber nichts", sagt der Minister.

"Ich sehe es kritisch, wenn immer mehr Atomkraftwerke in unseren Nachbarstaaten über die ursprünglich vorgesehene Laufzeit in Betrieb bleiben." Rita Schwarzelühr-Sutter
Das Öko-Institut hat unter anderem die Bereiche Erdbeben, Überflutung, Brennelement-Lagerbecken, elektrische Energieversorgung, Kühlwasserversorgung, extreme Wetterbedingungen und Reaktordruckbehälter analysiert. Untersteller forderte, die Bundesregierung und die Schweizer Aufsichtsbehörde müssten Konsequenzen ziehen. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, erklärte: "Ich sehe es kritisch, wenn immer mehr Atomkraftwerke in unseren Nachbarstaaten über die ursprünglich vorgesehene Laufzeit in Betrieb bleiben. Das jetzt vorgelegte Gutachten bestätigt mich in dieser kritischen Haltung. Das ändert allerdings nichts daran, dass die alleinige Verantwortung für die Bewertung der Sicherheit des AKW Beznau bei der Schweizer Aufsichtsbehörde liegt."