Experiment

Schweizer Schüler schicken Playmobil-Mann in Stratosphäre

Max Schuler

Von Max Schuler

Mo, 17. Juni 2013 um 12:41 Uhr

Schweiz

Er fliegt und fliegt und fliegt, bis in 32 Kilometern Höhe die Latexhülle reißt: Schweizer Schüler haben einen Ballon in die Stratosphäre steigen lassen – und atemberaubende Bilder produziert.

Die Kamera schmettert zu Boden, das Bild verschwindet, der Playmobil-Mann ist verschollen. Im Laub zwischen Baumstämmen bei Eigeltingen am Bodensee endet der Flug eines Wetterballons, den Reto Speerli und seine Schweizer Schüler in den Himmel geschickt hatten. Auf seiner 90-Kilometer-Reise, die in Menzingen im Kanton Zug an der Tagesschule Elementa begann, lieferte der mit heliumgefüllte Ballon Bilder, wie man sie sonst nur von Raumstationen kennt. Die gesamte Schweiz, Norditalien und der Schwarzwald sind unter einem blauen Schleier zu sehen.

Vor der Kamera trotzt der Playmobil-Mann in gewohnt strammer Haltung den eisigen Temperaturen, die in der Stratosphäre bis zu 60 Grad unter Null fallen, wie Speerli berichtet. Über der Ozonschicht in 32 Kilometern Höhe beginnt das Bild dann plötzlich zu schlingern. Fetzen rieseln herab – der Ballon ist geplatzt. Aufgrund des niedrigen Luftdrucks hat sich das Helium immer weiter ausgedehnt, bis die elastische Latexhülle dem inneren Druck nicht mehr Stand halten konnte. Zu diesem Zeitpunkt hat der Ballon seine ursprünglichen Durchmesser von 1,5 Metern auf acht Meter ausgedehnt, sagt Speerli. Der Plastikpilot stürzt mit geschätzten 300 Kilometern pro Stunde zur Erde – den Aufprall scheint er trotz Fallschirm nicht überstanden zu haben.

Speerli und seine Schüler machten sich sofort auf die Suche nach Tuttlingen in Süddeutschland. Dort vermuteten sie die drei Ballons, die sie am 18. Mai in den Himmel geschickt hatten. Ein Ballon sammelte Wetterdaten, der andere machte Fotos und der Dritte filmte. Mittels GPS-Daten konnten sie die mit Styropor ausgekleideten Kapseln einen Tag später finden – zumindest zwei davon. Die Kapsel mit der Kamera blieb vorerst verschwunden. Enttäuschung machte sich breit.

Doch dann entdeckte Werner Joos vom Hägelehof aus Eigeltingen die Kamera und schickte sie in die Schweiz. Denn die Techniktüftler waren schlau genug, sich nicht nur auf ihre Computersysteme zu verlassen, sondern sie legten der Fliegerkapsel auch noch einen Finderbrief bei. So konnten die 14 Schüler doch noch das Video- und Datenmaterial auswerten. Mit dem Projekt Ikarus will der Lehrer Speerli die acht- bis zwölfjährigen Kinder für Naturwissenschaften und Technik begeistern. Die Eltern waren bereit, 500 Franken pro Kind für das Projekt zu bezahlen.

Der Playmobil-Mann blieb vorerst verschwunden, denn der fündige Bauer wusste nichts von dem Passagier. Dessen Eigentümer wollte das aber nicht akzeptieren. Darum reiste der Bub mit seinen Eltern nochmal nach Süddeutschland und machte sich auf die Suche – die Absturzstelle war ja bestens dokumentiert. Und die Hartnäckigkeit zahlte sich aus, weshalb das Plastikmännchen bald im Museum Verkehrshaus in Luzern zusammen mit den Filmaufnahmen zu sehen sein wird.

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