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14. Dezember 2009

Goldener Schlussspurt

EM-Titel für Schwimmer Paul Biedermann, Caroline Ruhnau, Johannes Dietrich und Jan Wolfgarten

  1. Ein echter Pfundskerl: 99-Kilo-Athlet Johannes Dietrich Foto: dpa

ISTANBUL (dpa/BZ). Die deutschen Schwimmer haben mit einem goldenen Schlussspurt ihre Bilanz bei der Kurzbahn-EM in Istanbul kräftig aufpoliert. Neben Top-Favorit Paul Biedermann, der nach den 400 Metern Freistil am Sonntag auch über 200 Meter triumphierte, siegten überraschend auch Caroline Ruhnau (Essen) über 200 Meter Brust, Schmetterling-Sprinter Johannes Dietrich (Wiesbaden) über 50 Meter und Jan Wolfgarten (Würzburg/1500 Meter Freistil) bei den Titelkämpfen in den nichtolympischen Wettbewerben auf der 25-Meter-Bahn.

Rückenschwimmerin Jenny Mensing (Wiesbaden) als Zweite über 200 Meter und die erst 15-jährige Dorothea Brandt (Berlin) mit Bronze über 50 Meter Freistil steigerten die Anzahl der deutschen Medaillen auf zwölf. Damit erreichte der Deutsche Schwimmm-Verband (DSV) trotz krankheitsbedingter Ausfälle das erhoffte zweistellige Medaillen-Ziel.

Trotzdem war der ehrgeizige Bundestrainer Dirk Lange am Ende des erfolgreichen Jahres nicht ganz zufrieden: "Das war heute ein guter Abschluss, insgesamt könnte es besser sein. Das heißt nicht, dass wir schlecht waren. Wir haben aber erkannt, wo wir uns verbessern müssen." Das deutsche Team sammelte als Vierter des Medaillenspiegels dank 13 nationaler Rekorde doppelt so viel Edelmetall (5 Gold-, 3 Silber- und 4 Bronzemedaillen) wie bei der desaströsen EM vor einem Jahr in Rijeka.

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Die Konkurrenz schwamm bei der letzten Meisterschaft in High-Tech-Anzügen 13 Welt- und 12 Europarekorde. Erfolgreichste Nation waren mit zehn Titeln die Niederlande vor den Russen (acht), beste Einzelsportler Stanislaw Donets (Russland/vier Titel) sowie die Niederländerinnen Inge Dekker und Hinkelien Schreuder (je fünf).

Biedermann musste nach einwöchiger Trainingspause wegen eines fiebrigen Infekts im Duell mit dem starken Russen Daniil Isotow an seine Leistungsgrenze gehen. In 1:39,81 Minuten lag der Weltrekordler im Ziel 27 Hundertstelsekunden vorn. "Ich bin sehr stolz, gegen diesen starken Gegner gewonnen zu haben. Ich habe schon gedacht, dass mich einer der Russen schlagen kann", sagte Biedermann, der die 250. deutsche Medaille bei Kurzbahn-Europameisterschaften gewann und nur eine knappe halbe Sekunde über seinem Weltrekord blieb.

Fassungslos war nach ihrem Coup Brustschwimmerin Ruhnau: "Ich kann es gar nicht glauben, das ist genial." Mit gewohnt kraftmeierischen Gesten feierte der bullige Johannes Dietrich seinen ersten Einzeltitel. "Ich habe abgenommen und wiege jetzt nur noch 99 Kilogramm. Und ich kann noch schneller schwimmen", sagte der Wiesbadener nach seinem Coup.

Völlig unverhofft "ereilte" auch Wolfgarten das EM-Gold. Der 27-jährige Würzburger verbesserte am Samstag in 14:20,44 Minuten seinen erst zwei Wochen alten deutschen Rekord um fast 14 Sekunden und hielt Titelverteidiger Federico Colbertaldo (Italien) auf Distanz. "Endlich ist der Knoten geplatzt", sagte Wolfgarten nach seinem größten Triumph. "Er hat eiskalt auf seine Chance gewartet", Lange.

Autor: dpa