"Ein bisschen Deutsch muss sein"

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Mi, 14. Juni 2017

Seelbach

Herbie Wickertsheim und seine Flüchtlingsband The Worlderers sind mit dem Integrationspreis Ortenau 2017 ausgezeichnet worden.

SEELBACH. Herbie Wickertsheim aus Seelbach liegen geflüchtete Menschen, die in der Region eine neue Heimat suchen, sehr am Herzen. Seit Beginn der großen Flüchtlingswelle 2015 kümmert er sich in vielerlei Art um die Asylsuchenden, weshalb ihm nun der Integrationspreis Ortenau zugesprochen wurde. Das Preisgeld von 1000 Euro, das er für den zweiten Platz erhalten hat, verwendet er für den Kauf von Musikinstrumenten für seine multinationale Band "The Worlderers".

The Worlderers – Musik spricht alle Sprachen: Das Logo für die Flüchtlingsband von Herbie Wickertsheim ist selbstredend. Mit dem Projekt vereint der pensionierte Lehrer und Musiker viele Aspekte der Integration. Menschen aus Afghanistan, Syrien, Gambia, Malawi, Nigeria und aus dem Iran und Irak treffen sich einmal wöchentlich im alten Bahnhöfle in Seelbach, um Musik zu machen. "Dabei bleiben Religion oder Politik außen vor und es zählt nur noch die vielfältige Musikkultur", sagt der 67-Jährige. Wichtig sei vor allem, keinen Perfektionsanspruch zu haben und für alles geduldig und offen zu sein. "Das bezieht sich auf beide Seiten", betont er.

Die Idee mit der Musik war naheliegend

Seine Arbeit mit Asylsuchenden hatte Wickertsheim gemeinsam mit seiner Frau Trudy schon 2015 begonnen, als der viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Damals habe er nicht einfach Geld spenden, sondern direkt vor Ort Hilfe leisten wollen, erzählt er. Er brachte sich ein mit Deutschunterricht und kümmert sich bis heute um Wohnungen und Arbeit für Geflüchtete, ist Berater und nicht selten Chauffeur. Selbst mit Musik groß geworden und unter anderem bekannt mit seiner Tanz- und Showband "Hot & Sweet" lag für Herbie Wickertsheim die Idee nahe, mit Asylsuchenden Musik zu machen. Dafür wurden in den Unterkünften in Lahr Listen ausgelegt, in die sich Interessierte eintragen konnten.

Was zuerst mit einer Trommelgruppe begann, sollte zu einer vielfältigen instrumentalen Band wachsen, erinnert sich der Wickertsheim. Anfangs sei es "ziemlich chaotisch" gewesen, denn die Gruppe habe für die Proben immer wieder die Räume in den Unterkünften wechseln müssen. Wickertsheim ging deshalb auf die Gemeinde Seelbach zu, die den Worlderers, in dem das englische Wort "world" für "Welt" steckt, einen Raum im alten Bahnhöfle zur Verfügung stellte. Dort können die Instrumente stehen bleiben, was eine große Entlastung ist. Seit einem Jahr treffen sich dort nun die acht Musikerinnen und Musiker. Schwierig dabei sei alleine die Sprache, um die Texte und Akkorde umzusetzen, so Wickertsheim. Dafür hat er ein einfallsreiches und eigenes System entwickelt mit großen Lettern und Wortlauten. Um mit dem Musikprojekt außerdem Integration zu bewirken, gehören viele deutsche Lieder zum Repertoire. Dafür hat er bekannte und eingängige Melodien wie "Mendocino" mit eigenen Texten versehen, die sich mit den Problemen von Asylsuchenden beschäftigen. Zum Thema schwierige Wohnungssuche singt die Gruppe zur Melodie von "Pretty Belinda": "Ich kauf mir ein Hausboot und stells in die Schutter". Mit Ohrwürmern wie "Ein bisschen Deutsch muss sein" oder "Ich bin nur ein Flüchtling, doch auch ein Mensch wie du" sollen viele Integrationsaspekte zusammenfließen, sagt Herbie Wickertsheim. Schicksale, Erfahrungen und Probleme der Flüchtlinge werden mit deutschem Text in eingängige und leichte Melodien verpackt. Zwar sei die Organisation der Proben nicht einfach, weil einige Flüchtlinge mittlerweile in Anschlussunterkünften in Schuttertal oder Gengenbach wohnten, aber auch da habe man Lösungen gefunden mit Fahrrad, Zug oder Bus. Für sein Engagement erhielt er deshalb den Integrationspreis des Ortenaukreises und der Sparkasse Offenburg/Ortenau, für den er vom Lahrer Freundeskreis Flüchtlingskreis vorgeschlagen worden war. "Meine Worlderers strahlen, wenn wir zusammen Musik machen und klatschen sich mit Freude ab", sagt Wickertsheim freudig.

Wer die Band live erleben möchte, kann das beim Dorffest in Seelbach am Sonntag, 9. Juli, 13 Uhr im Klostergarten. Oder beim Sommerfest des Mehrgenerationenhauses in Lahr beim Treffpunkt Stadtmühle am Freitag, 7. Juli, 15 Uhr.

Weitere Fotos, ein Video und eine Hörprobe gibt es unter freundeskreis-flüchtlinge-lahr.de/ musikprojekt