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07. Mai 2012

Florije Tatari soll bleiben

Der Seelbacher Unterstützerkreis informiert über aktuellen Stand bei der bosnischen Familie.

  1. Die Familie Tatari im November 2010 nach ihrer Abschiebung in den Kosovo: (von links) Erson, der mittlerweile nach Deutschland zurückkehren durfte, seine mittlerweile 13-jährige Schwester Alissa, der Vater Baskem und die Mutter Florije Tatari, die am vergangenen Freitag im Herzzentrum in Lahr operiert wurde. Foto: Privat

SEELBACH. Florije Tatari ist am vergangenen Freitag im Herzzentrum Lahr operiert worden und hat den Eingriff gut überstanden. Die schwer kranke Frau, die im Oktober 2010 nach 18 Jahren in Deutschland mit einem Teil ihrer Familie in den Kosovo abgeschoben wurde (die Badische Zeitung berichtete), konnte für die Dauer der Behandlung zurückkehren. Welcher Behördenmarathon dafür notwendig war, wie sich die Kinder Belkiza, Gzim und Erson fühlen und wie es weitergeht, darüber informierten der Unterstützerkreis und der Landtagsabgeordnete Thomas Marwein (Grüne) in einem Pressegespräch am Freitag.

Die drei erwachsenen Kinder wirkten trotz des guten Operationsverlaufes ihrer Mutter in dem Pressegespräch bedrückt. Freude und Leid liegen bei ihnen eng beieinander. "Wir sind natürlich sehr glücklich und dankbar darüber, dass unsere Mutter so viel Hilfe erhält und hier behandelt wird, im Kosovo wäre sie gestorben", drückt Erson seine Gefühle zurückhaltend aus, "trotzdem steht die Ungewissheit hinter uns, die Familie ist immer noch zerrissen, unser Vater und unsere kleine Schwester Alisa müssen in schlimmen Verhältnissen im Kosovo leben." Belkiza und Gzim fiel es bei dem Termin spürbar schwer, etwas zu sagen.

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Den im Kosovo diagnostizierten Befund von Florije Tatari erhielt der Unterstützerkreis im Januar. Ulrich Kettner, Kardiologe und Ehemann von Claudia Kettner, die sich für die Familie einsetzt, wandte sich mit den Untersuchungsergebnissen an das Herzzentrum Lahr. Dieses erklärte sich bereit, die Operation durchzuführen und die Kosten – zwischen 20 000 und 30 000 Euro – für die Behandlung, die Medikation und Nachbehandlung zu übernehmen.

Ab diesem Zeitpunkt hieß es, die behördlichen Gänge schnellstens einzuleiten, denn für Florije Tatari begann ein Wettlauf mit der Zeit. Thomas Marwein, Mitglied des Landtags-Petitionsausschusses und der Kosovo-Delegation, erläuterte, dass die Botschaft im Kosovo zwar versichert habe, "aus humanitären Gründen nicht im Wege zu stehen", das System aber letztlich "keine Gnade" zeigte. Der lebensrettenden Hilfsaktion lag die bedingungslose Forderung zu Grunde, allem voraus die Kosten für die Abschiebung 2010 zu begleichen.

Weiterhin musste eine Krankenversicherung abgeschlossen und die erforderlichen Papiere in einem Behördenmarathon beantragt werden. Der Aufenthalt wurde an die Verpflichtung geknüpft, dass die Familie von Florije Tataris Schwester für den Unterhalt über die Dauer des Aufenthaltes aufkomme.

Die Kosten für die Abschiebung, die Ämter und den Flug stemmte der Unterstützerkreis. Die Flugreise nach Deutschland habe die geschwächte Frau alleine und ohne medizinische Versorgung antreten müssen, da das Geld für eine Begleitperson einfach nicht mehr vorhanden war, so Ellen Janka vom Unterstützerkreis. Für den Ehemann Baskem und Tochter Alisa bestehe eine Wiedereinreisesperre bis Oktober 2013, umgekehrt dürfe Belkiza Tatari nicht in den Kosovo reisen, da sie in Kroatien geboren wurde und somit weder Papiere noch einen Aufenthaltsstatus besitze.

"Die neue Landesregierung überarbeitet derzeit die Leitlinien für Abschiebungen. Bei Reisen des Petitionsausschusses in den Kosovo mussten wir unmenschliche Zustände erleben. Das ärmste Land in Europa verzeichnet eine Arbeitslosenquote von 50 Prozent, die Regierung ist korrupt und die soziale Diskriminierung ist dort erschreckend präsent", berichtete Thomas Marwein. Als sein persönliches Ziel – in dem ihn Rechtsanwalt Reinhard Kirpes unterstützt – nannte er den weiteren Verbleib von Florije Tatari in Deutschland.

Info: Der Unterstützerkreis bittet weiterhin um Mithilfe der Bevölkerung, um die Familie Tatari in Seelbach und im Kosovo weiterhin unterstützen zu können. Spenden können unter dem Stichwort "Spenden Familie Tatari" auf folgende Konten eingezahlt werden: Evangelische Pfarrgemeinde, Sparkasse Offenburg (BLZ 66450050), Konto 4891702; Katholische Pfarrgemeinde, Volksbank Lahr (BLZ 68290000), Konto: 15017830



Autor: Beate Zehnle-Lehmann