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19. Dezember 2011

Viele Stimmen, ein grandioser Klang

Drei unterschiedliche Ensembles haben sich im Seelbacher Bürgerhaus zu einem Gesamtwerk zusammengefunden.

  1. Gewaltiges Aufgebot: der Männergesangverein Schuttertal, der Gospelchor Rejoy (unten im Bild) und der Musikverein Seelbach. Foto: Wolfgang Künstle

  2. Gemeinschaftliche Stimmgewalt: der Gospelchor Rejoy Foto: Wolfgang Künstle

SEELBACH. Die musikalischen Facetten von Seelbacher Musikern sind am Samstag mit den Facetten der Musiker aus der Nachbargemeinde Schuttertal verschmolzen. Der Musikverein hatte zu einem Novum, zum Konzert "Media Voce" eingeladen, übersetzt "die Sprache der Stimmen".

Die Stimmen und die Klänge waren klar – und eindeutig: Der Chor Rejoy aus Seelbach und der Männerchor Schutterbund aus Schuttertal vermischten sich mit den Klängen des Musikvereins, so entstand ein beispielloses Gesamtwerk mit einer außergewöhnlichen Mischung aus Klassik, Gospel und symphonischer Komposition.

Musikvereinsdirigent Christian Sade ist bekannt für seine eigenwilligen Arrangements, umso mehr freuen sich die Gäste immer wieder auf die Konzerte, die den üblichen Schienen entweichen und den Musikern seines großen Ensembles Höchstleistungen abverlangen.

Die Herausforderung lag diesmal in der musikalischen Symbiose der 150 Musiker und deren Herkunft aus unterschiedlichen Klangwelten. Die Arrangements für Chor und Orchester schrieb Sade überwiegend selbst, mit den Dirigenten Udo Wendle des Musikvereins Schutterbund und Liane Ruch von Rejoy hatte er eine niveauvolle und ausgezeichnete Wahl getroffen.

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Das erste Drittel des Konzertabends gehörte den Männerstimmen, die mit dem Matrosenchor aus dem "Fliegenden Holländer" von Richard Wagner auch sogleich einen pompösen und vielversprechenden Auftakt lieferten, der mit stimmlichen Wogen und Wellen die Rauheit der stürmischen See symbolisierte. Mit dem "Chor der Gefangenen" aus Beethovens einziger Oper "Fidelio" wagten sich die Musiker wie auch die Sänger an ein schwieriges Werk. Udo Wendle bewies hierbei in einem Solo, dass er neben der Stabführung auch exzellente stimmliche Qualitäten vorweisen kann. Die Orchestrierung des keltischen Volksliedes "Riversong" verdiente gleichfalls Hochachtung. Das aufreibende Stück erhob den Anspruch auf den exakten Einklang von Instrument und Stimme.

Eine musikalische Botschaft zu verkünden hatte der Gospelchor Rejoy: Nach dem rhythmischen Medley "Bye Bye Spiritual" fesselten berührende Klangbilder mit "Gabriella’s Song" das Publikum und auch Christian Sade. Für die Ansage der nächsten Nummer musste er mehrmals tief Luft holen "Die Soli der Damen haben mich gerade verwirrt, meine Orientierung ist weg." Solostimmen konnte der Chor neben seiner gemeinschaftlichen Stimmgewalt mehrere vorweisen, das rappige "Worship Christ" lebte vom Sprechgesang, mit Funk und Soul präsentierte der Chor in Begleitung des tongebenden Orchesters eine weitere Facette seines Könnens. Für das gemeinsame Finale fanden sich alle Musiker in einem beeindruckenden Bühnenbild zu "Gloria in excelsis deo" zusammen.

Unbestrittener Höhepunkt des Abends war zweifellos "Die Krone der Schöpfung" von Udo Jürgens, der in dieser Komposition aus dem Jahr 2007 mit großen Gefühlen und inhaltlichem Tiefgang an das Gewissen der Menschen bezüglich ihres Umgangs mit der Umwelt appelliert. "Wir tragen die Krone der Schöpfung eher wie einen Karnevalshut" versinnbildlichte Wut und Enttäuschung, die sich in spürbar sinfonischer Gewalt ausdrückte und den Musikern und Sängern allen denkbaren Platz zur kreativen Entfaltung einräumte.

Den Lohn für diese Leistung zollten die Gäste im ausverkauften Bürgerhaus mit begeistertem Applaus und bedankten sich gleichzeitig für einen weiteren wundervoll eigensinnigen und meisterlichen Konzertabend.





Autor: Beate Zehnle-Lehmann