Titel gibt es nur für die Schwaben

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 04. Februar 2019

Skilanglauf

Schwarzwälder Skilangläufer leisten sich bei der deutschen Meisterschaft in Schonach Taktikfehler und landen deutlich hinter der nationalen Spitze.

SKI NORDISCH. Falls es einen Heimvorteil gab, konnten ihn die jungen Schwarzwälder und Schwaben nicht nutzen. Bei der deutschen Meisterschaft der Jugend und Junioren in Schonach sprangen für die baden-württembergischen Langläufer an drei Wettkampftagen nur zwei Medaillen heraus, immerhin beide aus Gold. Beide Deutschen Meister, Friedrich Moch und Lina Gold, gehören dem Schwäbischen Skiverband (SSV) an. Ausrichter SV Rohrhardsberg und die Athleten mussten teilweise mit widrigen Witterungsbedingungen klarkommen.

Besonders am Sonntag hieß es schnell reagieren. Weil entgegen der Prognosen eine halbe Stunde vor dem ersten Start Schneefall einsetzte, sahen sich die meisten Läufer gezwungen, statt zu den schon präparierten Ski zum Nowax-Sportgerät zu greifen. Eine richtige Entscheidung, bestätigten die Schwarzwälder nach den Massenstartrennen im klassischen Stil übereinstimmend. "Mein Ski war perfekt und es hat Spaß gemacht", sagte Emily Weiss (SV Kirchzarten) nach dem Rennen der weiblichen Jugend U 16 über 7,5 Kilometer. Sie konnte das Tempo in ihrer Gruppe mitgehen und schaffte ihr Ziel "Top Ten". Als Achte war Emily Weiss beste Baden-Württembergerin, nach 37:21,0 Minuten kam sie 1:13 Minuten hinter der sächsischen Siegerin ins Ziel. Sehr enttäuscht war dagegen Milena Maier (WSG Feldberg/28:26,2), die Atemprobleme bekommen hatte, auf Rang 18.

Bei den gleichaltrigen Jungs schafften es über zehn Kilometer drei Starter der Skiverbände Baden-Württemberg (SBW) unter die besten Zehn. Philipp King (SV St. Georgen/32:55,0) hielt zunächst mit der Spitzengruppe mit, nahm dann aber Tempo heraus und schaffte mit dem siebten Platz "in etwa mein Ziel", direkt vor seinen SBW-Kollegen Moritz Moosmayer (Leutkirch/33:01,0) und Matteo Lewe (SV Kirchzarten/33:13,6). Leopold Hensler (SC Langenordnach/33:35,2) fand seinen zwölften Platz "okay", denn obwohl sein Nowax-Ski sehr gut gelaufen war, erforderte die selektive Strecke im Wittenbachtal mit einigen kraftraubenden Anstiegen große Anstrengungen.

In der U 18 lief Lina Gold (SC Heubach-Bartholomä/33:40,7) zum Titel. Die am Ski-Internat Furtwangen (SKIF) trainierende Schwäbin, lange von einer Entzündung im Sprunggelenk gebremst, distanzierte die Oberhoferin Helen Hoffmann über zehn Kilometer um 17,6 Sekunden. In der männlichen U 18 behaupteten sich über 15 Kilometer zwei Schwaben in den Top Ten: Tobias Horelt (SG Niederwangen) als Siebter und Golds ebenfalls am SKIF lebender Vereinskollege Nico Fehleisen als Neunter. Als 23. kam Jannik Pfaff (SV St. Georgen) in der Mitte des größten Starterfelds ins Ziel.

Das gemeinsame Rennen der Frauen und Juniorinnen über zehn Kilometer beendete Lara Ketterer (SC Hinterzarten/ 36:13,9) auf Rang neun, in der DM-Wertung der Juniorinnen wurde die 18-Jährige Sechste. Im Rennen der Männer und Junioren über 15 Kilometer verpasste Josua Strübel (SC Seebach/43:14,3) das Siegerpodest als Vierter nur um 1,8 Sekunden, war aber dennoch zufrieden. Der 23-jährige Nordschwarzwälder hatte es riskiert, die vier längeren Runden auf wachsfreien Skatingski komplett durchzuschieben. Im Ziel "brannten" nicht nur seine Oberarme, sondern "auch die Lunge", verriet er. Junior Valentin Haag (SV Kirchzarten/47:11,8) fühlte sich am Sonntag "schlapp" und kämpfte sich als 17. ins Ziel.

Am Samstag trennten Haag im Skating-Einzelrennen über zehn Kilometer als Vierter der DM-Wertung nur 4,6 Sekunden von Bronze. Im Skating-Sprint bei Regen am Freitag war er nach Stockbruch in seinem schweren Viertelfinallauf ausgeschieden. Als Dritter im gemeinsamen Finale mit den Männern hatte Friedrich Moch (WSV Isny) am Samstag als Junioren-Meister den ersten Titel für das baden-württembergische Team gewonnen.

Amelie Wehrles DM-Auftritte wurden von einer Erkältung beeinträchtigt. Rang elf im Sprint und der 15. Platz im Einzelrennen der U 18 entsprechen nicht dem Leistungsvermögen der 16-jährigen Hinterzartenerin. Am Sonntag musste sie auf den Start verzichten. Als Zwölfte und 13. am Samstag zeigten Emily Weiss und Milena Maier in der U 16 aufsteigende Tendenz gegenüber dem Sprint am Vortag. Als Fünfter (Sprint) und Sechster (Einzel) war Matteo Lewe jeweils bester SBW-Starter der männlichen U 16 gewesen. Leopold Hensler, Sprint-17., freute sich tags darauf über seinen zwölfen Platz.

Oliver Dorer aus dem SBW-Trainerteam bedauerte, dass der heimische Nachwuchs sein Potenzial in Schonach zum großen Teil nicht abrufen konnte. "Die Trainingsleistung ist eigentlich da", sagte er. Und nach dem enttäuschenden Abschneiden im Sprint erkannte er bei den geknickten Sportlern auch den Willen zur Wiedergutmachung. Einige seien jedoch nicht ganz gesund gewesen, andere leisteten sich trotz vorheriger Instruktionen Taktikfehler, etwa durch zu viel Führungsarbeit unterwegs. "Man kann nur aus Fehlern lernen", sagt der Trainer und Lehrer, der am Sonntag "ein kleines Licht am Horizont" erkannte.

Neben zwei Titeln gab's insgesamt noch vier Top-Fünf- und weitere 15 Top-Ten-Platzierungen für die SBW. Über Bestnoten von Sportlern, Trainern und vom Deutschen Skiverband dürfen sich die rund 45 Helfer des SV Rohrhardsberg um Vereinschef Siegfried Burger freuen.