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10. Oktober 2012

Spaziergang zu Denzlingens Rathäusern

DENZLINGER BÜRGERWOCHE: Als der Gerichtsplatz auf drei Seiten offenbleiben musste.

  1. Interessiert lauschten Denzlinger den beiden Historikern Dieter Geuenich und Dieter Ohmberger (3. und 4. von links), die Wissenswertes nicht nur über alte örtliche Verwaltungsgebäude wussten. Foto: Helena Kiefer

DENZLINGEN. Im Rahmen der ersten Denzlinger Bürgerwoche, die noch bis zum nächsten Sonntag stattfindet, stand am Montag ein Spaziergang entlang der Glotter – vom Unterdorf bis hoch zum Alten Rathaus. Dieter Ohmberger und Dieter Geuenich führten rund 27 geschichtlich Interessierte, die sich auch vom einsetzenden Regen nicht hatten abschrecken lassen, entlang der Hauptstraße zu den verschiedenen Stationen, wo einst "verwaltet wurde".

Auftakt war am ehemaligen "Adelhauser Hof", zu dem heute das Areal des Kaufhauses Leimenstoll gehört. Geschichtlich ist dies doch erst die zweite Station, die aber aus praktischen Gründen vorgezogen wurde. Das erste politische Zentrum im Dorf gegenüber dem "Rebstock" gewesen. Schon 1439 wird ein Gericht unter der Linde bei St.Michael in alten Briefen erwähnt. Dort, wo heute ein Nussbaum steht, erklärten Ohmberger und Geuenich die damalige Ortskernfunktion, zu der auch die kleine Kirche gehörte. Die Gerichtslaube, die auf drei Seiten offenbleiben musste, ließ keine Geheimsitzungen zu. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass der (Storchen-)Turm erst im Nachhinein gebaut wurde, der ein eingestürztes Vorgängermodell ersetzte. Nachdem Denzlingen 1635 niedergebrannt worden war, wurde 1660 mit dem Bau an der Gemeindestube mit Gerichtszimmer und Schankstube (heutiger Rebstock) begonnen. Bis 1798 bestand dieses Ortszentrum und wurde dann an den Kronenwirt verkauft. Die Amtmänner waren somit "heimatlos", durften aber, dank eines Vertrages in den Räumen weiterhin tagen, bis sie 1853 ihr Amtszimmer ins Armenhaus verlegten. Seit 1890 ist das Wirtshaus bis heute im Besitz der Familie Frey.

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Zweites Rathaus beim Adelhauser Hof

Eine kleine Anekdote besagte, dass das Gebäude 1713 als Hauptquartier für die Franzosen diente, die Freiburg belagerten. Auch trafen sich dort um die hundert Aufständischen, die, angestachelt von der französischen Revolution mit Dreschflegeln und Sensen ihre Rechte einforderten. "Vor dem 15. Jahrhundert kann noch von keiner Dorfgemeinschaft gesprochen werden", so Geuenich. Vielmehr hatten reiche Freiburger Patrizier oder Orden Besitz in Denzlingen. So auch die "Adelhauser Nonnen" um Anna von Munzingen. Von 1853 bis 1893 war das zweite "Dorfzentrum" auf dem heutigen Gelände der Familie Leimenstoll untergebracht. Vor allem das Amtszimmer zeichnete den Ortskern aus. 1868 zogen die Ratsherren in das gegenüberliegende Rathaus und hielten im Ratssaal ihre Sitzungen ab. Die Häuser gehörten dem ehemals erfolgreichen Birkenwirt Hanni, der aber nach dem Dreißigjährigen Krieg Pleite ging und sein Anwesen mitsamt der Wirtsgenehmigung versteigern musste. Die neuen Wirte siedelten dann samt Wirtsrecht in den "Grünen Baum" über. Als 1845 die Eisenbahn nach Denzlingen kam, war die Ankunft der feuer- und rauchspeienden Eisenbahn die größte Attraktion im "Grünen Baum".

Letzte Station war der kleine Platz zwischen dem Alten Rathaus, dem Gebäude der Otto-Raupp-Schule und dem Pfarrhaus. Von 1893 bis 1909 tagte der Gemeinderat im Ratszimmer im Schulhaus . Nachdem 1911 das "Alte Rathaus" fertiggestellt war, hatte der Gemeinderat vorerst ein eigenes Haus. Es wurde versucht, ein neues Gemeindezentrum zu erschaffen. "Deswegen sehen wir auch von hier auf den Balkon des Rathauses. Hier sollte ein Platz entstehen, auf den der Bürgermeister von oben her sprechen kann." Ohmberger erzählte, dass auch zwei Schulräume eingerichtet worden waren: "Ich ging damals noch rechts unten in den Raum zur Schule." Begeistert erzählte eine Teilnehmerin, sie sei im Zimmer gegenüber zur Schule gegangen. 1913 wurde ein Kriegerdenkmal auf dem Platz aufgestellt. Die Reste davon stehen hinter der evangelischen Kirche . Am Kriegerdenkmal wurden am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Nazi-Aufmärsche inszeniert. Nachdem bald schon Räume gemietet werden mussten, stand fest, dass der Platz im "Alte Rathaus nicht reichen würde. Ein Neues musste her. "Dieses ist seit 1996 das ,neue Rathaus’, in dem Herr Hollemann regiert", so Geuenich.

Autor: Helena Kiefer