BZ-Interview

Niko Linsenmaier: "Ich spiele, wo es mir Spaß macht"

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Fr, 17. November 2017 um 00:01 Uhr

EHC Freiburg

Vergangene Woche löste der gebürtige Freiburger seinen Vertrag beim Erstligisten auf und hat wieder beim EHC unterschrieben. Im Interview erläutert der Torjäger seinen Sinneswandel.

Er ist eben doch ein echter Freiburger. Acht Wochen lang ging Niko Linsenmaier, Topscorer beim EHC Freiburg, auf Leihbasis für seinen Heimatverein in der DEL 2 aufs Eis – und das, obwohl der 24-Jährige eigentlich zum DEL-Klub Krefeld Pinguine gewechselt war und lediglich Spielpraxis bei den Wölfen sammeln sollte.

BZ: Viele Fans haben es gehofft, vergangene Woche kam nun die erlösende Nachricht: Niko Linsenmaier bleibt beim EHC Freiburg. Wie kam es dazu, dass Sie sich doch für die Wölfe entschieden haben?
Linsenmaier: Da gab es mehrere Gründe: Hier lebt meine Familie, hier sind die Jungs, mit denen ich seit vielen Jahren zusammen spiele, und hier bin ich daheim. Ich fühle mich wohl und die letzten acht Wochen haben großen Spaß gemacht. Viele Leute meinten zwar, ich solle mein Glück noch einmal in Krefeld versuchen, aber es war meine persönliche Entscheidung, hier zu bleiben – und die habe ich mir nicht leicht gemacht. Wir spielen zwar eine Liga weiter unten, aber das ist mir egal. Ich möchte dort spielen, wo es mir am meisten Spaß macht.

BZ: Welchen Einfluss hatten Teamkameraden, Trainer und Vereinsführung bei Ihrer Entscheidung?
Linsenmaier: Der Coach hat mich tatsächlich immer wieder geragt, ob ich nicht doch lieber in Freiburg bleiben möchte – auch als der Vertrag in Krefeld noch lief. Ich meinte immer: Warten wir’s ab. Mit den Jungs habe ich natürlich auch gesprochen. Die haben mich ebenfalls dazu bewogen, hier zu bleiben. Außerdem ist Freiburg die schönere Stadt (lacht).

BZ: Dennoch ist die DEL der Traum jedes deutschen Spielers. Fürchten Sie, dass Sie Ihre Entscheidung einmal bereuen?
Linsenmaier: Natürlich ist die DEL ein Traum. Viele meinten auch, ich würde diesen Schritt irgendwann bereuen. Ich hadere aber nicht mit meiner Entscheidung. Ich wollte es so. Vielleicht gehe ich irgendwann doch noch in die DEL. Vielleicht steigen wir ja mit Freiburg auf, wenn die Ligen eines Tages wieder durchlässig werden. Wer weiß?
BZ: Dass es keinen Auf- und Abstieg gibt ist wiederum ein Thema für sich.
Linsenmaier: Richtig. Diese Regelung finde ich völlig unsinnig. Das gibt es sonst nirgends, nur in Deutschland.

BZ: Die Anfangsphase der Saison verlief mäßig. Jetzt hat der EHC aber scheinbar den Hebel umgelegt, den Auswärtsfluch beendet und den Tabellenführer geschlagen. Wohin zeigt die Formkurve?
Linsenmaier: Am Anfang hatten wir viel Pech und haben viele Spiele knapp verloren. Im letzten Jahr war das Glück öfter auf unserer Seite. Nun müssen wir uns dieses Glück eben wieder erarbeiten. Gegen Bietigheim ist das gelungen und siehe da: Plötzlich schlagen wir den Tabellenführer. Vom Potenzial her ist wieder einiges möglich.


BZ: Sie sind wieder einmal Topscorer Ihrer Mannschaft, zusammen mit Chris Billich. Sind Sie damit ein Baustein, den das Team in der jetzigen Situation braucht?
Linsenmaier: Natürlich will ich dem Verein immer helfen. Ich will ja auch nicht, dass der EHC wieder absteigt. Aber das hat nur bedingt etwas mit mir zu tun. Jeder in der Mannschaft hat seinen Job und seine Rolle. Ich und Chris sind eher die Scorer, während zum Beispiel Philip Rießle jeden Schuss blockt.

BZ: Wohin geht der Weg, wenn die Langzeitverletzten zurückkehren? Ist das Ziel direkter Klassenerhalt realistisch?
Linsenmaier: Das ist auch jetzt schon realistisch. Wir müssen zusammenhalten und als Team auftreten, dann können wir auch wieder die Pre-Playoffs anvisieren.

BZ: Muss man am Freitag beim Aufsteiger in Bad Tölz gewinnen?
Linsenmaier: Das denken viele, aber nur weil die Tölzer letztes Jahr in der Oberliga waren, heißt das nicht, dass sie kein Eishockey spielen können. Man muss gegen jeden Gegner 100 Prozent geben, sonst verliert man. Beim Heimspiel gegen Ravensburg am Sonntag hoffe ich, dass die Halle bebt. Das wird sicher schwer, aber da heißt es: Den Allerwertesten aufreißen und alles geben.

Zur Person: Niko Linsenmaier (24) ist gebürtiger Freiburger und geht seit frühester Kindheit für den EHC Freiburg aufs Eis. Der beste Scorer der Wölfe stand bis zu seinem Engagement in Krefeld stets bei seinem Heimatverein unter Vertrag.

EHC zurück auf dem Eis

Es ist wieder Eiszeit an der Ensisheimer Straße: Nach einem spielfreien Wochenende müssen die Zweitliga-Eishockeycracks des EHC Freiburg wieder die Schlittschuhe schnüren. Mit von der Partie ist Topscorer Niko Linsenmaier, der seinen Vertrag mit dem DEL-Klub Krefeld Pinguine vergangene Woche auflöste und nun doch bis Saisonende für die Wölfe aufs Eis gehen wird. Eine Personalie, die bei vielen Wölfe-Fans für Erleichterung sorgt. Am Freitagabend, 19.30 Uhr, reisen die Freiburger zum Aufsteiger und Tabellenschlusslicht EC Bad Tölz. Das erste Aufeinandertreffen entschieden die Breisgauer vor heimischem Publikum mit 6:3 für sich. Nun hofft die Mannschaft von Trainer Leos Sulak auf den zweiten Auswärtsdreier in der laufenden Spielzeit. Am Sonntag, 18.30 Uhr, empfangen die Freiburger die Ravensburg Towerstars zum Baden-Württemberg-Derby in der heimischen Franz-Siegel-Halle. Zweimal trafen beide Mannschaften im bisherigen Saisonverlauf aufeinander. Das Hinspiel in Ravensburg entschieden die Schwaben mit 4:3 für sich. Die Partie in Freiburg ging indes mit 4:3 nach Penaltyschießen an die Wölfe. Fehlen werden beim EHC die langzeitverletzten Marc Wittfoth, Ben Walker und Gabriel Federolf.