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24. Juli 2008 12:45 Uhr

Peter Jehle (Handballregion Ortenau) im Interview

"Erste Liga in drei bis vier Jahren"

Peter Jehle (Foto) koordiniert als Vorsitzender des Beirats die Bündelung der Kräfte im Projekt Handballregion Ortenau (HRO). BZ-Mitarbeiter Arnulf Beckmann sprach mit ihm über Traditionen, ehemals verfeindete Vereine und die Zukunft.

  1. Die Handballer der HR Ortenau tragen die Heimspiele künftig in Offenburg aus. Foto:  Michael Heuberger

BZ: In der Ortenau ist ja einiges in Bewegung geraten. Erzählen Sie doch mal.
Jehle: Hier in der Ortenau haben sich vier Vereine zur Handballregion Ortenau zusammengetan, um die Kräfte zu bündeln und um eine entsprechende Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Dazu gehören der TuS Schutterwald, der TuS Hofweier, der TV Willstätt und Elgersweier. Die Idee ist aber nicht neu. Schon vor mehr als zehn Jahren kam diese Diskussion erstmals auf. Doch oft scheiterten solche Überlegungen schon gleich zu Beginn an den Animositäten der rivalisierenden Dorfvereine.

BZ: Wie strukturieren sich denn die vier Vereine in der Spielgemeinschaft?
Jehle: Alle vier Vereine sind Gesellschafter der HR Ortenau Spielbetriebs GMBH. Es gibt dabei einen Aufsichtsrat, in dem alle Gesellschafter vertreten sind und der überwiegend beratend zur Seite steht, und einen Beirat, der das wirtschaftliche und sportliche Kontrollorgan der GmbH ist und der von den Gesellschaftern, sprich: Vereinen, gewählt wird. Natürlich ist auch hier jeder Verein vertreten. Der Beirat ist das eigentliche Machtgremium.

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BZ: Wie setzt sich die GmbH zusammen?
Jehle: Es gibt den Geschäftsführer Hugo Frey, der sich vornehmlich um die Sponsorenakquise kümmert. Ihm zur Seite steht der Manager Friedrich Stoller, dem das Marketing anvertraut wurde. Ich selbst bin zwar Vorsitzender des Beirats, werde aber stark eingebunden ins operative Geschäft. Das ist nicht ganz konsequent, aber vielleicht hilfreich für das gesamte Projekt.

BZ: Früher waren diese Vereine doch so verfeindet wie im Fußball Schalke 04 und Borussia Dortmund. Wie geht das?
Jehle: In vielen Jahren ist hier die Erkenntnis gewachsen, dass mittel- und langfristig keinem Verein der Bestand in der 2. Liga, geschweige denn in der 1. Liga gelingen kann. Insofern ist dieses bundesweit möglicherweise einmalige Konstrukt entstanden. Sicher gibt es in jedem der vier beteiligten Vereine entsprechende Hardliner, aber selbst bei vielen älteren Vereinsmitgliedern ist die Einsicht da, dass es nur gemeinsam weitergehen kann. Auch, weil die Eigenständigkeit der Vereine überhaupt nicht in Frage steht. Es wird weiterhin eigene Mannschaften und eine eigene Jugendarbeit in jedem der vier Vereine geben. Die Kooperation gilt nur für den Bundesliga-Handball.

BZ: Und die Sponsoren? Unterstützen die dieses Projekt fleißig?
Jehle: Die Idee zur HRO ist ja schwerpunktmäßig von der regionalen Wirtschaft ausgegangen. Allen voran das in Offenburg ansässige Medien-Unternehmen Burda mit den beiden Tochtergesellschaften Burda-Direkt und Burda-Digital unterstützt das Projekt, wie es der Ortenau aufgrund ihrer Handball-Geschichte auch zusteht. Aber umgekehrt möchte die regionale Wirtschaft über den Handball auch den Standort Ortenau interessant machen.

BZ: Wo wird denn die sportliche Heimat der HRO sein?
Jehle: In Offenburg. Die Stadt unterstützt das Projekt HRO sowohl ideell, als auch in der Form, als dass sie Bereitschaft zeigt, eine der Sporthallen auf dem Messegelände handball- und bundesligagerecht umzubauen. Zudem haben wir mit der großen Baden-Arena mit einer Kapazität von 6.000 bis 7.000 Plätzen und der Ortenauhalle (3.500 Plätze) großartige Ausweichmöglichkeiten für die entsprechenden Spitzenspiele.

BZ: Nehmen die einst verfeindeten Fans den neuen Verein an?
Jehle: Da war natürlich ein Umdenkprozess erforderlich. Aber die Resonanz auf die gegenwärtige Entwicklung zeigt, dass die Handball Region Ortenau angenommen wird. Das spürt man vor allem an dem soeben angelaufenen Dauerkartenverkauf für die kommende Saison, der überraschend gut ist. Ein Willstätt-Fan ist sicher nach wie vor nur schwer nach Schutterwald zu bekommen – und umgekehrt genauso. Aber Offenburg ist für beide ein neutraler Ort. Zudem sind die Entfernungen kurz: Gerade einmal zehn, zwölf Kilometer haben die Fans aus beiden Orten zu fahren. Das funktioniert gut.

BZ: Mit welchem Zuschauerzuspruch rechnen Sie?
Jehle: In der Kalkulation haben wir die Zahl bewusst niedrig angesetzt. Wir rechnen im Schnitt mit 1.200 bis 1.400 Besuchern pro Spiel.

BZ: Mit welchem Etat möchte die HRO in die kommende Saison starten?
Jehle: Wir haben in der Öffentlichkeit kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir mit einem Etat von rund 1,2 Millionen Euro in die Saison gehen. Das Team bleibt weitgehend zusammen. Wir haben uns punktuell auf der Mittelposition mit Sandro Catak verstärkt. Wir werden aber auch auf unsere hervorragende Jugendarbeit bauen, damit schon bald unsere eigenen Talente die Chance haben werden, in der 2., später auch in der 1. Liga zu spielen.

BZ: Bei all diesen Bemühungen kann es offenbar nur eine langfristige Zielsetzung geben, oder?
Jehle: Richtig. Wir wollen binnen der nächsten drei bis vier Jahre in die 1. Liga vorstoßen. Wir haben einiges dafür getan, Sponsoren von unseren Ambitionen zu überzeugen. Mit Erfolg: Es gibt zahlreiche positive Signale aus der Wirtschaft. Allein: wir haben erst im April so richtig mit unserer Arbeit beginnen können. Umso erstaunlicher, dass wir in relativ kurzer Zeit Sponsorengelder akquirieren konnten, die hoffen lassen, dass wir künftig das Geld zusammenbekommen werden, um auch in der 1. Liga bestehen zu können.

Autor: bz