Handball-WM

Handball-WM: Livestream läuft über Youtube-Kanal

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Di, 10. Januar 2017 um 00:01 Uhr

Nationalmannschaft

Keine Interviews, keine Moderation, keine Show: Handball-Fans müssen sich bei den Spielen der WM in Frankreich auf deutlich abgespeckte Übertragungen einstellen. Warum?

In Basel schlägt das Herz des Welthandballs. Es schlägt indes nicht allein für die Sportart. Angesteckt von der allgemeinen Gewinnmaximierung der Spitzensportverbände hat sich die Internationale Handball Föderation (IHF) verkauft. Als Big Deal wurde der Vertrag gefeiert. Dabei sonnt sich vor allem der ägyptische Präsident Hassan Moustafa im Glanze des Geschäfts mit dem Rechteinhaber BeIN Sports, dem Sportableger des katarischen Senders Al Jazeera.

100 Millionen Schweizer Franken hat der Abschluss in die Verbandskasse gespült. Laut einem Bericht von Spiegel online hat Al Jazeera 2013 den Zuschlag für die TV-Rechte mit 16:0 Stimmen erhalten. Lediglich der Franzose Jean Brihault soll während der Councilsitzung der IHF in Belgrad nachgefragt haben, wie sich die Abstimmung auf die TV-Übertragungen der kommenden vier Weltmeisterschaften auswirken würde. Informationen soll es keine gegeben haben. Es wurde abgestimmt. Der Präsident äußerte sich damals, Handball werde fortan weltweit unvergleichbar verbreitet werden.

Heraus kam ein Vertrag ohne Weitblick. In Europa, wo der Handball seine Basis hat, sorgt das Papier für berechtigten Unmut. Zudem raubt er der IHF mit Deutschland den größten Markt.

Bereits bei den Titelkämpfen 2015 in Katar standen die öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen mit leeren Händen da. Ausgeblendet vom Rechteinhaber, der sich maximal seiner eigenen Bilanz – wenn überhaupt – und schon gar nicht der Basisarbeit für eine Sportart verpflichtet fühlt.

Sprang 2015 noch der Pay-TV-Anbieter Sky ein, um den überschaubaren Markt in Deutschland zu bedienen, brauchte es jetzt taktischer Winkelzüge des Hauptsponsors der Nationalmannschaft, um eine Notlösung im Internet (handball.dkb.de) zu realisieren. Dabei bleiben im Hinblick auf die Unabhängigkeit der Berichterstattung einige Fragen offen.

Für Handballdeutschland ist dies ein folgenschwerer Blackout der Verbandsoberen aus Basel. Für das Bemühen des DHB, Rang zwei bei den Mannschaftssportarten zu festigen, ist es ein Rückschritt. Die sogenannten Bad Boys schienen nach dem Europameistertitel und Bronze bei Olympia in Rio 2016 auf einem guten Weg zu sein – Boden gutzumachen, der nach dem Gewinn des WM-Titels 2007 leichtfertig verschenkt worden war. Kein Wunder, dass allen voran die deutschen Ballwerfer wie der Mannheimer Patrick Groetzki ihrem Frust Luft machen. Im Handball-Weltverband sei zu wenig über die Folgen nachgedacht worden, sagte der Rechtsaußen, als die Rechte an BeIN Sports vergeben wurden.

Welch attraktives Schaufenster für den Handball hier verhangen wird, hat vor Jahresfrist die EM gezeigt. Das Finale gegen Spanien bescherte der ARD mit 13 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von 42 Prozent. Das sind Spitzenwerte, die bei Weltmeisterschaften normalerweise übertroffen werden. Das WM-Finale 2007 in Köln sahen knapp 16 Millionen Deutsche – Dimensionen, die gemeinhin dem Fußball vorbehalten sind.

Welche Lehren die IHF aus der jüngeren Vergangenheit gezogen hat, wird sich nun erweisen müssen. Der sich aus europäischer Sicht als Knebelvertrag erwiesene Kontrakt mit einem der weltgrößten Sportrechtehändler steht zur Verhandlung an, allerdings erst nach der Weltmeisterschaft der Frauen, die Anfang Dezember 2017 in Deutschland stattfinden wird. Und dabei scheint eines festzustehen: Fernsehsignale für Satellitenkunden müssen verschlüsselt werden. Ausgang offen.
Handball-WM-Livestream läuft über Youtube-Kanal

Die Spiele der deutschen Handball-Herren bei der WM in Frankreich (11. bis 29. Januar) werden live im Youtube-Kanal der Deutschen Kreditbank (DKB) übertragen. Der Empfang ist nach Angaben des Unternehmens per Smartphone, Tablet, Computer oder mit einem internetfähigen Fernseher möglich.
Zuschauer können die Webseite handball.dkb.de aufrufen sowie den Videokanal der DKB aufrufen - im Browser über de.youtube.com oder über die Youtube-App auf dem Smartphone. Auch über die Youtube-App, die auf vielen Smart-TV-Geräten installiert ist, können die Spiele direkt angesehen werden.
Die Spiele werden in HD-Auflösung ausgestrahlt, bei langsameren Internetverbindungen wird die Qualität nach unten angepasst. Durch so genanntes Geoblocking ist der Aufruf des Streams nur von Deutschland aus möglich. Wie die DKB mitteilt, werden die Spiele zwar von Handball-Experten kommentiert - ein Rahmenprogramm wie im richtigen Fernsehen soll es aber nicht geben. (dpa)