Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
16. Februar 2010
Ein Rucksack voller Abenteuer
Der Breitnauer Tobias Bach gewinnt den Langlauf über 100 Kilometer von Schonach zum Belchen / Ebner und Kuhbandner zeitgleich Sieger über 60 Kilometer.
-
Die ersten Kilometer in der Dämmerung Foto: Ruoff
-
Füttern in Hinterzarten: Jörg Schoder, Elfter über 100 Kilometer Foto: Ruoff
-
Marius Korthauer (2. über 60 km) und Benno Kuhbandner (1. über 60 km) am Neueck Foto: Ruoff
-
Fastnacht und Rucksacklauf: Arnold Haas, Indianer und Rucksackläufer, 20. über 100 Kilometer Foto: Ruoff
-
Julia Frick, Siegerin über 60 Kilometer Foto: Ruoff
-
Tobias Bach erreicht als Erster das Ziel in Belchen-Multen Foto: Ruoff
SKILANGLAUF. Aus dem Trio über viele Kilometer wurde ein Duo, dann brachte ein beherzter Zwischenspurt am Hohtann wenige Kilometer vor dem Ziel die vorzeitige Entscheidung für den Hochschwarzwälder. "Jetzt hat’s geklappt", sagt Tobias Bach kurz nach seinem ersten Sieg beim "großen Rucksacklauf" über 100 Kilometer in Belchen-Multen stillvergnügt. Der 34-jährige Breitnauer ist kein Mann großer Worte. Als er unter dem Beifall des Zuschauerhäufchens einen Steinwurf neben dem Wirtshaus über den pinkfarbenen Zielstrich gleitet, reckt er beide Arme in den Himmel und strahlt.
Jubelarien sind seine Sache nicht. Lieber läuft er gleich noch ein paar Meter weiter, um seine Frau Carina in die Arme zu schließen, die ihn unterwegs betreut und verpflegt hat. Nachher im Gespräch merkt man es dem durchtrainierten Hufschmied doch an: Hier hat sich ein Traum erfüllt. Zweiter und Dritter war er schon beim Lauf um den Wäldercup und 2006 gewann er die erste Auflage des "kleinen Rucksacklaufs", der bereits nach 60 Kilometern in Hinterzarten endet. Doch seinen dritten Rang über die volle Distanz im vergangenen Jahr schätzte der Vorsitzende der Skizunft Breitnau, der sich dieses Amt mit einem Kollegen und einer Kollegin teilt, sportlich höher ein als jenen Sieg.Werbung
Im Gegensatz zu den meisten anderen musste Tobias Bach nicht einmal nachwachsen: "Ich hatte einen super Ski, der hielt sehr gut", verrät er zufrieden. Grünes Grundwachs, darüber blau, dann rot, abgedeckt mit einer ganz dünnen Schicht blau – damit lief der erfahrene Ausdauerathlet am Samstag bei "langsamen Bedingungen" zum Sieg. Die Kälte – minus acht Grad auf dem Thurner, minus fünf im Ziel – hatte den Schnee sehr stumpf gemacht. Material super, der Mann auf den schmalen Latten ebenfalls, auch wenn er zwischendurch "mal eine Schwächephase" hatte, wie Bach unumwunden zugibt.
Am Feldberg, über den Grüblesattel war das, nachdem er zusammen mit dem Vorjahreszweiten Jochen Burkart (Offenburg) den Rinken hoch gelaufen war. Der Karlsruher Dirk Debertin, in Hinterzarten noch gleichauf mit den beiden, war dort durch eine längere Verpflegungspause ins Hintertreffen geraten. "Da war ich mal leer", sagt Bach über seinen "Durchhänger", doch nach dem Stübenwasen habe er sich erholt, nachdem er alles futterte, was sich noch in seinem Bauchgurt fand.
letzten Saft
dran geblieben."
Der Zweitplatzierte Jochen Burkart
Deshalb sei es "okay, dass er gewonnen hat", sagt der Rucksacklauf-Sieger von 2006, der im vergangenen Jahr noch als Zweiter vor Bach ins Ziel kam. Nach 6:30,41 Stunden hatte Tobias Bach das Abenteuer Rucksacklauf 2010 hinter sich. Es war die schnellste Siegerzeit nach 1993, als der Wiedener Andreas Asal 6:10 Stunden gebraucht hatte. Der 37-jährige Jochen Burkart kam 38 Sekunden später ins Ziel, Dirk Debertins Rückstand betrug 8:05 Minuten. Der inzwischen 42-jährige dreimalige deutsche Vizemeister im Berglauf, auch als Triathlet bekannt, war mit Rang drei bei seiner Rucksacklauf-Premiere "auf jeden Fall zufrieden". Hinter dem 25-jährigen Mühlenbacher Sebastian Ringwald (6:46,24) musste sich Vorjahressieger Stefan Böhm (Schopfheim/6:48,50) nach Krämpfen mit dem fünften Platz begnügen. "Es war schön, ein Superschnee", befand Walter Kuß (SZ Brend) und lobte, dass die Strecke diesmal "tiptop präpariert" war. Weil er selbst "insgesamt kein Topbrett" hatte, war für den früheren Spitzenläufer nicht mehr als der siebte Platz drin.145 Langläufer hatten für die 100 Kilometer gemeldet. 88 von ihnen kamen bis zum Zielschluss nach zehneinhalb Stunden in Belchen-Multen an, unter ihnen drei Frauen. Siegerin Susanne Jährling (Stockach) war ohne toten Punkt durchgekommen, fand’s insgesamt "toll", auf dem Feldberg mal "saukalt" und ließ mit ihrer Zeit von 8:58,37 Stunden 36 männliche Finisher hinter sich.
Den Sieg über die 60 Kilometer, die 199 Starter erfolgreich absolvierten, teilten sich nach 3:35,21 Stunden Vorjahressieger Lukas Ebner (SZ Brend) und Neuling Benno Kuhbandner (SV Kappel), Rang drei sicherte sich Alaska-Heimkehrer Marius Korthauer (TuS Bonndorf) in 3:36,24 Stunden.
Bei den Frauen freute sich die Hinterzartenerin Julia Frick über ihren "Heimsieg" in 4:22,28 Stunden. Die Zweite Marion Ruf (SC Vöhrenbach/4:29,20) musste ihrem zu hohen Anfangstempo Tribut zollen, außerdem war die frühere Kaderläuferin nur selten zum Trainieren gekommen.
Als "die härtesten der Harten" rühmte Zielsprecher Wolf Hockenjos die Rucksackläufer in Multen. Viele dieser hartgesottenen Kerle sind liebenswerte Eigenbrötler, immer gut für eine skurrile Geschichte. So vertraute der Freiburger Jörg Schoder auf "Morgenstund", eine fies aussehende lila Pampe aus Trockenfrüchten, Getreide, Banane, alles bis zur Unkenntlichkeit zermanscht und angerührt mit Heidelbeersirup. Dazu reichten ihm Freundin und Mutter unterwegs nach einem exakt einzuhaltenden farbigen Computerausdruck "Ernährungsplan" wahlweise Mutters pürierte Suppe aus "Kartoffeln, Karotten, einem halben Fenchel, Ingwer und Rapunzel-Bouillon aus dem Reformhaus". Ob Schoder ohne diese speziellen Ingredienzien wohl auch Elfter geworden wäre?
Autor: Annemarie Zwick (Text) und Jürgen Ruoff (Fotos)


