Endlich ist er da, der Schnee

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 07. Januar 2019

Skilanglauf

286 Starter stillen beim Pokal-Skilanglauf um den Brendschild ihr Verlangen nach Bewegung.

SKILANGLAUF. Amelie Wehrle vom SC Hinterzarten und Moritz Waidelich (SC Enzklösterle) haben gestern den Lauf um den Brendschild gewonnen. Ausrichter SZ Brend hatte das Traditionsrennen wegen Schneemangels einmal mehr auf die Skirollerstrecke im Schönwälder Weißenbachtal verlegen müssen. Auf verkürzten Strecken kamen dort bei guten äußeren Bedingungen 286 Läufer und Läuferinnen von den Schülern bis zu den Senioren ins Ziel.

Für die Masse der Teilnehmer war es der späte Start in die Wettkampfsaison. "Endlich", so war immer wieder zu hören, endlich geht’s wieder los nach Training unter erschwerten Bedingungen, weil halt die ersehnte weiße Unterlage so lange ausgeblieben ist. Und das bisschen Neuschnee sorgte gerade mal für winterliche Optik. Um die Loipen für das in der klassischen Technik ausgetragene Rennen zu präparieren, hätte die Menge nie ausgereicht. Entsprechend froh war der Skizunft-Vorsitzende Franz Kleiser mit seinen rund 60 Helfern über die Unterstützung: "Wir bedanken uns beim Förderverein Biathlon und beim Skiclub Schönwald und auch bei der Gemeinde Schönwald." Der zusätzliche Aufwand durch die Verlegung habe sich in Grenzen gehalten.

Dankbar waren auch die Langläufer für die Möglichkeit, sich endlich wieder im Wettkampf zu messen. Viele waren gespannt auf die erste "Standortbestimmung". Für Amelie Wehrle fiel sie prächtig aus. Die 16-jährige Hinterzartenerin distanzierte nicht nur ihre Konkurrentinnen in der Jugendklasse 17, sie wiederholte als Tagesbeste auch ihren Vorjahressieg. Denn ihre Zeit von 11:08,6 Minuten erreichte keine der weiteren 40 Läuferinnen über die zwei längeren Runden. Offiziell waren das zusammen knapp vier Kilometer, laut Franz Kleiser jedoch eher drei. Die weibliche J 17 gewann Amelie Wehrle mit 23,9 Sekunden Vorsprung vor der Schwäbin Lina Gold (SC Heubach-Bartholomä), Karen Weiß (SV Kirchzarten) lag als Dritte 34 Sekunden zurück. Am nächsten kam der Hochschwarzwälderin noch Lena Mettang (WSV Mehrstetten), die in 11:14,3 Minuten die älteste Schülerklasse S 15 gewann. Hinter einer weiteren Schwäbin schaffte Mali Brugger (WSG Schluchsee/11:58,9) als Dritte den Sprung aufs Siegerpodest der Schülerinnen 15.

Zehn Klassensiege bei den Schülern für den Schwarzwald

Mit 192 Finishern stellten die Schüler und Schülerinnen im Alter zwischen sieben und 15 Jahren rund die Hälfte des Teilnehmerfelds. Zehn der 16 Klassensiege gingen hier an den Skiverband Schwarzwald (SVS). Gleich sechs davon erkämpften sich Nachwuchskräfte des SV Kirchzarten: Zoé Nounkoua-Hinterberger (S 8), Stella Otto und Hanspeter Schuler (beide S 10) gewannen ihre Rennen über zwei kurze Runden, rund 1,5 Kilometer; Luis Schuler im mit 22 Startern größten Feld der S 12 sowie Louisa Haag und Emil Schmidt (beide S 13) kamen über zwei Kilometer ebenfalls zu Klassensiegen. Außerdem stürmten Fin Rießle (SZ Breitnau/S 8), Max Broghammer (SV St. Georgen/S 9) und über vier Kilometer Leonie Maier (WSG Feldberg/S 14) mit mehr als einer Minute Vorsprung und Jakob Kuß (SZ Brend) auf das oberste Siegerpodest. Der Sohn des früheren Spitzenläufers Walter Kuß gewann die S 15 in 10:37,4 Minuten vor den Hinterzartenern Luca Wehrle (10:45,9) und Marius Zähringer (10:49,6).

Über ebenfalls zwei längere Runden entschied Milena Maier (WSG Feldberg/ 12:03,2) die J 16 vor Emily Weiss (SV Kirchzarten/12:18,4) für sich. Eine Klasse für sich war bei den gleichaltrigen Jungen, die vier Runden zu absolvieren hatten, Matteo Lewe. Der Kirchzartener distanzierte den zweitplatzierten Leopold Hensler (SC Langenordnach/22:37,5) mit seiner Zeit von 21:29,0 Minuten um mehr als eine Minute.

Insgesamt gaben bei den Läufern über die längste Distanz die Schwaben den Ton an. Moritz Waidelich gewann mit seiner Tagesbestzeit von 19:01,7 Minuten die Hauptklasse der Männer klar vor Vorjahressieger Christian Winker (SSV Spaichingen/19:18,9) und Benjamin Waidelich (SC Enzklösterle/20:20,3). Mit der drittschnellsten Laufzeit (20:09,4) sicherte sich Tobias Horelt (SG Niederwangen) den J-17-Sieg vor Nico Fehleisen (SC Heubach-Bartholomä/20:16,8).

Schnellster Schwarzwälder war Manuel Becker (SC Vöhrenbach). Die sechstbeste Zeit (20:22,0) brachte den früheren Brendschild-Gewinner auf Rang vier der Männer-Hauptklasse, direkt vor dem früheren baden-württembergisschen Kaderläufer Adrian Schuler (WSG Schluchsee/20:52,3). Mit der siebtschnellsten Zeit (20:29,0) siegte Valentin Haag (SV Kirchzarten) überlegen bei den Junioren.

"Luft nach oben" erkannte Manuel Becker nach dem Rennen. Als Einstieg in die Saison sei die Leistung ganz gut gewesen, befand der Marathonspezialist. Im Unterschied zu seiner Frau Linda Becker, die wie er 2018 den Rucksacklauf gewonnen hatte, war der 28-Jährige bei nicht einfachen Wachsverhältnissen mit seinem Ski zufrieden. Der Traum von der Tagesbestzeit war für die Münstertälerin, die ebenfalls für den Verein ihres Mannes startet, schnell ausgeträumt. Sie war schon lange nicht mehr mit so schlechten Ski unterwegs, sagte sie im Ziel frustriert. Außerdem leide sie seit Wochen unter Schlafmangel, weil ihr Söhnchen gerade Backenzähne bekommt, und krank sei sie auch noch gewesen. Unter diesen Umständen bewertete die 28-Jährige ihr Rennen als "Formaufbau für die Marathons". Ihre 12:17,2 Minuten, die elfte Zeit der Läuferinnen, brachten sie hinter Lisa Kopp (SV St. Georgen/11:54,9) auf Rang zwei der Frauen-Hauptklasse.