"Ein perfektes Training für Olympia"

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mo, 05. Februar 2018

Snowboard

Der Südbadener Paul Berg fährt beim Weltcup der Snowboardcrosser am Feldberg auf Platz drei / Die Italienerin Moioli dominiert bei den Frauen.

FELDBERG. Fünf Tage vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Südkorea haben die weltbesten Snowboardcrosser am Feldberg noch einmal alles gegeben. Beim Sieg des Franzosen Pierre Vaultier fuhr der Konstanzer Paul Berg am Sonntag auf Platz drei und strahlte bis über beide Backen. Einen "so perfekten Tag wie diesen" wünscht sich der 26-Jährige nun auch in Pyeongchang. Jana Fischer aus Bräunlingen hingegen scheiterte an beiden Tagen schon in der Qualifikation.

Die olympische Uhr tickt für Paul Berg und Jana Fischer. Die beiden Snow- boardcrosser vom Skiverband Schwarzwald kehrten am Sonntagabend nachhause zurück, um ihre Koffer zu packen. Am Mittwoch startet ihr Flieger nach Südkorea, dann haben sie noch eine Woche lang Zeit, um sich vorzubereiten auf ihre Wettkämpfe im Phoenix Snow Park von Pyeongchang. "Ein perfektes Training für Olympia" sah Berg in den beiden Weltcuprennen am Wochenende im Hochschwarzwald. "Der Startbereich in Südkorea ist ein bisschen ähnlich wie hier am Feldberg", sagte der Konstanzer. "Aber der Kurs wird natürlich ein ganz anderer sein."

Scharfe Renn-Starts habe er am Feldberg üben können, "und es war cool, einfach noch ein paar Heats zu fahren, um dranzubleiben." Heats, das sind die kurzen Ausscheidungsrennen der jeweils vier Starter am Seebuck. 770 Meter lang war die Strecke diesmal, immerhin 150 Meter länger als vor einem Jahr, knapp 100 Höhenmeter ging’s zu Tal.

Es war ein spektakulärer Kurs, den 40 Helferinnen und Helfer in Tag- und Nachtarbeit aus Bergen von Nassschnee zusammengeschoben und in Steilkurven, Sprunghügeln und Wellen aufgehäuft hatten. "Die Anstrengungen haben sich auf jeden Fall gelohnt", sagte Berg: "Die Strecke ist top. Man kann da Vollgas geben."

Die Startgerade, auf die sich die Fahrer aus dem sogenannten Freefall-Starthäuschen stürzten, war vergleichsweise kurz. Schon die erste Kurve entschied in der Folge nicht selten über die spätere Platzierung. "Es ist gar nicht so einfach sich abzusetzen", beschrieb Berg die Herausforderung. "Wenn dann vier Leute gleichzeitig in die Kurve fahren, gibt’s unweigerlich Kontakt." Genau so erging es dem 26-Jährigen am Samstag beim ersten der beiden Weltcuprennen. Einer der beiden US-Amerikaner war ihm im Achtelfinale in Kurve eins aufs Brett gefahren. "Es rutschte dann durch die Kurve durch, ich hatte keinen Schwung mehr." Die Kurven zwei und drei meisterte Berg souverän, und dann auch die sogenannten Roller, die Wellen. Weil er an Position drei lag und nur zwei von vier Startern den jeweils nächsten Lauf erreichen, musste er aber unbedingt noch ein Überholmanöver starten. Er entschied sich für die falsche Variante. "Ich habe es außen versucht, aber der Weg war einfach zu weit." Berg schied aus und ärgerte sich darüber, "denn beim Heimweltcup willst du es natürlich besonders gut machen". Rang 17 blieb ihm am Ende.

"Die Strecke ist top.

Man kann Vollgas geben."

Am Sonntag machte Berg es besser, viel besser. Vor allem Kurve eins meisterte er diesmal ohne Probleme, überstand nacheinander das Achtel-, Viertel- und Halbfinale. Im letzten Heat der vier Besten musste sich der Konstanzer, der auf den Hängen des Schwarzwalds groß wurde, anderthalb Wochen vor seinem olympischen Rennen in Pyeongchang nur dem Franzosen Pierre Vaultier und dem Italiener Michele Godino geschlagen geben. Martin Nörl aus Adlkofen wurde Vierter – ein fantastisches Ergebnis für den Verband Snowboard Germany.

Jana Fischer hingegen, die 18-Jährige vom SC Löffingen, blickt mit gemischten Gefühlen auf ihre Olympia-Generalprobe am Feldberg zurück. Am Freitag hatte sie es als 25. nicht geschafft, sich für die Finals der 16 weltbesten Frauen zu qualifizieren und musste daher am Samstag zuschauen. Doch auch am Sonntagmorgen war ihr kein Rennglück vergönnt. Sie landete abermals auf Rang 25, scheiterte also erneut in der Quali. Doch Fischer ist jung und unbekümmert. Die jüngste Olympia-Debütantin der Schwarzwälder Skigeschichte kann in Pyeongchang nichts verlieren, aber alles gewinnen. Ihre Familie wird sie bei ihrem olympischen Abenteuer begleiten, sogar der 83 Jahre alte Opa fährt mit nach Südkorea. "Familie ist immer wichtig", sagte die 18-Jährige der BZ. Auch wenn sie inzwischen im Allgäu lebt und trainiert, ist Fischer der Region doch immer noch sehr verbunden. "Ich bin Schwarzwälderin, das hier ist meine Heimat." Sorgen angesichts des politischen Konflikts zwischen Nord- und Südkorea macht sie sich keine. "Wenn’s nicht sicher wäre für uns, dann würden wir auch nicht hinfahren."

Die Siege am Feldberg machten an beiden Wettkampftagen die Boarder anderer Länder unter sich aus. Der Österreicher Julian Lüftner gewann am Samstag vor den beiden Franzosen Vaultier und Ken Vuagnoux. Konstantin Schad aus Fischbachau fuhr als bester Deutscher auf Platz fünf, Nörl wurde Siebter. Den ersten von zwei Weltcups der Frauen entschied die Italienerin Michela Moioli vor der Kanadierin Zoe Bergermann und der Französin Julia Pereira de Sousa Mabileau für sich. Und auch am Sonntag raste die Weltcup-Führende Moioli allen auf und davon. Sie gewann vor den beiden Französinnen Charlotte Bankes und Chloe Trespeuch.

Auch wenn die Flachländer es kaum glauben mochten: Die Bedingungen für die Boarder waren das ganze Wochenende über ausgezeichnet am Feldberg. Der Hochschwarzwald präsentierte sich in makellosem Winter-Weiß, auf den Ästen der Tannen hing schwer der Schnee, und Tausende genossen die Abfahrten auf den Pisten links und rechts der Cross-Strecke. Der leichte Schneefall am Samstag störte auch die weltbesten Snowboarder nicht groß, und am Sonntag schien bis kurz vor den Finals gegen 13 Uhr sogar die Sonne, während sich rund um den Höchsten bereits graue Wolken auftürmten. "Perfekter geht’s eigentlich nicht mehr", sagte Stefan Wirbser, Bürgermeister der Gemeinde Feldberg und Präsident des Skiverbands Schwarzwald: "Ich bin rundum zufrieden." Auch organisatorisch habe alles geklappt: "Das ist der verdiente Lohn an die Helfer." Insgesamt rund 200 Frauen und Männer gaben ehrenamtlich alles. Die Snowboardcrosser werden gern wiederkommen und die Gastfreundschaft der Schwarzwälder wohl noch oft genießen.