Trockenübung in den vier Wänden

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Fr, 16. Februar 2018

Biathlon

Elias Asal vom SC Wieden gilt als große Biathlon-Hoffnung und feilt auch auf ungewöhnlichem Terrain an seinen Fähigkeiten.

BIATHLON. Der 16-jährige Biathlet Elias Asal vom SC Wieden gilt als große Nachwuchshoffnung. Ein pfiffiger Teenager. Hohe Ambitionen. Und viel Aufwand für die Familie. Träumen als Familienprojekt.

Im Hause Asal stehen die Türen offen. Jeden Tag. "Irgendwie müssen wir acht Meter Abstand in unserem Haus herstellen", erklärt Norbert Asal. Der 46-Jährige ist Vater von drei Kindern, die sich mehrere Tage die Woche auf Langlaufskiern bewegen, und das gilt "eigentlich seit sie laufen können, da haben wir ihnen direkt Skier unter die Schuhe geschnallt". Die siebenjährige Maria ist jüngst ihren ersten Wettkampf gefahren, Miriam (13) misst sich momentan mit der deutschen Elite beim Schülercup. Und der 15-jährige Filius Elias gilt als Nachwuchshoffnung der Biathleten in der Klasse J 16. Im Deutschlandpokal ist er momentan Zweiter, Siege werden über ihn entschieden.

Und die offenen Türen in Asals vier Wänden? Die haben mit seinem Sport zu tun. Dreimal die Woche trainiert Elias Asal am Stützpunkt am Notschrei. Die restlichen Tage stehen Trockenübungen zuhause in Schönau auf dem Programm. Ein Bild der besonderen Art.

Familie muss Turnierfahrten in ganz Mitteleuropa finanzieren

Durch drei Räume hindurch visiert Asal dann die Zielscheiben an. Stehend und liegend, den richtigen Moment für den Abzug abwartend. Irgendwo zwischen den Atemzügen. Hektik ausblenden, Fokus an. "Das ist extrem wichtig", sagt der Vater. "Deshalb machen wir es jeden Tag", ergänzt der Sohnemann. Sie sind ein eingespieltes Team.

Asals Talent dominiert die Freizeitgestaltung der Familie. Trainingstaxi spielen, Ausrüstung und Turnierfahrten in ganz Mitteleuropa finanzieren, Koordination mit der Schule. Karriere als Familienprojekt. Erst wenn im nächsten Jahr die Nominierung für die Nationalkader und damit ein Wechsel ans Skiinternat Furtwangen ansteht, würde das Familienteam entlastet. Erst dann sinken die Kosten.

Derzeit schlägt sich Asal herausragend, man darf von einer kleinen Leistungsexplosion sprechen. Beim Deutschlandpokal am vergangenen Wochenende in Altenberg fuhr er im Massenstart trotz vier Schießfehlern auf den ersten Platz. Vergangenes Jahr holte er sich die Vizemeisterschaft bei den Schülerwettbewerben. Auch bei der Landesmeisterschaft fuhr er auf Rang zwei.

"Er ist ein pfiffiges Kerlchen, der beides kann: Schießen und Laufen", sagt Ina Metzner über das Talent. Die 41-Jährige ist Biathlontrainerin bei den Skiverbänden Baden-Württemberg, am Skiinternat Furtwangen ansässig und seit drei Jahren verantwortlich für Asal. Ob aus einem derart veranlagten Jugendlichen wie dem Wiedener einmal ein Olympionike wird, sei komplett offen. "Da spielt viel rein. Momentan hat er viel. Er kann chaotisch, kann fokussiert, macht aber auch Lausbubenstreiche", charakterisiert Metzner den Gymnasiasten. Beste Voraussetzungen sind in jedem Fall vorhanden.

Derzeit werde viel an den Reserven gearbeitet. Welche Lauftechnik für welchen Laufabschnitt? Wann Risiko beim Schießen wählen? Wann Sicherheit? Nuancen für den großen Traum. "Ich will zu Olympia", sagt Asal. Und trotz aller Differenzierung und Bemühung um geschürte Erwartungen gesteht auch Metzner: "Er erinnert mich an Benny." Mit ganzem Namen heißt der Benedikt Doll. Auch den Weltmeister und Bronze-Medaillengewinner von Pyeonchang aus Breitnau hat die Trainerin einst betreut. "In seinem Wesen und vom Laufstil her erinnert Elias schon an eine Art Benny Nummer zwei", findet Metzner.

Der Traum von Olympia: jugendliche Schwärmerei? Asal gibt sich reflektiert: "Davor liegen viele andere Ziele auf dem Weg." Nationalkader, einmal bei einem Weltcup starten. Also weiter täglich üben. Zielen über acht bis zehn Meter, durch drei Räume. Die Türen im Hause Asal werden noch eine ganze Zeit lang offen stehen.