Moraths Pech in Glasgow

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mi, 08. August 2018

Mountainbike

Mountainbikerin aus St. Märgen muss sich nach einem Hinterraddefekt mit Rang 16 bei der Europameisterschaft begnügen.

MOUNTAINBIKE. Der 16. Platz sagt nicht viel aus über das Rennen, das Adelheid Morath am Dienstag bei der Mountainbike-Europameisterschaft im schottischen Glasgow gefahren ist. Mit zwei herben Ereignissen haderte die 34-jährige Berufsmountainbikerin aus St. Märgen nach dem Rennen.

Morath war vor dem Start skeptisch gewesen, zu wenig entsprach die 5,5 Kilometer lange Strecke der Cathkin Braes Mountainbike Trails ihren fahrtechnischen Fähigkeiten. Bundestrainer Peter Schaupp schlug schon nach der Startrunde die Hände über dem Kopf zusammen. Aus der breiten, 500 Meter langen Startphase ging die Deutsche Vize-Meisterin, die als notorische Spätstarterin gilt, ganz hinten im knapp 40 Fahrerinnen starken Feld in den ersten engen Trail. Nach ihrem Schlüsselbeinbruch, den sie sich Ende Mai beim Weltcup in Albstadt zugezogen hatte, fehlt der St. Märgenerin noch die gewohnte Ellbogen-Mentalität, so dass sie in Positionskämpfen häufiger den Kürzeren zieht.

Diese erkennbare Zurückhaltung war auf dem EM-Kurs ein großes Handicap, denn die Überholmöglichkeiten waren für Morath rar gesät. "Ich wusste, ich muss auf dieser Strecke gleich vorne dabei sein", erzählte die Hochschwarzwälderin. "Das ist mir nicht gelungen." Auf dem Weg nach vorne dauerte es lange, bis sie ihren Rhythmus fand. Danach fuhr sie Position um Position nach vorne, wurde nach der zweiten Runde an 16. Stelle gesichtet, schnappte sich dann auf dem Weg nach vorn eine ganze Gruppe und ließ diese nach einer sehenswerten Attacke hinter sich. "Die Leistung hat gepasst", befand Morath nach dem Rennen. Klar, in den Trails verlor sie etwas Zeit gegenüber einem Teil der Konkurrenz, doch prinzipiell war ihre Verfassung gut genug für ein Top-Ten-Ergebnis. Davon lag sie noch 25 Sekunden entfernt, als sie sich in der dritten von fünf Runden einen Hinterrad-Defekt einhandelte. Die Technische Zone lag gerade hinter Adelheid Morath, bis zur nächsten waren es noch etwa 1,5 Kilometer. "Ich hatte gerade den Flow gefunden", schüttelte sie den Kopf über so viel Pech. Auch wenn die Luft nicht ganz raus war, die elfte Position ging verloren und Adelheid Morath startete von Position 22 aus eine erneute Aufholjagd. "Ich habe noch das Beste draus gemacht", befand sie nach ihrer Aufholjagd und den sechs Plätzen, die sie nach ihrem Malheur wieder gutmachen konnte.

Doch zufrieden stellte sie dieser 16. Platz, mit 8:46 Minuten Rückstan auf Europameisterin Jolanda Neff (1:33:33) aus der Schweiz natürlich nicht. Morath verzog im Ziel das Gesicht. "Ich bin so langsam froh, wenn die Saison rum ist. Es will dieses Jahr einfach nicht laufen", erklärte sie mit Blick auf die zwei Knochenbrüche, die sie sich im Frühjahr zugezogen hatte. EM-Gold ging zum dritten Mal an Weltmeisterin Jolanda Neff, die in den Trails fahrtechnisch eine Klasse für sich war. Die Schweizerin gewann mit 2:04 Minuten Vorsprung auf Pauline Ferrand Prevot aus Frankreich und 3:27 Minuten vor der Belgierin Githa Michiels. Die Deutsche Meisterin Elisabeth Brandau aus Schönaich lieferte als Fünfte (+4:08) eine überzeugende Leistung ab.