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15. Juli 2014

... 540 Kilometer durch Norwegen zu Radeln?

Wie ist es eigentlich: Ein Highlight am Ziel

  1. Stefan Armbruster Foto: Privat

"Styrkeprøven" ist das norwegische Wort für Kraftprobe. Gleichzeitig ist es auch der Name für das legendäre und längste Radrennen Europas, welches über mehr als 540 Kilometer von Trondheim nach Oslo führt und Radsportler aus der ganzen Welt elektrisiert. Stefan Armbruster vom RSV Hofweier war dabei. Hier beschreibt er seine Erlebnisse.

Die Kraftprobe war dieses Jahr ein völlig anderes Rennen. Im Gegensatz zu 2013 herrschten fast optimale Wetterbedingungen. Die ersten 200 Kilometer bis Dombas gab es nur Sonnenschein, ein kurzer Regenschauer auf dem Dovrefjell sowie rund eine Stunde Regen bei Lillehammer waren nicht der Rede wert. Lediglich der stetige Gegenwind, der mich über 300 Kilometer begleitete, war etwas störend, in der großen Gruppe des Viktoria-Teams aber sehr gut zu ertragen.

Das Vitargo-Team, dem ich mich anfangs angeschlossen hatte, ist meiner Meinung nach kläglich gescheitert. Vielleicht war ich auch zu schwach für die angepeilte Zielzeit von 18 Stunden, aber die Verabredungen zur Fahrweise wurden absolut nicht eingehalten. Dies kann aber der Teamführung nicht angelastet werden, es ist einzig und allein der Unerfahrenheit der einzelnen Fahrer geschuldet. Wie die Norweger fahren, habe ich bereits letztes Jahr im Team Jæren und dieses Jahr im Team CK Viktoria kennengelernt. Mit einer absoluten Gleichmäßigkeit geht es auf der Strecke zu Werke, was eigentlich auch unser Ziel war. Dies lässt sich aber vermutlich nur durch ein eingespieltes Team erreichen und nicht durch eine wild zusammengewürfelte Truppe, welche sich erst am Vorabend des Rennens kennenlernt. Trotzdem habe ich es nicht bereut, beim Vitargo-Team mitgefahren zu sein, die tollen Kontakte zu Axel Fehlau und Stefan Holzinger brachten mich in Sachen Training deutlich voran.

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Mit meiner Zielzeit von 21.16 Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,5 Stundenkilometern entspricht, bin ich voll zufrieden. Die reine Fahrzeit (Pausen nicht einbegriffen) war 20.32 Stunden (26,6 Stundenkilometer im Schnitt). Mein realistischer Plan B sah vor, mit einer 20er-Zeit ins Ziel zu kommen. Das habe ich knapp verfehlt, wäre aber ohne die vielen Stürze und Pannen durchaus möglich gewesen. Insgesamt bin ich rund zwei Drittel der Strecke alleine oder in kleinen Gruppen von zwei bis vier Fahrern unterwegs gewesen. Das hat bei dem erheblichen Gegenwind sehr viel Kraft und Zeit gekostet. Glücklicherweise konnte ich mich aber auch über 120 Kilometer als Mitfahrer dem Team CK Viktoria anschließen und auf diesen Abschnitten im Windschatten wieder deutlich erholen. Letztendlich war dies entscheidend dafür, unter 22 Stunden ins Ziel zu kommen.

Einen großen Beitrag haben auch wieder Helmut Munz und Bernd Heinel geleistet. Erst durch Helmuts Sturz war es möglich, dass ich mich an drei Verpflegungsstationen optimal versorgen konnte. Es tut mir schrecklich leid, dass er dieses Jahr schon wieder Pech hatte und das Ziel nicht erreichte.

Helmut hat dann im Zielbereich noch für ein Highlight gesorgt. Aus unerfindlichen Gründen ist ihm Verena Bentele, die mehrfache Paralympics-Gewinnerin, auf der Suche nach einer Transportmöglichkeit zu ihrem Hotel über den Weg gelaufen. Klar, dass wir hier sofort weitergeholfen haben. So bekamen wir durch den Erfahrungsaustausch während der Fahrt noch einen netten Kontakt zu einer tollen Sportlerin und einer freundlichen Persönlichkeit.

Autor: uwo, bz