Oskar Scherer – ein Fußballidol schon zu Lebzeiten

Kurt Dengler

Von Kurt Dengler

Fr, 03. Februar 2017

Regio-Fußball

Am Samstag jährt sich der Geburtstag des Neustädters zum 100. Mal / Ein Abriss seiner wichtigsten sportlichen Stationen.

FUSSBALL. Am Samstag jährt sich der Geburtstag von Oskar Scherer zum 100. Mal, der schon zu Lebzeiten ein Idol im südbadischen Fußball war. Zusammen mit seinen drei Brüdern – Josef, Fritz und Rudolf – waren "die Scherer-Buben vom Bären" die Stützen des heimischen FC Neustadt. Oskar Scherer spielte schon mit 16 Jahren in der ersten Mannschaft, die in der Bezirksliga kickte, zu jener Zeit war das die zweithöchste Liga in Baden nach der Gauliga. Zu den Gegnern des FC Neustadt zählten Teams wie Villingen, Singen und Konstanz.

Osker Scherer liebte auch das Skispringen

Damals gab es noch nicht so viele Vereine und Ligen wie in der heutigen Zeit. Auch das Medienecho war noch nicht so riesig. Das Publikumsinteresse und die Begeisterung für den Fußball waren allerdings schon gut entwickelt. Die Neustädter waren der Kickerei genauso zugetan wie dem Skispringen. Oskar Scherer war in beiden Sportarten eine Klasse für sich.

Schon als junger Bursche hatte Oskar Scherer sein Talent auf den Schwarzwälder Sprungschanzen demonstriert und vordere Plätze bei der Schwarzwaldmeisterschaft und den Feldbergspringen belegt. Er hätte auch in dieser Sportart Karriere machen können.

Doch Oskar Scherer entschied sich für den Fußball. Es wunderte niemanden, dass er im Alter von 20 Jahren vom renommierten Freiburger FC abgeworben wurde. Gerne ließen ihn die Wälder 1937 nicht nach Freiburg ziehen, wo er sich jedoch glänzend in die FFC-Elf einfügte. Auch in die Landesmannschaft des Gaues Baden wurde er berufen.

Die Schweizer Nationalelf lud den Freiburger FC zu einem Vorbereitungsspiel auf die WM 1938 nach Zürich ein. Die Schweizer verloren 2:3, Mittelstürmer Oskar Scherer hatte zu allen drei Freiburger Toren entscheidend beigetragen. Ein großer Erfolg für den Schwarzwälder.

Kriegsbedingt spielte Oskar Scherer einige Male für Hertha BSC Berlin und schoss in elf Ligaspielen 13 Tore. Nach dem Krieg kickte er zunächst eine Saison beim Karlsruher SC, dem ehemaligen Deutschen Meister, bis der schweizerische FC Kreuzlingen auf ihn aufmerksam wurde. Mit Ausnahmegenehmigungen und gegen Auflagen gestattete die Besatzungsmacht Frankreich Oskar Scherer das Fußballspielen in der Schweiz. 1946 wurde er statt mit Geld mit den so dringend benötigten Naturalien entschädigt. Er war einer der ersten deutschen Fußballer, die von einem ausländischen Verein engagiert wurden.

Im Alter spielte er Tennis und fuhr Ski

1947 kehrte Oskar Scherer wieder nach Freiburg zurück zur Fortuna, wie sich der FFC auf Anordnung der Franzosen zeitweilig nennen musste. Im Kampf um die Zonenmeisterschaft traf der Freiburger FC auch auf den 1. FC Kaiserslautern, damals mit den Walter-Brüdern bundesweit die renommierteste deutsche Mannschaft. 1951 hing Scherer die Kickstiefel an den Nagel, sportlich ging es für ihn privat im Sommer auf dem Tennisplatz und im Winter an den Skihängen weiter. Später verfolgte er mit großem Interesse die Bundesliga, besonders die Freiburger und die Münchner Bayern, gegen die er selbst Tore erzielt hatte, lagen ihm am Herzen. Oskar Scherer war Zeit seines Kickerlebens der Meinung, dass ein Profi "beidfüßig sein muss". Das gilt noch immer.