Feuerwehr testet mobiles Dammsystem

451 Tonnen Wasser gegen Überschwemmungen

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

So, 08. Oktober 2017 um 19:04 Uhr

St. Blasien

Mit riesigen Schläuchen will die Feuerwehr in Zukunft gegen Überschwemmungen kämpfen. Jetzt ist das System in St. Blasien getestet worden.

ST. BLASIEN. Mit einem mobilen Hochwasserdamm wurden die Feuerwehren Murg, Waldshut-Tiengen und Küssaberg im vergangenen Jahr ausgestattet. Erstmals wurden nun am Samstag im Rahmen einer Präsentationsübung auf dem Domplatz in St. Blasien alle Segmente des Hochwasserdammsystems zu einem 300 Meter langen und einen Meter hohen Damm zusammengefügt und mit Wasser befüllt. Die Einsatzleitung lag bei dem Kommandanten der St. Blasier Feuerwehr, Frank Bercher.

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Hochwasserlagen zu verzeichnen. Mit Sandsäcken versuchte man stets das Schlimmste zu verhindern – solche Dämme haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Das Befüllen und der Transport der Sandsäcke sind sehr personalintensiv, zudem müssen eine ausreichende Materialbeschaffung und die Organisation von Transportkapazitäten vorgeschaltet werden. Eine Alternative bieten mobile Hochwasserschutzmodule. Diese bestehen aus Kunststoffschläuchen, die endlos miteinander verbunden werden können und einen rund einen Meter hohen Schutzdamm bilden.

Die Funktionsweise des mobilen Deiches demonstrierten am Samstag rund 85 Einsatzkräfte aus Murg, Waldshut-Tiengen und Küssaberg. Als Ort für die Übung habe man sich für St. Blasien entschieden, da der Domplatz genügend Platz biete und die Stadt zudem bereits mehrfach von Hochwasser betroffen war, sagte Kreisbrandmeister Thomas Santl. Und er fuhr fort, die Schlauchsysteme hätten nicht etwa Feuerwehren in besonders hochwassergefährdeten Gebieten erhalten, denn im Falle eines Hochwassers seien die örtlichen Feuerwehren ohnehin schon anderweitig im Einsatz und die mit dem Schlauchsystemen ausgestatteten Organisationen könnten sich ganz auf den Aufbau des Hochwasserschutzes konzentrieren.

Jede der an der Übung beteiligten Feuerwehren verfügt über ein Schlauchsystem von 100 Metern Länge, bestehend aus Schlauchdämmen mit zehn oder 20 Metern Länge. Zunächst galt es, die ausgerollten Schläuche mit einem Doppelkammersystem mittels eines Kompressors mit Luft zu füllen und zum Einsatzort zu tragen. Anschließend machten sich die Einsatzkräfte daran, die Schläuche mit Wasser zu befüllen, das Wasser wurde der Alb und dem Steinenbach entnommen, was am Wasserstand der Gewässer jedoch nicht grundlegend etwas änderte.

Fische gerieten dabei nicht in die Schläuche, dafür sorgte ein vorgeschaltetes Sieb. Mit einer Wärmebildkamera stellten die Einsatzkräfte den Füllstand der Schläuche fest. Wenn das Wasser aus der Öffnung, durch die die Luft entweicht, rund einen Meter hoch herausspritzt, ist der Schlauch ausreichend gefüllt, erläuterte der Kreisbrandmeister. Rund zehn Kubikmeter Wasser passen in eine der Kammern eines zehn Meter langen Segments, das Befüllen der Kammer dauerte rund zehn Minuten, so einer der Feuerwehrmänner. Insgesamt wurden die insgesamt 300 Meter langen Schlauchsegmente mit 451 000 Litern Wasser befüllt, das entspricht einem Gewicht von 451 Tonnen.

Nach rund zwei Stunden konnte das Wasser aus den Schlauchsegmenten wieder abgelassen werden. Sehr zufrieden zeigte sich Kreisbrandmeister Santl mit dem Verlauf der Übung. Alles hatte bestens geklappt, obwohl, wie Santl sagte, Neuland betreten worden war und die Übung unter anderem dazu dienen sollte, eventuelle Probleme herauszufinden. Ebenfalls erfreulich: Die für die Präsentationsübung eingeplante Zeit von dreieinhalb Stunden wurde deutlich unterschritten.

Vor Ort waren auch mehrere Drohnen des Technischen Hilfswerks und des Landkreises. Sie sollten nicht nur vorgeführt werden, sondern auch das Geschehen dokumentierten.