Ausdrucksstark formuliert

Margrit Matyscak

Von Margrit Matyscak

Sa, 25. März 2017

St. Blasien

Die Sopranistin Olga Romanko gastiert im Festsaal des Kollegs.

ST. BLASIEN. Liederabende sind selten im Festsaal der ehemaligen Benediktinerabtei. In einen solchen Genuss kamen zahlreiche Zuhörer beim Klosterkonzert am Donnerstagabend. Die russische Sopranistin Olga Romanko und der Pianist Andrej Vinichenko interpretierten Lieder des 19. Jahrhunderts. Olga Romanko ist auf den Bühnen der Welt zu Hause. Hier hat sie große Erfolge errungen. Liederabende sind weniger ihr Metier.

Mit großem Arienvolumen und schönem Timbre sorgte sie für einen beeindruckenden Abend. "Ich bin hingerissen", sagte eine Zuhörerin in der Pause. Zuvor waren Schubertlieder erklungen. Leider ist die Aussprache von Olga Romanko nicht besonders gut. Die meisten der Lieder konnte das Publikum aus dem Gedächtnis dann doch verstehen. An die Musik, die Forelle, im Frühling, Ständchen, Seligkeit, Gretchen am Spinnrad erklangen in Deutsch, das Ave-Maria in Latein. Ausdrucksstark formulierte Olga Romanko Dramatik und Lyrik, dynamisch stark variabel war jedes Lied ein Genuss.

Ihr Klavierbegleiter Andrej Vinichenko forderte und förderte die Sängerin. Mit Schuberts Impromptu B-Dur fasste er Dramatik und Lyrik zusammen, umwob sie oder stellte sie streng separat.

Der Pianist fordert und fördert die große Sängerin

Im zweiten Teil wurde "Malinconia Nifa gentille Ariette" und "Per Pietá, bell’ido mio" von Vincenzo Bellini geboten. Die Ariette von Mauro Giuliani oder "Auf Flügeln des Gesanges" von Felix Mendelssohn-Bartholdy schienen den beiden Musikern besonders zu liegen. Andenken an Ludwig van Beethoven wurde zur großen Arie. "Duo Canzonette Italiane" und "Sono qui, Inesilia" des Russen Michael Glinka schienen für die beiden Musiker geschrieben zu sein. Obwohl Michael Neymeyer um Applaus erst nach den jeweiligen Blöcken gebeten hatte, wurde nach jedem Lied stürmisch Beifall gespendet. Die beiden Musiker nahmen es dankend an und schienen die Anerkennung zu genießen. Nach einer Zugabe verabschiedeten sie sich.