Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
31. Januar 2012
"Die Bäume sind ja bekanntlich grün"
In und um St. Blasien haben die Grünen nach wie vor nur wenige Mitglieder – auch die Landtagswahl konnte daran nichts ändern.
ST. BLASIEN UND UMLAND. Anlässlich des 30. Geburtstags der Grünen haben wir uns 2010 in der Region St. Blasien auf die Suche nach Parteimitgliedern gemacht – und nur zwei gefunden. Heute, zwei Jahre und einen grünen Ministerpräsidenten später, hat sich diese Zahl – immerhin – verdoppelt. St. Blasiens Grüner ist inzwischen weggezogen, dafür gibt es auf dem Dachsberg jetzt drei und in Bernau ein Parteimitglied.
Fukushima und das gute Landtagswahlergebnis haben vielen Grünen-Ortsverbänden Zulauf beschert. Auch dem Waldshuter Kreisverband. "Wir haben neue Mitglieder gewonnen", bestätigt Kreisgeschäftsführer Bernd Wallaschek, "allerdings vor allem in der Rheinebene". Ein neues Mitglied im Schwarzwald gibt es aber doch: Wolfgang Steier hat sich nach der Landtagswahl dazu entschlossen, die Grünen nicht nur als Wähler, sondern auch als eingetragenes Mitglied zu unterstützen, "weil sie es geschafft haben, die Vorherrschaft der etablierten Parteien zu brechen". Steier findet: "Demokratie lebt vom Wechsel." Er identifiziere sich nicht hundertprozentig mit den Grünen und vertrete in manchen Bereichen sogar eine komplett andere Meinung. Aber insgesamt sei er den Grünen grün, sagt Steier. Der Bernauer möchte seine Sicht der Dinge als Förster und Jäger einbringen und plant, im Frühjahr den Kreisverband zu sich einzuladen und über naturgemäße Waldwirtschaft zu informieren. Der 58-Jährige möchte sich engagieren, strebt aber kein Mandat an, wie er sagt. Er könne sich beispielsweise nicht vorstellen, einem grünen Ortsverband vorzustehen.Werbung
Einen solchen gibt es in der Region St. Blasien nicht. Nach der Landtagswahl im vergangenen Jahr versuchte Siggi Duffner, aktiv im Ortsverband der Grünen in Bonndorf, die Gründung einer Ortsgruppe in der Domstadt anzustoßen. Vergeblich. "Die Grünen-Mitglieder in dieser Region haben daran kein Interesse", erklärt er.
Der Kreisverband wirbt nicht aktiv um Mitglieder in den Gemeinden rund um St. Blasien. "Wir haben das Gefühl, das bringt nichts", sagt Bernd Wallaschek. Es sei schwierig, die Menschen aus der Reserve zu locken. Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Reinhold Pix sagt: "Man kann nichts erzwingen." Qualitatives Wachstum sei wichtiger als quantitatives. "Die Grünen überzeugen mit ihren Ideen und Inhalten – und weniger mit verzweifelten Versuchen, Strukturen zu etablieren." Und wer grün wähle, sei noch lange nicht willens oder in der Lage, Parteimitglied zu werden, glaubt Wallschek. Möglicherweise liegt das wiederum daran, dass Grüne Einzelkämpfer sind in der Region. Auf die Frage, welche Reaktionen seine Mitgliedschaft hervorruft, meint Wolfgang Steier lachend: "Es ist vermutlich nicht allgemein bekannt, dass ich der Partei beigetreten bin; aber es könnte schon sein, dass der eine oder andere nun schief schaut." Und wenn schon: "Damit kann ich leben", sagt Steier.
Auch Oliver Dahm, Grünen-Mitglied aus Dachsberg, verrät, dass seine Parteizugehörigkeit ab und zu Anlass für Sticheleien ist. "Aber das sind keine ernsthaften Diskussionen." Dahm glaubt, dass mit den Grünen einfach immer noch viele Klischees verbunden sind. "Viele sehen sie immer noch als Gegen-Partei, dabei sind die Grünen ja immer auch für etwas." Dass sich andere Parteien längst grünen Themen wie regenerativen Energien angenommen haben, wertet er als Verdienst seiner Partei. Und dass die Grünen auch im Schwarzwald neue Mitglieder gewinnen, sei nur eine Frage der Zeit, glaubt Oliver Dahm: "Im Schwarzwald gibt es ja viele grüne Themen."
Auch Abgeordneter Pix glaubt, dass sich die Grünen mehr und mehr auch in ländlichen Räumen etablieren werden. "Letztlich darf man nicht nur die eingetragene Mitgliedschaft bewerten." Der Sympathisantenkreis sei häufig größer, als vermutet. Als Beispiel nennt Pix St. Blasiens Kollegsdirektor Pater Mertes, der beim jüngsten Treffen in St. Blasien Grüße an Ministerpräsident Kretschmann ausrichten ließ und ankündigte, den von ihm geschätzten Politiker demnächst nach St. Blasien einladen zu wollen.
Schwarzer Wald – da spreche der Name Bände. "Der Schwarzwald wird seinen Namen behalten, aber die Bäume sind ja bekanntlich grün", sagt Pix und lacht.
Autor: Kathrin Blum


