Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Juni 2014

Einzug in ein gut bestelltes Haus

Der Jesuit Pater Philipp Görtz ist der neue Internatsleiter des Kollegs St. Blasien / Er wird am Sonntag offiziell begrüßt.

  1. Pater Philipp Görtz ist neuer Internatsleiter Foto: Sebastian Barthmes

ST. BLASIEN. Das Kolleg St. Blasien hat ab Sonntag einen neuen Internatsleiter: Der Jesuit Pater Philipp Görtz wird im Rahmen des Pfingstfestes der Internatsschule begrüßt und sein Vorgänger Pater Axel Bödefeld verabschiedet. Seit Anfang Mai macht sich Görtz mit seinen neuen Aufgaben vertraut.

Vor einem Jahr kündigte Kollegsdirektor Pater Klaus Mertes den Wechsel an. Nicht nur weil man Jesuit sei, könne man automatisch so eine verantwortungsvolle Aufgabe auch übernehmen, sagte er damals. Deshalb sei er froh, dass der Orden einen geeigneten Nachfolger für Pater Bödefeld finden konnte.

Philipp Görtz hat in Tübingen Theologie studiert. Immer wieder habe er sich Gedanken gemacht, was er mit seinem Studium anfangen wolle, welches der richtige Weg sei. Schließlich wurde ihm klar, dass er gerne in einer Gemeinde arbeiten wolle. Während mehrerer Pilgerreisen mit Kommilitonen entdeckte er aber auch die Gemeinschaft für sich und ein Buch, in dem ein Jesuit über das Beten und die Meditation schrieb, weckte schließlich das Interesse des jungen Theologen am Jesuitenorden. Nach ersten Kontakten und nach den Exerzitien sei die Gewissheit in ihm gereift, dass er sich dort zu Hause fühlen würde.

Werbung


Er bat um Aufnahme und nahm 2002 sein Noviziat auf. Ein Pilgerexperiment, das ihn ohne Geld nach Italien führte, sei für ihn ein prägendes Erlebnis gewesen, erzählt Görtz. Damals habe er auf besondere weise erlebt, was für die Menschen in Italien die Vorsehung Gottes bedeute, er habe erfahren, was es heiße, sich von ihr leiten und sich beschützen zu lassen.

Seine Anfangszeit im Jesuitenorden erlebte Görtz in München, später wechselte er nach Frankfurt. Dort kreuzte sei Weg zum ersten Mal den von Axel Bödefeld – er wurde dessen Nachfolger als Sudregens (stellvertretender Leiter) des Priesterseminars St. Georgen Frankfurt. Während er zum erstmals Leitungsaufgaben übernahm, absolvierte er auch das Aufbaustudium Pastoraltheologie, sein Schwerpunkt war die Schulseelsorge.

Um praktische Erfahrungen für seine Promotion zum Thema "Sexueller Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche" zu bekommen, ging er an das Aloisiuskolleg des Jesuitenordens nach Bonn. Bald, nachdem er seine Doktorarbeit abgeschlossen hatte, seien erste Meldungen über Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg in Berlin bekannt geworden. Danach hätten sich die Ereignisse überschlagen – bald war der Missbrauch auch in Bonn ein Thema. "Ich habe etliche Gespräche geführt mit Betroffenen, mit Opfern", erinnert sich Görtz. Das Gehörte habe ihn hilflos, wütend und sprachlos gemacht. Intensiv habe man sich dann dort mit dem Thema befasst.

Schon im Jahr 2012 habe ihn der Provinzial (Leiter) des Jesuitenordens auf einen Wechsel nach St. Blasien angesprochen. Bevor er aber die Aufgaben übernehmen konnte, musste er noch das Terziat, die dritte und letzte Prüfungszeit vor der Aufnahme in den Orden, absolvieren. Er ging nach El Salvador, um seine Spanischkenntnisse zu verbessern und erlebte bittere Armut – auch das sei eine prägende Erfahrung gewesen.

Seit Anfang Mai ist Pater Görtz nun in St. Blasien, wo ihn sein Vorgänger in die Aufgaben einführt. Die Fußstapfen seien groß, aber er sei dennoch ruhig. Schließlich übernehme er von Pater Bödefeld wieder ein gut bestelltes Haus.

Am Kolleg will Görtz nun auf dem aufbauen, was es schon gibt. Zusammen mit den Mitarbeitern und Schülern wolle er das Internat weiterentwickeln.

Fotos vom Pfingstfest des Kollegs im Internet: http://www.badische-zeitung.de

Autor: Sebastian Barthmes