"Engagement, Spielfreude und Zusammenhalt der Gruppe begeistert"

Karin Stöckl-Steinebrunner

Von Karin Stöckl-Steinebrunner

Sa, 19. Mai 2018

St. Blasien

BZ-INTERVIEW mit dem Berliner Schauspieler Marten Krebs, der sich bei den Domfestspielen St. Blasien engagiert und den Darstellern Tipps gibt.

ST. BLASIEN. Schon mehrfach kamen in letzter Zeit Gruppen, aber auch Einzeldarsteller der Domfestspiele 2018 in den Genuss von Tipps eines Profis aus Berlin. Schauspieler Marten Krebs hat sich in die Vorbereitungen eingeklinkt und wird auch bei den Aufführungen selbst als Überraschungsgast in einer Rolle auftreten, die noch nicht verraten wird. Wer ist sympathischen, vor Schaffensdrang sprühende junge Mann und wieso arbeitet er bei den Domfestspielen mit? Darüber sprach Karin Steinebrunner mit Marten Krebs.

BZ: Ein Profi aus Berlin bei den Domfestspielen in St. Blasien, das ist ja nicht selbstverständlich. Wie kam es dazu?

Krebs: Mein Bruder arbeitet hier in St. Blasien, und ich habe schon eine ganze Weile die Gegend hier als mein Refugium entdeckt, um wieder neue Energie zu tanken. Bei einem meiner Besuche stieß ich dann auf das Plakat für die Domfestspiele, hatte die Idee, mit Wolfgang Endres Kontakt aufzunehmen, und der nahm mich dann gleich mit zu einer Probe.

Dort haben mich das Engagement, die Spielfreude und der Zusammenhalt der Gruppe sofort begeistert. Ihr brennt hier alle für eure Sache, das ist toll und vielleicht gerade für einen Berufsschauspieler besonders beeindruckend. Ich habe mir dann noch ein paar Videoausschnitte von vergangenen Produktionen im Internet angeschaut und auch dort die Kraft gespürt, die dahinter steckte. Und auch die Liebe zum Detail hat mich überzeugt und mir die Antwort auf die Frage, ob ich das Projekt unterstützen würde, leicht gemacht.

BZ: Sie finden das Engagement der Laien hier beeindruckend. Ist das denn bei den Profis nicht so, vermissen Sie da etwas?

Krebs: Der markanteste Unterschied zwischen der Arbeit hier und der mit Profis ist wohl der, dass ich hier viel mehr ausprobieren kann. Zeit zu haben, etwas zu entwickeln, finde ich ausgesprochen reizvoll. Im Theaterbetrieb ist es überspitzt formuliert so: Entweder du hast eine Figur drauf, oder du wirst ausgetauscht. Hier bringt jeder sich und seine ganz individuelle Kraft ein, mit der er seine Figur ausstattet, und dieses Angebot weiter zu entwickeln, ist einfach großartig. Außerdem finde ich es charmant, in dem Herzblut, das die Akteure hier für ihre Sache geben, vielleicht auch den einen oder anderen schlummernden Kindheitstraum zu entdecken, zumal ich ja auch über Umwege zur Schauspielerei gekommen bin.

BZ: Ja, erzählen Sie uns doch etwas über Ihren Werdegang.

Krebs: Als Kind wollte ich Zirkusdirektor und Schauspieler werden, sollte dann aber natürlich doch einen soliden Beruf ergreifen. Ich habe Koch und Patissier gelernt, dazu noch Hotel- und Restaurantfachmann. Eine simple Ansage bei einer Benefizveranstaltung brachte die Wende. Die große Brechtinterpretin Gisela May, einem breiteren Publikum durch die Fernsehserie "Adelheid und ihre Mörder" bekannt, die bei dieser Veranstaltung auftrat, ließ mich in ihre Garderobe kommen und erklärte mir, ich müsse Schauspieler werden. Tatsächlich habe ich daraufhin in Berlin mein Schauspielstudium absolviert, und mich nebenbei regelmäßig mit meiner künstlerischen Ziehmutter getroffen, mit der mich bis zu ihrem Tod im Dezember 2016 eine innige elfjährige Freundschaft verband. Sie hat mir auch die Liebe zur Moderation und zum Entertainment mit auf den Weg gegeben.

BZ: Ihre schauspielerische Tätigkeit hört sich ausgesprochen abwechslungsreich an, in Kritiken werden Sie aber vor allem immer wieder als Reinkarnation der früheren Entertainer gefeiert, und gleichzeitig nutzen Sie dieses Lob für Ihr soziales Engagement. Was tun Sie im Einzelnen?

Krebs: Ich liebe meinen Beruf nicht zuletzt wegen der Herausforderungen, die er immer wieder bietet. Beispielsweise habe ich auf der Europatour 2017 mit dem Beatles-Musical "All You Need is Love" meine Rolle für Paris auf Französisch gelernt. 2013 habe ich eine große Fluthilfe-Gala organisiert und moderiert für die Flutopfer im Elbe-Havel-Winkel. Seit Ende 2016 bin ich als Botschafter der Morbus Gaucher-Gesellschaft das Sprachrohr für Patienten mit dieser seltenen Stoffwechselerkrankung. Beim großen Presseball im Januar 2017 in Berlin beispielsweise habe ich moderiert, gesteppt, gesungen, alles im Smoking natürlich. Ich finde, die große Showtreppe, die leider in letzter Zeit ziemlich in Vergessenheit geraten ist, muss unbedingt wiederbelebt werden. Gerade ist mein neues Programm "Bühne, Kunst & KäseKuchen" angelaufen, quasi eine Hommage an meine Mentorin Gisela, mit Anekdoten, Liedern und Revue-Elementen. Ich will eine lebendige Moderation pflegen, aus dem Bauch heraus, die nicht von Kärtchen abgelesen wird, sondern spontan aufs Publikum eingeht. Mein Credo ist, auf der Bühne natürlich zu wirken.

BZ: Dass Sie das auch versuchen den Darstellern der Domfestspiele nahezubringen, merkt man, wenn man Sie bei ihren bisherigen Probeneinsätzen begleitet hat. Das wirft natürlich auch die Frage auf: Haben sie auch beruflich Ambitionen in Richtung Regieführung?

Krebs: Tatsächlich habe ich entdeckt, dass es richtig Spaß macht, den Akteuren zu helfen, sich in die Figuren hineinzufühlen. Ich finde ohnehin, es sollte nicht "Schauspieler", sondern "Schaufühler" heißen. Ich glaube, ich habe die Gabe zu spüren, was falsch ist, nicht passt, und ich erlebe, dass meine bilderreichen Erklärungen und auch die Anregung, sich an realen bekannten Beispielen aus der Schauspielszene zu orientieren, den Darstellern helfen, ihre Figuren zu finden.