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10. Dezember 2015

In Washington vermisst man Hinweis auf St. Blasien

Die Herkunft der Gutenberg-Bibel in der Kongressbibliothek ist nicht eindeutig ausgewiesen.

  1. Die Gutenberg-Bibel in Washington gehörte einst zum Schatz der Benediktiner in St. Blasien. Foto: Thomas Mutter

ST. BLASIEN. Für den Besucher der amerikanischen Hauptstadt Washington, zumal wenn er aus St. Blasien kommt, ist die Kongressbibliothek nahezu ein Muss. Schon das mächtige, in mehreren Bau- und Stilepochen hochgezogene und erweiterte Gebäude ist für den Betrachter bemerkenswert.

Darüber hinaus birgt die 1802 gegründete Bibliothek der beiden politischen Kammern des Kongresses der Vereinigten Staaten von Amerika einen unermesslich wertvollen Schatz, der die Domstadt jubeln ließe – wenn er noch hier wäre.

Die Rede ist von der berühmten 42-zeiligen, dreibändigen Gutenberg-Bibel aus Mainz aus dem Jahr 1455, einem von nur noch drei komplett existierenden, auf Pergament gedruckten Exemplare. Die St. Blasier Klosterforschung weist die "Anwesenheit" dieses in Washington gelandeten Exemplars in der Abtei-Bibliothek bereits für die Mitte des 16. Jahrhunderts nach.

Die weitere Geschichte ist immer wieder in Artikeln und Vorträgen in Erinnerung gerufen worden: Bei der Säkularisation und der daraus folgenden Vertreibung der St. Blasier Mönche ist dieses erste gedruckte, überaus wertvolle Buch gottlob mit in die Nachfolgeabtei St. Paul in Kärnten (Österreich) gezogen.

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Das dortige kleine Benediktinerstift sah sich nun um 1930 herum in höchster finanzieller Not und veräußerte in einem umfangreichen Gesamtpaket auch die "St. Blasier" Bibel an die Washingtoner Kongressbibliothek.

Der finanzielle Erlös rettete die Kärntner Abtei buchstäblich vor dem Ruin, die inzwischen 560 Jahre alte Kostbarkeit aus den Händen und der Werkstatt Gutenbergs verlieh seither der Bibliothek in der amerikanischen Hauptstadt Glanz, Ansehen und Zustrom.

Seit einiger Zeit wird die Bibel übrigens auffallender als in früheren Jahrzehnten präsentiert: In einer eigenen Vitrine in der Eingangshalle fesselt das Meisterwerk der Weltkultur sofort den St. Blasier Betrachter – aber natürlich nicht nur diesen. Der erklärende Begleittext lässt dann das Herz des "einstigen Besitzers" doch schneller schlagen: "Für fast 500 Jahre war die Bibel im Besitz des Benediktinerordens in dessen Klöster St. Blasius und St. Paul in Österreich."

Die eindeutig missverständliche Erklärung will, bei allem Respekt vor und bei aller Freude für die Nachfolgeabtei St. Paul, das St. Blasier Gemüt nicht erheitern. Hinter St. Blasius fehlt eben die Zuordnung St. Blasien im Schwarzwald/Deutschland.

Zumindest der Schwarzwald löst bei den Amerikanern klare und frohe Vorstellungen aus.

Autor: Thomas Mutter