Klassiker aufregend neu zum Klingen gebracht

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Di, 15. Mai 2018

St. Blasien

Mit dem Quartett "Passo avanti" ist das Schwarzwälder Musikfestival bei den Klosterkonzerten in St. Blasien zu Gast.

ST. BLASIEN. Ein Klosterkonzert ganz besonderer Art, das in die Reihe der gerade stattfindenden Konzerte des Schwarzwald-Musikfestivals eingebunden war, fand am Donnerstag im ausverkauften Kollegsfestsaal statt. "Kammermusik unlimited" nennt sich das Programm des Quartetts "Passo avanti", das eigene Adaptionen von klassischen Werken bietet. Das Publikum war von diesen Bearbeitungen so restlos überzeugt, dass es mit stehenden Ovationen reagierte und vehement Zugaben forderte.

Die beim Schwarzwald Musikfestival obligatorische kurze Einführung gestaltete der künstlerische Leiter der Klosterkonzerte, Michael Neymeyer, zusammen mit dem Gründer des Ensembles, Alexander von Hagke , der die Gäste darüber informierte, dass die Gruppe seit 2011 besteht und rund 30 Konzerte pro Jahr absolviert . Die Ensemblemitglieder kommen alle von der klassischen Musik her, haben aber auch eine Verbindung zum Jazz. Vom Oberhaupt der Gruppe erfuhr Neymeyer auch, dass die Stücke, die die Musiker im Repertoire haben, bei jedem Konzert etwas anders klingen. Die Musiker, die ohnehin alles auswendig spielen, lassen sich jeweils von den Räumlichkeiten und dem Publikum inspirieren und variieren die Stücke entsprechend in freier Improvisation.

So animierte Alexander von Hagke beispielsweise das Publikum dazu, den allseits bekannten Pachelbel-Kanon mitzusingen. Mit seinen Musikerkollegen streute er über diesem polyphonen Klangteppich als Grundstock nach Herzenslust schweifende swingende Melodiegirlanden und fetzige Jazzelemente ein.

Neben so unterschiedlichen Vorlagen wie dem mehrstimmigen Chanson "Mille regrets" des franko-flämischen Renaissancekomponisten Josquin Desprez, Suitensätzen und Arien aus der Barockzeit oder bekannten Melodien von Mozart über Verdi bis Ravel hatte "Passo avanti" auch zwei Eigenkompositionen ihres Ensembleleiters auf dem Programm, "Der Seeteufel" , die musikalische Beschreibung einer kulinarischen Urlaubsbekanntschaft, sowie "Summer in Skàne", eine wunderbar weich fließende Ballade, in der Alexander von Hagke zur Bassklarinette greift und im Wechsel mit Geiger Mario Korunic zu den sanften, ganz zart verstärkten Gitarrenarpeggien Vlado Grizeijs und dem gezupften Cello Eugen Bazijans eine ganz verträumte Melodie mit dezent eingestreuten Blue-Notes intoniert, die den lauen schwedischen Sommerabend geradezu fühlbar in den Raum bringt.

Nicht nur diese musikalische Sensibilität, nicht nur die Flexibilität im Umgang mit der Materie, indes zeichnet "Passo avanti" aus. Das Ensemble schafft es mit seiner überbordenden Spielfreude, Klassiker aufregend neu zum Klingen zu bringen, ohne dass diese ihres ursprünglichen Charakters beraubt werden. Ihr spritziger, musikalisch genialer Mix aus Klassik, gepaart mit Jazz-, Raggae- und Klezmeranklängen wird durch die lebendige Performance, die auch witzige Elemente mit Cellist Eugen Bazijans als "Klassenclown" durchaus einschließt, noch vervollkommnet.

Und nicht zuletzt ist jeder dieser vier Musiker ein ausgezeichneter Virtuose auf seinem Instrument. Kein Wunder also, dass die Stimmung im Saal am Ende beinahe der des traditionellen Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker glich, nicht nur aufgrund der hinreißend gespielten Zugaben, Tritsch Tratsch Polka und Radetzkymarsch eingeschlossen.