Meisterliche Musiker

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Sa, 21. April 2018

St. Blasien

Kammersolisten Minsk spielen im Festsaal des Kollegs.

ST. BLASIEN. Die Kammersolisten Minsk unter Leitung von Dimitri Subow spielten im Festsaal des Kollegs Haydn, Johann Christian Bach und Franz Xaver Richter. Dass die sechs Instrumentalisten dabei auch sinfonische Werke für großes Orchester darboten, zeigte ihr meisterliches Können, aber auch die gängige Praxis aus der Entstehungszeit der Werke, Kompositionen mannigfaltig zu bearbeiten, um sie mehrfach einem interessierten Publikum vorführen zu können.

Ein solcher genialer Bearbeiter war Johann Peter Salomon, der als Impresario Haydn nach London vermittelt hatte und im Gegenzug seine dort entstandenen Sinfonien für eine Kammermusikbesetzung umschrieb. Was aus solch einer Besetzung an orchestralem Klang herauszuholen ist, demonstrierten die Kammersolisten Minsk eindrücklich mit Querflöte, zwei Geigen, Bratsche, Cello und Cembalo anhand von Haydns Sinfonien mit Beinamen "Die Uhr" und "Salomon". Dabei ließen sie dank teilweise historischer Instrumente wie einer weich-samtig klingenden Holzflöte einen gediegenen Mischklang hören, der nur durch das zarte Zirpen des den Basso continuo bewerkstelligenden Cembalos noch eine zusätzliche Klangkomponente erhielt. Dem bravourös interpretierten ersten Satz der "Uhr" folgte ein wie für Kammermusik gemachtes zierliches Andante, in dem die Melodielinie der ersten Geige durch hauchfeine Pizzicati der zweiten Geige und des Cellos getragen wurde. Diesem anmutigen Tändeln setzte der zweite Teil des Satzes kontrastiv markante, akzentreiche Bewegung entgegen, um mit zweimaliger Wiederaufnahme des Charakters vom Satzanfang vergnüglich zu schließen. Dem zupackenden, mit aparten auskomponierten Echoeffekten angereicherten Minuetto stellte sich die sanft fließende Flötenmelodie des Trios entgegen, das rondoartig aufgebaute Finale schließlich ließ in seiner aufkeimenden Dramatik bereits Beethoven’sche Schlusswirkungen erahnen.

Haydn eröffnet seine letzte Sinfonie, mitunter mit Beinamen "Salomon" versehen, mit wiederholtem Rufgestus, der, jeweils nach Moll umgedeutet, zur flehentlichen Bitte gerät. Ganz unerwartet gebiert diese ernste Einleitung ein heiter aufgeräumtes Allegro-Thema, das im weiteren Satzverlauf dramatisch Fahrt gewinnt, ohne seine Heiterkeit einzubüßen. Das als Variationensatz angelegte Andante setzt die Bearbeitung "Salomons" sehr lebendig um in Form stark differenzierter Stimmführungswechsel von einem Instrument zum anderen. Das recht flott gehaltene Minuetto, gepaart mit an Vogelrufe gemahnenden Akzenten und frech wirkenden kurzen abrupten Pausen, hat beinahe schon Scherzocharakter. Das Finale beginnt mit einer liedhaften Melodie in der ersten Geige, dessen Begleitung der Sinfonie manchmal auch den Beinamen "mit dem Dudelsack" einbrachte. Kurze neckische Phrasen wechseln sich in der Folge mit langgezogenen melodischen Linien ab, der Satz mündet in ausgelassenem Aufspielen.

Eingebettet in die beiden Haydn-Sinfonien erklang ein kurzes, zweisätziges Flötenquintett des jüngsten Bach-Sohns, in dem Flöte und Streicher um die Wette tirilieren konnten, sowie ein dreisätziges Flötenkonzert des mehrheitlich der Mannheimer Schule zugerechneten Komponisten Franz Xaver Richter.

Den ersten Satz dieses Konzerts gestaltete die Flötistin hochvirtuos und charmant zugleich, die dezenten Begleitstimmen nutzten ihre Tutti-Zwischenspiele, um auch hier orchestrale Qualitäten zu demonstrieren. Eine aparte, auf den empfindsamen Stil verweisende Bereicherung der Klangfarbe stellte das "Andantino" dar, das mit gedehnten Vorhalten, aufsteigender Chromatik und auf langgezogene Hochtöne hin zielenden Linien Sehnsucht pur evozierte. Die kurzen, markanten Phrasen des Schlusssatzes dagegen wirkten eher wie eine wieselflinke Rückbesinnung auf Stimmführungstechniken des Barock.

Den anhaltenden Applaus des Publikums quittierten die Kammersolisten Minsk mit einem auch ohne Pauken äußerst wirkungsvollen Andante aus Haydns Sinfonie "Mit dem Paukenschlag" als Zugabe.