Rauschende Wellen und klingende Glocken

Margrit Matyscak

Von Margrit Matyscak

Sa, 14. Oktober 2017

St. Blasien

Pianist Alexander Krichel begeistert im Festsaal des Kollegs St. Blasien seine Zuhörer.

ST.BLASIEN. Zum wiederholten Male rief der Pianist Alexander Krichel im Festsaal des Kollegs St. Blasien Begeisterungsstürme hervor. Der 28-Jährige interpretierte Ravel, Beethoven und Gershwin. Der ausverkaufte Festsaal spendete Beifall in jedmöglicher Form einschließlich Bravorufen.

Krichel eröffnete den Abend mit Ravels Miroirs (Spiegelbildern). Die fünf Sätze boten ihm Gelegenheit, seine Virtuosität offen zu legen. Gleich der erste Satz, Nachthall (Noctuelles), wurde unter seinen Händen zum Feuerwerk der Läufe und Arpeggien. Sie gingen in eine Art Träumerei über, um mit furiosen Tempi zu schließen.

Der zweite Satz, Oiseaux triste (Traurige Vögel), begann im oberen Klangbereich und wurde dann in die gesamte Klaviatur übernommen, um sich im weiteren Verlauf auf die Mittellage zu beschränken. Alexander Krichel spielte auswendig. Sein inneres Auge schien die Noten zu sehen und unmittelbar auf die Tastatur zu übertragen.

So rauschten die Wellen des dritten Satzes, Ozean (Une Barque de l’ocean), dahin und wurden von einer gleichbleibenden, ständig wiederholten Terz strukturiert. Der vierte Satz, Morgenlied des Schwans (Alborada del graciosos), bestach durch seine stark differenzierten Dynamik. Der ruhigste und gleichförmigste Satz war der letzte, das Lied der Glocke (La Vallée des cloches). Das gesamte Stück faszinierte und rief Bravorufe aus dem Publikum hervor.

Beethovens Sonate Nr. 17 d-moll, op 31 Nr. 3 eröffnet im ersten Satz, Largo allegretto, mit aufgefächerten Arpeggien und Läufen. Krichel malte die Kantilene aus. Im zweiten Satz, Adagio, vereinzeln die Kantilenen. Der Satz fließt wie ein einziges Lied dahin. Im dritten Satz, Allegretto, werden sehr rasche Arpeggien von Kantilenen unterbrochen. Der erste und zweite Satz werden somit zusammengefasst.

George Gershwins Rhapsodie in Blue ist ein Ohrwurm. Unter Krichels besonderen Dynamik erhielt er ein neues, attraktives Gesicht. Die Zuhörer schienen die Luft anzuhalten, um keinen Ton zu versäumen. Wenn es einer Steigerung der Virtuosität bedurft hätte, dann wäre sie hier gegeben.

Vier Stücke von Ravel, Ondine, Le gibet und Scarbo, beendeten das offizielle Programm. Im ersten Stück lagen sehr hohe Arpeggien über mittleren Kantilenen. Im zweiten Stück wurden Arpeggien und Kantilenen von einem gleichbleibenden Uhrschlag strukturiert. Das dritte Stück war das spannendste und dynamischste.
Krichel hat trotz seiner Jugend bereits mit fast allen bekannten Orchestern der Welt konzertiert. Seine Diskografie umfasst Werke von Mozart bis Rachmaninow, alle von den Kritikern gefeiert. Als gefragter Solokünstler gab Alexander Krichel vergangene Saison sein Debüt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie Hamburg. Dass er immer wieder nach St. Blasien kommt, ist der Schönheit des Raumes und seiner Akustik zu danken.