Aufräumarbeiten

Schäden nach Hochwasser in Menzenschwand größer als 1990

Christiane Sahli, Sebastian Barthmes

Von Christiane Sahli & Sebastian Barthmes

Fr, 05. Januar 2018 um 17:28 Uhr

St. Blasien

Hinter Menzenschwand liegt eine anstrengende Nacht, dramatische Stunden hinter den Anwohnern. Das Aufräumen hat begonnen. Eins steht fest: Die Schäden sind größer als beim Hochwasser 1990.

Eine unruhige Nacht hatten zahlreiche Einwohner des Menzenschwander Hinterdorfes. Am Freitag gegen 21 Uhr mussten sie wegen eines drohenden Erdrutsches evakuiert werden. Nachdem mehrere Versuche gescheitert waren, das Wasser von den Häusern weg zu lenken, konnte am frühen Morgen endlich eine Erdsperre aufgeschüttet werden.

Am Morgen kehrten die Bewohner in ihre Häuser zurück – und mit ihnen viele Helfer. Zahlreiche Menzenschwander hatten sich mit Traktoren, Baggern, Schubkarren, Schaufeln oder ganz einfach mit ihrer Muskelkraft eingefunden, um sich an den Aufräumarbeiten zu beteiligen - ein eindrucksvoller Beweis der Hilfsbereitschaft, wie viele Betroffene erfreut feststellten. In Gemeinschaftsarbeit wurde Schutt entfernt, Wege zu den Haustüren freigelegt, Abflüsse von Verstopfungen befreit.



Schon in den vergangenen Tagen habe sie aufgrund des Dauerregens befürchtet, dass ein nahegelegener Hang abrutschen könnte, schilderte Anwohnerin Elisabeth Kaiser. Die Gefahr kam aber aus einer anderen Richtung. Ein, wie Polizeisprecher Dietmar Ernst sagte, idyllischer Bach hatte sich in einen reißenden Sturzbach verwandelt und Steine, Geröll und Schlamm mit sich gerissen. Diese blockierten eine Brücke am oberen Teil des Schwarzbergweges, so dass die Wassermassen samt Geröll einen anderen Weg suchten. In kurzer Zeit beschädigten sie den Weg schwer, alle Versorgungsleitungen wurden freigelegt, Keller überflutet.

Bald in der Nacht war klar: Die Leute müssen raus

Es war klar: die Gefahr ist zu groß, die Leute müssen raus. Feuerwehrleute, begleitet von Polizeibeamten, informierten die betroffenen Menschen – neben Einheimischen mussten auch etliche Feriengäste sofort evakuiert werden. Die Feuerwehrkräfte halfen den Betroffenen durch den Bach, der die Hinterdorfstraße fast unpassierbar machte, sie trugen Kinder und Koffer, stützen ältere Menschen.



Im Gasthaus Birkenhof sammelten sich die Evakuierten. Später wurden sie in weitere Hotels im Ort oder bei Verwandten untergebracht. Ika Pillmannn, Wirtin des Birkenhofes, hatte ihre unfreiwilligen Gäste in der Gaststube und im eigenen Wohnzimmer untergebracht. Dort versorgte sie auch Feuerwehreinsatzkräfte.

Dem Einsatz eines jungen Menzenschwanders, der mit einem eigenen mobilen Schreitbagger die blockierte Brücke freigeräumt und so dem Wasser einen anderen Abfluss ermöglicht habe, sei zu verdanken, dass nicht mehr passiert sei, sagte der Polizeisprecher. Für viele Menzenschwander ist der 20-jährige Yannic Kaiser daher, wie sie sagten, der Held des Tages. Das Lob eines Anwohners galt aber auch den Einsatzkräften von Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks, der Bergwacht, der DLRG und der Polizei (es waren unter anderem Einsatzkräfte der Polizei aus Lahr, Göppingen und Umkirch vor Ort).

Das Wasser stieg von Minute zu Minute

Es sei großartige Arbeit geleistet worden, sagte Elisabeth Kaiser. Für sie hatte sich gegen 20 Uhr abgezeichnet, dass sich die Lage verschärfen wird. Inzwischen war ihr Garten überflutet, das Wasser stieg von Minute zu Minute. Gegen 21 Uhr erfolgte dann die Evakuierung. Viele Stunden war auch der Kommandant der Feuerwehrabteilung Menzenschwand, Andreas Spitz, bereits wegen vollgelaufener Keller im St. Blasier Ortsteil unterwegs, als ihn seine Frau am späten Abend anrief. Das eigene Haus stand plötzlich mit einigen anderen Häusern am Schwarzbergweg im Mittelpunkt des Geschehens.

Ein beunruhigendes Geräusch hatte die nahenden Wasser- und Geröllmassen angekündigt. Auf der gegenüberliegenden Talseite war schon zuvor eine Mure abgegangen, die den Weg zum Geißenstall blockiert, sagte Spitz, dort wurde aber niemand gefährdet.

Die Berwacht zeigt das ganze Ausmaß des Hochwassers von oben.



In wenigen Minuten stieg das Wasser in der eigenen Garage und weiteren Kellerräumen seines Hauses. Die Nacht habe wieder einmal gezeigt, welche Kräfte in der Natur herrschen, sagt Spitz, während er weiter Erde vom Weg wegschaufelt. Auf der anderen, tiefergelegenen Hausseite, sind weitere Familienmitglieder damit beschäftigt, den Keller und den Vorplatz zu reinigen. Auch bei den Nachbarhäusern wurden die Helfer von etlichen Radladern unterstützt. Maschinenkraft war auch nötig, um ein Auto, das im Geröll feststeckte, zu befreien.

Wassermassen kippten Ölfass um

Der Keller das Hauses von Elisabeth Kaiser war nicht nur vollgelaufen, auch ein Öltank war umgefallen und ausgelaufen. Das ganze Haus roch penetrant nach Heizöl und auch der Garten war mit ölverschmierten Schlamm bedeckt.

Der Schaden sei größer als beim Hochwasser im Jahr 1990, sagte Ortschronist Michael Ehlert. Denn damals habe es zwar mehrere Erdrutsche gegeben, betroffen gewesen seien jedoch überwiegend Waldwege. Derartige Schäden habe es seines Wissens nach in Menzenschwand noch nie gegeben.

Die im zerstörten Schwarzbergweg freigelegte Wasserleitung hatte sich am Freitagvormittag wieder gesenkt, sie war wieder dicht. Dennoch müsse das Wasser wegen Verunreinigung in den kommenden Tagen nach Informationen des Wassermeisters abgekocht werden, sagte Polizeisprecher Ernst. Auf alle Fälle müsse die Leitung, wie auch der gesamte Weg in diesem Jahr erneuert werden. Nachdem aber auch der Stromnetzbetreiber grünes Licht gegeben hatte, wie Ingenieur Hans-Jörg Meier wusste, konnte der Graben mit den Leitungen provisorisch wieder zugeschüttet werden.

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