Wiener Charme beim Klosterkonzert

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Mo, 18. Juni 2018

St. Blasien

Das "Concilium Musicum Wien" begeistert mit einem Programm von Haydn bis Strauss.

ST. BLASIEN. "Tanzmusik aus dem kaiserlichen Wien" stand auf dem Programm der Klosterkonzerte, und das Publikum strömte. Tatsächlich bot das "Concilium Musicum Wien" unter der Leitung von Christoph Angerer einen charmanten, spritzigen, mit Witz und Spielfreude dargebotenen Reigen von Haydn, Beethoven, Mozart und Schubert über Joseph Lanner und Johann Strauß Vater bis Johann Strauss Sohn.

"Imperiale Unterhaltung aus zwei Jahrhunderten" lautete der Untertitel des Konzertes, und es war spannend mitzuverfolgen, wie sich die Stücke vom galanten Ton eines zeremoniellen Festes bei Hof nach und nach mehr zur orchestral aufgefüllten Prunkveranstaltung wandelten. Dabei blieb die Struktur der einzelnen Stücke entsprechend ihres Tanzcharakters eher einfach und prägnant, mit kurzen, sich jeweils einprägsam wiederholenden Phrasen, klarer Gliederung und kleinen, aber durchaus höchst wirkungsvollen Effekten wie der spannungsvollen Verzögerung des Anfangstones, einem Akzent auf dem Phrasenschluss oder dem gezielten Einsatz von Schellen und Triangel, im Falle des "Consilium Musicum Wien" übernommen von Harfenistin Silvia Radobersky.

Die zunächst etwas ungewohnt erscheinende Besetzung des seit 1982 bestehenden Ensembles, das neben zwei Geigen (Christoph Angerer und Milan Nikolic), Bratsche (László Ábrahám), Cello (Bernhard Aichner), Kontrabass (Damián Posse), Flöte (Robert Pinkl) und eben Harfe auch zwei Hörner (Marcus Schmidinger und Karl Bichler) beinhaltet, erwies sich als interessantes Hörerlebnis. Wuchsen sich die Hörner bei Haydn und Mozart bereits zu einem veritablen melodischen Gegenpart aus, so durften sie bei den vom Ensemblegründer und Vater des jetzigen Leiters Paul Angerer arrangierten Schubertwalzern auch schon mal allein die Führungsstimme übernehmen. Bei der Straußdynastie schließlich sorgten sie für prägnante rhythmische Einwürfe und fanfarenartige Schlusssteigerungen.

Auch die fließende Grazie der Flöte wurde gezielt eingesetzt, so dass die Kontrastwirkung noch verstärkt wurde, wenn sie dann im Gegenzug an Stellen mit frechem Springbogen oder spitzen Pizzicati der Streicher schwieg. Die Harfe, bei Lanner und Strauß mit ihren typischen Arpeggien zu hören, unterstützte bei den Klassikern durch ihr Akkordspiel das von Cello und Kontrabass gelieferte unumstößliche und für den Tanzcharakter wichtige harmonische wie rhythmische Fundament.

Die von Haydn, Beethoven und Mozart interpretierten Kontretänze entsprechen einer im 18. Jahrhundert beliebten Form des Gesellschaftstanzes, der noch keinen individuellen Paartanz darstellt, sondern aus sich in Linien gegenüberstehenden Paaren aufgebaut ist. Dabei machten sich im dritten der Haydn’schen Tänze Assoziationen an Passagen aus der "Entführung aus dem Serail", und bei Beethoven solche an die Musik des Papageno aus der "Zauberflöte" bemerkbar, was weniger als verstecktes Zitat als vielmehr als Hinweis auf den spielerischen Charakter dieser Musik gelten kann. Dagegen ist der Anklang der von Schumann am Ende seiner "Papillons" zitierten Volksliedmelodie "Und als der Großvater die Großmutter nahm" bei den Schubertwalzern ebenfalls fast zum Mitsingen echt.

Während bei Joseph Lanners "Schönbrunner Walzer" die Grazie der fließenden Flötenmelodik in aparten Gegensatz tritt zum auftrumpfenden Hörnerfinale, punktet Johann Strauß Vater bei seiner "Salon-Polka" mit spritzig-frechen Phrasenschlüssen in den Streichern und flott-fröhlichem Springbogen beim "Gibellinen-Galopp", der die Zuhörer außerdem durch eine abrupte Generalpause überrascht.

Geigenschmelz breitet sich aus bei der Polka mazur "Aus der Heimat" von Johann Strauß Sohn, während die "Diplomaten-Polka" mit einem unbeschwerten Frage-Antwort-Spiel aufwartet und die "Jux-Polka" auf ausgiebiges Triangel-Geklingel und weit ausgreifende Harfenglissandi setzt. Am Ende bewiesen die neun Musiker beim gefühlvoll ausgekosteten "Wiener Blut", dass sie spielend ein großes Orchester zu ersetzen in der Lage sind, und als vom begeisterten Publikum vehement geforderte Zugabe erklangen dann noch die "Sensationsnachrichten" von Carl Michael Ziehrer – eine Polka, schnell, und damit als Rausschmeißer bestens geeignet.