Gemeinsam gegen Barrieren

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 27. September 2017

St. Märgen

Netzwerktreffen der Kommunalen Inklusionsvermittler des Landkreises in St. Märgen.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Seit Herbst 2015 arbeiten in 14 von 50 Landkreisgemeinden sogenannte Kommunale Inklusionsvermittler (KIV). In St. Märgen hat jetzt ein Netzwerktreffen der KIV aus der eigenen Gemeinde sowie aus Gundelfingen, Kirchzarten, Löffingen, Stegen, Neuenburg und Schallstadt stattgefunden. Sie haben Erfahrungen und Erfolge ausgetauscht und festgehalten, woran es in vielen Gemeinden noch fehlt.

Unter dem Slogan "Bewegung für Inklusion" wurde 2014 ein von der Akademie Himmelreich initiiertes und ausgearbeitetes Projekt zur Umsetzung von Inklusion im Alltag der Kommunen in der Praxis realisiert. Die Akademie fungierte als Projektträger und qualifizierte 17 aus den Kommunen benannte Personen zu KIV. Landesmittel, Eigenmittel des Projektträgers und Kostenbeteiligungen der Kommunen finanzierten das Projekt für eine Laufzeit bis Juni 2017.

Nach Ablauf des Projektzeitraums hat sich die kommunale Behindertenbeauftragte des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, Anke Dallmann, der Sache angenommen und die Koordination und Teilfinanzierung bis zum Jahresende gesichert. Mit ihr haben sich auch alle kommunalen Verwaltungen, in denen KIV arbeiten, für eine Weiterführung ausgesprochen und bezahlen nach wie vor die Vergütung der KIV auf 450-Euro-Basis. Ziel ist, bis Ende Dezember über eine positive Entscheidung des Kreistages den bisherigen, zeitlich begrenzten Projektstatus zu überwinden und nachhaltige, flächendeckende Strukturen für die Arbeit der Inklusionsvermittler zu etablieren.

Beim Netzwerktreffen unter Teilnahme von Anke Dallmann stand der Berichts- und Erfahrungsaustausch über die Aktivitäten in den einzelnen Orten im Mittelpunkt. In manchen Orten gibt es regelmäßige Sprechstunden der KIV und in allen Kommunen wurden mehr oder weniger umfangreiche Barrierefreiheits-Checks durchgeführt. Dabei stellte sich bald heraus, dass die Mängel bei rollstuhlgerechten Wegen oder den Zugangsmöglichkeiten zu Gebäuden oder nicht geeignete Sanitäreinrichtungen nur einen Teil der Defizite für eine gleichberechtigte Teilhabe von behinderten Menschen am gesellschaftlichen Leben ausmachen.

Wie können sich Blinde oder Gehörlose in Mediatheken zurechtfinden oder wie kommen sie bei längerem Stromausfall, wie in Gundelfingen passiert, an die wichtigen Informationen? Für Letzteres gibt es durch die Initiative der KIV nun eine Whats-App-Gruppe.

Weiterhin fehlt es überall an Gebärdendolmetschern bei Behördengängen, Bürgerveranstaltungen oder Sprechstunden. Antragsformulare oder Erläuterungen zu Wahlvorgängen liegen kaum oder gar nicht in einfacher oder der genormten "Leichten Sprache" vor und die Webseiten der Kommunen sind aus demselben Grund auch nicht barrierefrei. Die Liste wäre noch lange fortzusetzen.

In allen Orten konnten die KIV in Zusammenarbeit mit den Verwaltungen und Gemeinderäten viele Verbesserungen an Leitsystemen, Beschilderungen, Parkplätzen, als Berater bei geplanten Neubauten oder als Initiatoren von Selbsthilfegruppen erreichen. Weitgehend unbefriedigend ist nach wie vor die ÖPNV- und allgemeine Mobilitätssituation, aber auch hier gibt es mit Bürgerbus oder Mitfahrgelegenheits-Organisation positive Ansätze. Für enorm wichtig halten die KIV die Aufklärung in der Bevölkerung, um das allgemeine Problembewusstsein für die Belange von Behinderten zu schärfen. Gute Erfahrungen wurden im Hinblick darauf mit Parcours-Veranstaltungen in den Ortskernen gemacht, bei denen die Bürger selbst hautnah Handicap-Erfahrungen machen konnten. Alle waren sich einig, dass noch viel zu tun sei und die bisherige erfolgreiche Arbeit der KIV fortgesetzt und noch auf die übrigen Gemeinden ausgeweitet werden müsse.