"Arle" bricht auf dem Badweiher das Eis

Christian Ringwald

Von Christian Ringwald

Mi, 17. August 2016

St. Peter

Modell-Schiff-Kapitäne St. Peter und Kollegen lassen wahrhaftige Raritäten zu Wasser / Vereinsvorsitzender ist Friedhelm Wölker aus Waldkirch.

ST. PETER. Zum 26. Mal luden die Modell-Schiff-Kapitäne St. Peter (MSK) am Wochenende zum Badweiher-Hock ein. Bei diesem Treffen zeigten Modell-Schiff-Kapitäne aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ihre Kostbarkeiten; so ist das Klosterdorf im Hochschwarzwald alljährlich ein wahres Mekka der Modellschiffbauer. Rund 150 Teilnehmer präsentierten auf und rund um den Badweiher mehr als 300 Modellschiffe.

Der 1988 gegründeten Verein "Modell-Schiff-Kapitäne St. Peter" zählt etwa 35 Mitglieder, die sich alle dem Schiffsmodellbau verschrieben haben. Ein Großteil der Mitglieder kommt aus der Region rund um Freiburg, der Verein hat aber auch Mitglieder aus dem Raum Basel, wie Vorsitzender Friedhelm Wölker im Gespräch mit der Badischen Zeitung erläuterte. Welches Schiff die einzelnen Mitglieder bauen (wollen), bleibt ihnen selbst überlassen; entsprechend vielseitig war die Palette, die am Wochenende auf dem Badeweiher präsentiert wurde.

Da waren Schiffchen zwischen etwa 15 Zentimeter bis zu vier Metern dabei; so groß wie der Unterschied bezüglich der Größe, so groß auch die Spannweite bezüglich des Werts der einzelnen Modelle. Eines der größten Modelle gehört Hanno Niesler aus Bochum. Sein Eisbrecher "Arle" im üblichen Maßstab von 1:30 hat eine Länge von 1,64 Metern und bringt stattliche 54 Kilogramm auf die Waage. Mehr als sieben Jahre hat der Industrieelektriker aus dem Kohlenpott an seiner "Arle" gebaut und in dieser Zeit mehr als 5000 Stunden Arbeit und rund 13 000 Mark in Material investiert; Versicherungswert: 26 000 Euro. Erstmals wurde der Eisbrecher beim Badeweiherhock 2003 in St. Peter zu Wasser gelassen.

Eine Rarität ist die "Gorch Fock". Der Nachbau des bekannten Schulschiffs kann selbständig segeln. Damit die Segel immer richtig im Wind stehen, hat der Schiffsbauer und Inhaber 19 Motoren eingebaut. Nach dem Winter – während dieser Jahreszeit ruht der Schiffsverkehr, nicht aber das Vereinsleben – liege die größte Schwierigkeit darin, sich wieder in die Bedienung, so der "Kapitän", einzufinden. Gesteuert werden alle Modelle per Funk über eine Fernbedienung.

Eine Besonderheit der St. Petermer Anlage ist der Hafen mit seinen Ausmaßen von rund 35 auf 15 Metern. Die Hauptstege sind massiv und somit ganzjährig. Zum jährlichen Hock wird er allerdings mit schwimmenden Pontons erweitert und mit Modellen bestückt. Allein mit dem Aufstellen der Modelle sind mehrere Vereinsmitglieder – mit viel Liebe zum Detail – einen ganzen Tag lang beschäftigt. Und wie realitätsnah die Modellfreunde unterwegs sind, zeigt sich auch dadurch, dass am Samstagabend selbst nachts Betrieb im Hafen und auf dem gesamten See war.

Die Teilnehmer zeigten ihre Schiffe nicht nur auf dem Wasser, sondern präsentierten sie auch in extra aufgebauten Zelten rund um das Clubhaus. Die größeren Vereine – beispielsweise der Modellbauer aus München – hatten eigene Zelte dabei, in einem Gemeinschaftszelt bot der Verein aber allen Gästen die Möglichkeit, ihre Schätze zu präsentieren. 99 Prozent haben einen Elektromotor, ein paar werden aber auch mittels einer Dampfmaschine angetrieben. Verbrennungsmotoren sind allerdings nicht zulässig.

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