Eine Reminiszenz an die großartige 900-Jahr-Feier

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Sa, 18. August 2018

St. Peter

Ausstellung des Heimatgeschichtlichen Arbeitskreises St. Peter.

ST. PETER. Die Gemeinde St. Peter datiert ihre Gründung mit dem Jahr 1093, als Mönche aus dem ehemaligen Kloster Weilheim/Teck von Berthold I. von Schwaben aus dem Zähringer Adelsgeschlecht auf den Schwarzwald umgesiedelt wurden. Die Klostergründung in St. Peter war ein Baustein der Festigung der Machtergreifung der Zähringer im Breisgau, die mit deren Truppeneinfall 1079 begann, in deren Verlauf die Burg Wiesneck zerstört wurde und als Sitz der neuen Machthaber die Burg Zähringen errichtet wurde. Wie das Leben vor diesem okkupatorischen Akt auf den Höhen von St. Peter aussah, ist noch weitgehend unerforscht. 900 Jahre später feierte die Hochschwarzwaldgemeinde 1993 ein ganzes Jahr lang dieses Jubiläum mit über 70 Veranstaltungen, deren Höhepunkt ein riesiger Festumzug am 4. Juli 1993 markierte. 25 Jahre später erinnert der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis im Pfarrsaal an dieses spektakuläre Ereignis.

Recherchen in den einschlägigen Archiven

Leopold Rombach als Moderator begrüßte zunächst drei der Hauptinitiatoren der damaligen Feierlichkeiten und erteilte zunächst dem ehemaligen Bürgermeister Gottfried Rohrer das Wort. Laut Rohrer begannen die Vorbereitungen bereits 1984, als er den damaligen Grundbuchschreiber Klaus Weber auf seine Dienstfahrten nach Stuttgart mitnahm, damit dieser in den einschlägigen Archiven in Dokumenten stöbern und Forschungen zur Geschichte St. Peters anstellen konnte. 1986 organisierte der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis eine erste Ausstellung, 1988 wurde das Organisationskomitee gegründet und Wolfgang Mecklenburg zu dessen Koordinator bestimmt, der durch 30 Helfer unterstützt wurde. 1989 gab es ein Treffen mit Delegationen aus den anderen Zähringerstädten in Deutschland und der Schweiz, die als Beitrag zu den geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten ihre in Mosaikform gestalteten Wappen zur Anbringung am Bertholdsbrunnen sponserten.

Rohrer lobte als Basis für das Gelingen des Festjahres die überwältigende Gemeinschaftsleistung der Vereine, Gruppierungen und Einzelpersonen aus St. Peter. Koordinator Wolfgang Mecklenburg konkretisierte dieses Engagement anhand des umfangreichen Veranstaltungskalenders, aus dem er den Tag der Benediktiner, die Israel-Reise inklusive Besuch des Berges Sinai mit Bezug auf die 900-jährige Geschichte des christlichen Glaubens in St. Peter und die frühgeschichtliche Tagung hervorhob.

Hans-Otto Mühleisen bezeichnete es als Jahrhundertereignis, dass es für eine Ausstellung gelang, alle bekannten gut 200 historischen Handschriften aus St. Peter aus der Landesbibliothek und anderen Aufbewahrungsorten im Original nach St. Peter zu bekommen. Dafür musste er bei der Freiburger Uni geeignete Glasvitrinen besorgen. Wegen des hohen Sachwertes mussten diese rund um die Uhr bewacht werden, wobei die Feuerwehr den Nachtdienst besorgte. Die Ausstellung wurde während ihrer Dauer von mehr als 25 000 Menschen besucht.

Den zweiten Teil des Abends füllte ein einstündiger Zusammenschnitt der umfangreichen Filmaufnahmen von Peter Baudendistel und Kurt Bohl vom Festumzugs am 4. Juli 1993. Zuerst erschienen die Delegationen aus den Zähringerstädten Weilheim, Murten, Rheinfelden/Schweiz, Neuenburg, Thun, Bern, Bräunlingen, Fribourg, Freiburg und Villingen mit historischen Uniformen von Bürgerwehren, Ehrencorps, Spielmannszügen und Trachten. Dann folgten Bilder von Trachtengruppen aus zahlreichen Nachbarorten, wobei die vielen Kindergruppen auffielen, die es heute nur noch selten gibt. Der dritte Teil war Geschichtsbildern vorbehalten, wie dem Einzug Herzog Bertholds oder dem Wegzug der Mönche aus Weilheim. Besonders spektakulär: Ein Wagen mit einem riesigen originalgetreuen Modell der Barockkirche, gefertigt im Sägendobel. Abschließend kamen die alten heimischen Handwerke zur Geltung.

Die rund 80 Besucher erlebten einen beeindruckenden Rückblick auf die Feierlichkeiten, an denen die meisten selbst aktiv teilgenommen hatten. Auffallend jedoch: Der historische Rückblick richtete sich ausschließlich in positiver Sicht auf die Aktivitäten der herrschenden Obrigkeit aus Adel und Klerus, ein Fokus auf die Lebensbedingungen der niederen Stände fehlte gänzlich. Möglicherweise eine lohnende Zukunftsaufgabe für den Historischen Arbeitskreis.

"Zeit zu erinnern": Rückblick auf die 900-Jahr-Feier 1993 im Pfarrheim St. Peter. Ausstellung geöffnet am Samstag und Sonntag, 17. und 18. August, 17 bis 21 Uhr. An beiden Tagen, 20 Uhr, Dokumentarfilm über den Umzug und Brauchtumsveranstaltungen.