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20. Januar 2009 13:20 Uhr

Angelsportler im Dreisamtal

"Fische fangen ist nicht das Thema"

Der Angelsportverein Freiburg betreut rund 14 Kilometer Gewässer in Stegen. Dabei spielt die Biotoppflege eine große Rolle.

  1. Der Graureiher ist im Dreisamtal „generell kein Problem“. Foto: ulrich Kluge

STEGEN."Herr, lass mich fangen einen Fisch", so beginnt ein gutmütiges Spottgedicht auf den Angler in Form eines Stoßgebets, "und so groß sei diese Gabe, dass ich nachher in der Kneipe keine Not zu lügen habe". Passionierte Angler, wie die 550 Mitglieder des Angelsportvereins Freiburg unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Hanspeter Beil, wird diese Flachserei bei ihrem naturverbundenen Hobby wohl nicht stören.

Witze wie diese sind auf die "Kochtopffischer" gemünzt, die einst aus dem Wasser mehr holten, als sie den Gewässern zurückgaben. Heute ist das umgekehrt, wie aus den Einzelheiten des neu geschlossenen Pachtverhältnisses zwischen der Gemeinde Stegen und dem Angelsportverein hervorgeht.

Wiederum auf zwölf weitere Jahre wurden dem Verein der Eschbach mit dem Attental- und dem Wittentalbach sowie mit dem Steurental-, Maierdobel-, Wolfsgrund- und Scherlenzendobelbach verpachtet; insgesamt ein Gewässernetz von fast vierzehn Kilometer Länge. Ist hier ein bedeutendes Stück gemeindeigener Natur Verbandsinteressen geopfert worden oder kommen diese Fließgewässer in berufene Hände?

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Vertraglich wurde dem Verein die Gewässerhoheit übertragen, die konkret vorsieht, die Bäche zu pflegen und für einen umweltgerechten Fischbesatz zu sorgen. Der Ufersaum wird gepflegt und das Unterholz gelichtet. "Licht ist Leben", erklärt Beil.

Hege- und Pflegearbeiten entschärften im Laufe der Zeit das Verhältnis zwischen Angler und Natur im und am Wasser. Es geht nicht mehr ausschließlich um die Ausbeutung der Gewässer durch Fang, sondern hauptsächlich darum, ein Gleichgewicht zwischen Fischbesatz und natürlicher Umwelt zu erhalten. Die natürlichen Feinde der Fische jedoch blieben. Während der Graureiher im Dreisamtal "generell kein Problem" ist, wie Ingo Kramer vom Landesfischereiverband Baden betont, ist auch der Kormoran in der stadtnahen Region nach den Beobachtungen von Hanspeter Beil "kein Thema".

Dass eine so lange Pachtperiode von zwölf Jahren nötig ist, liegt in der Natur der Sache – in diesem Falle im Wachstumszyklus der vom Angelsportverein gepflegten, standorttreuen Bachforelle. Sie benötigt zunächst eine vierjährige Wachstumsphase, um ungefähr 24 Zentimeter groß zu werden. Der Besatz an Jungtieren hängt von optimalen Lebens- und Schutzbedingungen ab, die durch Vereinarbeit erst zu leisten sind: kühles und sauerstoffreiches sowie schnell fließendes Wasser ohne natürliche und künstliche Hindernisse.

Die Lachs-Wiederansiedlung im Rheingebiet ist ein Thema für sich und mit deutlichen Parallelen in Organisation, Biologie und Verbandsarbeit zur Vermeh- rung der Bachforelle und der Esche im Dreisamtal. Auch hierbei wird deutlich, dass "Fangen nicht das Thema ist", wie Beil erklärt. Jeder Fang wird statistisch erfasst und ausgewertet; das Resultat bestimmt die erneuten Besetzungsaktionen.

Der Wandel des öffentlichen Umweltbewusstseins veränderte im Laufe der Zeit auch die Arbeit des Angelsportvereins. Angeln als mentale Ausgleichstätigkeit schafft keine schweigsamen Einzelgänger, sondern zieht heute ganze Familien, insbesondere Jugendliche an. Positive Einstellung zur Natur anstelle von Prestige heischendem Jagdfieber besgtimmt heute das Anglerleben. Die Gewässer sind für alle da: für die Menschen, die Fische und die Reiher. Konflikte zwischen den unterschiedlichen Interessensträgern in unserer Gesellschaft sind zwar programmiert, aber alle sind bestrebt, die Kompromissmöglichkeiten noch besser als bisher in dem Bewusstsein auszuschöpfen, dass "Bäche mehr sind als Wasser und Steine".

Ulrich Kluge

Autor: Ulrich Kluge