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17. Oktober 2016

Vornamen und Herkunft bestimmen zumeist die Nachnamen

BZ-SERIE:Sprachwissenschaftler Konrad Kunze erläutert den Ursprung der häufigsten und typischsten Familiennamen in Stegen.

STEGEN. Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In einer BZ-Serie erklärt er, welche Wurzeln Namen haben, die im Breisgau häufig vorkommen. Heute geht es um die häufigsten und typischen Familiennamen in Stegen.

Von den bundesweit rund 3000 Personen namens Rombach wohnen die meisten in Freiburg, die zweitmeisten in Stegen (120). Der Name bedeutet "der aus Rombach", womit ein abgegangener Ort dieses Namens bei Bonndorf gemeint war, der ursprünglich Ronnbach hieß. Weit entfernt findet sich im Raum Aachen ein weiteres Rombach-Nest. Ein Zusammenhang mit den hiesigen Rombach ist nicht gesichert.

An zweiter Stelle in Stegen folgen die 59 Hug. Es handelt sich um eine typisch südalemannische Form des Rufnamens Hugo, die in Südbaden, im Südelsass und in der Schweiz konzentriert ist. Die meisten der deutschlandweit rund 5000 Hug wohnen in Freiburg, in Simonswald tragen 3,5 Prozent aller Einwohner diesen Namen, in Breitnau 2,9 Prozent. In Mittelbaden entspricht ihm der Familienname Huck, in Nordbaden und in der Pfalz Hauck, in Württemberg Haug. Verkleinerungsformen zu Hug sind die 280 Hüglin am Kaiserstuhl und die 800 Hügle ebendort und in den Gegenden am Bodensee. Dazu gehören auch die 2800 Hügel, viele davon in Nordbaden; sie haben nichts mit einem Hügel zu tun. Ebenfalls auf Rufnamen gehen die Familiennamen Wehrle (30) und Andris (29) zurück. Wehrle sind die Nachkommen eines Werner, den man zärtlich Wernle nannte, was zu Wehrle wurde. Andris ist eine südbadische Kurzform des Rufnamens Andreas, die hier etwa 700 Mal in Familiennamen vorkommt. In anderen Gegenden verbreitet und häufiger ist die Form Andres.

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An dritter, vierter und fünfter Stelle stehen in Stegen die Namen Schuler (51), Ketterer (38) und Scherer (36), die auch in St. Peter sehr häufig sind. An sechster Stelle folgen die 35 Schweizer, die auch in Wyhl, Bollschweil, Kirchzarten und Oberried zu den häufigsten Namen zählen. Vermutlich sind ihre Vorfahren nach dem Dreißigjährigen Krieg aus der Schweiz in den Breisgau gekommen und haben den Namen mitgebracht. Er ist in der Schweiz selbst sehr häufig und bedeutet "der aus der Stadt oder der Region Schwyz". Aus Gremmelsbach bei Triberg stammen die Urahnen der insgesamt etwa 400 Gremmelspacher, davon 34 in Stegen, viele auch in St. Peter und Freiburg, dazu einige Gremmelsbacher in Kirchzarten, Grammelspacher in Bollschweil und Gramelspacher in Staufen.

Von den insgesamt etwa 130 Wirbser wohnen die meisten in Stegen, die übrigen fast alle im Dreisam- und Höllental sowie in Eisenbach. Der Name bedeutet "der aus Worms", wurde früher Worm(b)ser, Wurm(b)ser oder Würm(b)ser geschrieben, daraus dann zu Würbser verkürzt und mit Wandel von ü zu i im südalemannischen Dialekt zu Wirbser. Die insgesamt etwa 3250 Zipfel sind einerseits in Thüringen und im Raum Kronach konzentriert, anderseits in Südbaden, und hier vor allem im Dreisamtal, in Stegen sind es 29 Personen. Es handelt sich um jemanden, der an oder in einem Zipfel wohnte, womit ein spitzes Flur- oder Waldstück, das Ende eines Tales oder Ähnliches gemeint war. Die 33 Läufer nehmen in Stegen die achte Stelle ein. Der Name bezieht sich auf Boten, die zu Fuß unterwegs waren.

Alle Teile der Namensserie unter badische-zeitung.de/nachnamen

Autor: Konrad Kunze