Hägelbergs Bioenergie interessiert Gäste aus Fernost

ssn, bz

Von ssn & BZ-Redaktion

Do, 05. Juli 2018

Steinen

Energie aus Bürgerhand hatte Japaner zu Besuch / Konzept einer "Energiewende von unten" ist spannend seit Fukushima.

STEINEN-HÄGELBERG (sn). Die Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 hat in Japan, das bis dahin sehr auf die Kernkraft setzte, für ein Umdenken bei der Energieversorgung geführt. Erfahrungen mit der Nutzung von erneuerbaren Energien sind aber dort so gut wie nicht vorhanden. Was liegt also näher, als sich Hilfe und Unterstützung von Fachleuten zu holen? So kam man auf das kleine Bioenergiedorf Hägelberg in Süddeutschland, das mit seinem Nahwärmeprojekt in Fachkreisen für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus Fachleuten, die alle nicht-politischen Organisationen angehören, machte sich daher von Japan auf die Reise in den Schwarzwald. Ihr großes Interesse galt dem von der Genossenschaft Energie aus Bürgerhand initiierten und umgesetzten Nahwärme-Konzept der Hägelberger. Die Gäste aus dem Lande Nippons fanden insbesondere auch die Tatsache spannend, dass alles ehrenamtlich und ohne die Federführung eines großen Energieversorgers umgesetzt wurde. "Wir möchten viel lernen", ließen die Mitglieder der Reisegruppe wissen. Wertvolle Übersetzungsdienste leistete Keiko Takeda-Bauer vom gleichnamigen Reiseunternehmen, die gemeinsam mit ihrem Mann Heinrich die Gruppe nach Deutschland geholt hat.

In der Waldschänke bekam die Gruppe einen Überblick über die Fundamente des Bioenergiedorfs und den Weg zur Bioenergiegemeinde. Zahlreiche Fotos wurden geknipst und alle Fragen, besonders zu den Themen Technologiekonzept, Unternehmensform und -kultur, Finanzierung, Glasfaser- und Schulprojekt sowie dem geplanten Energielehrpfad von den EABH-Verantwortlichen, dem Vorstandsvorsitzenden Manfred Ruf und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Rösch, erläutert und erschöpfend beantwortet.

Im praktischen Teil konnten die japanischen Gäste eine Baustelle Im Rebgarten, die Heizanlage im Dorfgemeinschaftshaus und die Technik in der Heizzentrale ansehen. Während des gemütlichen Teils wurde Dieter Hann den Gästen als Ideengeber des Projektes vorgestellt.

Sehr beeindruckt waren die Gäste von der Möglichkeit, mit Nahwärmekunden über Nutzen und Qualität der alternativen Energieversorgung in Hägelberg zu diskutieren. In Japan sei das Hägelberger Konzept – eine kleine Genossenschaft liefert Wärmeenergie– aber so nicht vorstellbar. Dort stünden staatliche Großunternehmen im Fokus. Größe gelte in Japan als ein Garant für Zuverlässigkeit und Versorgungssicherheit.