Internationale Kontakte bei Kartoffelsalat und Mandi

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 18. Juni 2018

Steinen

Beim ersten Tag der offenen Gesellschaft in Steinen knüpfen Menschen Kontakte, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen.

STEINEN. Beim ersten Tag der offenen Gesellschaft in Steinen sind am Samstag so viele Menschen gekommen, dass noch Tische und Stühle gebracht werden mussten. Organisatorin Christine Ableidinger-Günther ist mit dem Auftakt zufrieden. Die Einladung mitzufeiern ging auch an Geflüchtete und so hat sich eine bunte Gemeinschaft von Menschen aller Altersgruppen auf dem Marktplatz in Steinen zusammengefunden, um die Freiheit zu feiern, sich zu treffen und auszutauschen. Dass explizit auch Flüchtlinge eingeladen worden sind, war auch eine kulinarische Bereicherung: Zum Kartoffelsalat reihte sich etwa Mandi, eine syrische Reisspeise mit Raucharoma, orientalische Fleischbällchen in einer Tomatensoße oder orientalische Süßspeisen. Zum wiederholten Male wurde erklärt, wie nun das Raucharoma in den Reis kommt. Dann wurden die Geschichten der Menschen wichtig, nicht nur die der Gerichte.

Maryam Henara beispielsweise: Sie freut sich, hier neue Leute kennenzulernen. Seit 2015 ist sie in Steinen, kam aus Damaskus, hat hier den Realschulabschluss gemacht und fängt im September ihre Wunschausbildung an – Erzieherin will sie werden. "Ich mag Kinder", sagt sie. Auch Peter Focke aus Inzlingen findet die Idee des spontanen Nachbarschaftsfestes gut. Feste uferten heutzutage gerne aus. "Man meint einen Caterer beauftragen zu müssen, dabei sind die selbstgemachten Dinge aus der eigenen Küche besser und unkomplizierter." Helen Hughes wiederum schimpft auf ihr Herkunftsland: Seit Sommer hat die Engländerin auch einen deutschen Pass. In Steinen lässt sie sich von einer Familie aus dem Iran Bilder zeigen und fragt nach, wie es ist, dort zu konvertieren.

Issa Alaji wiederum kommt aus Aleppo, jetzt lebt er mit seiner Mutter und seinem Bruder im Gästehaus Pflüger in einem Zimmer. In zwei Jahren will der 18-Jährige auf dem Wirtschaftsgymnasium Abitur machen. Es sei schon schwierig in der räumlichen Situation, doch noch haben die Drei ihre Hoffnung, eine Wohnung zu finden, nicht aufgegeben. Ihm gefällt das Fest.

Rebekka Steimle kommt gerade vom Wandern. Seit 15 Jahren lebt sie in Steinen, sie findet die Idee des Festtags der offenen Gesellschaft gut. "Man trifft hier auch andere, nicht nur die Leute aus dem inneren Kern." Sie ist überrascht, wie gastfreundlich die Menschen sind, auf jeden Fall solle der Tag der offenen Gesellschaft im nächsten Jahr wieder gefeiert werden. "Bestimmt sind es dann mehr, denen in diesem Jahr etwas dazwischen gekommen ist."

Ob die Fußballweltmeisterschaft dazwischen kam? Sie hat auf jeden Fall für Gesprächsstoff gesorgt, bei Menschen, die sich bis dahin nicht kannten und Dank Ronaldos Superfreistoß miteinander ins Gespräch kamen. Auch die Initiatorin Christine Ableidinger-Günther ließ sich vom Fußballfieber anstecken, ihr Linsensalat hat gelbe und rote Einsprengsel. Zusammen mit den dunklen Linsen, ein schwarz-rot-goldener Leckerbissen.