Klezmer spielende Musikvagabunden

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mi, 28. November 2018

Steinen

Die Gruppe "Haiducken" bringt die Tradition jüdischer Hochzeitsmusiker und der Roma auf dem Balkan zusammen.

STEINEN. Am Ende wurde es den vielen Menschen in der ausverkauften Kaffeemühle am Samstag richtg warm ums Herz. Dabei hatte fast niemand aus dem Publikum die Gruppe Haiducken aus Freiburg vor ihrem Auftritt in Steinen gekannt. Doch als Gitarrist Mario Hammann nach zwei Stunden Balkansound verkündete, dies sei der letzte Auftritt von Kontrabassist Mutram Peters gewesen, spürte fast jeder im Saal, wie der Bassist den anderen schon jetzt fehlt.

Den fünf Freiburgern ist es gelungen, mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit gepaart mit großen Musikalität, das Publikum im Sturm zu erobern.Und die Steinener, die die Haiducken dank der Organisation von Kunst & Kultur Steinen nun kennen, dürfen gespannt sein, wie sich die Band ohne Mutram Peters weiterentwickeln wird.

Das Didgeridoo zu Beginn eröffnet ein Repertoire voller mitreißender Klezmerklänge und tempogeladener Balkanmusik. Jedoch ist das Didgeridoo weder ein Klezmer- noch ein Balkaninstrument. Doch Andy Kinzelmann scheint das nicht zu stören. Er bringt die ruhigen fast meditativen Klänge ein, als gehöre die australische Klangröhre seit jeher zum Instrumentarium einer ostjüdischen Hochzeitsmusik. Dem Wohlklang tut’s jedenfalls keinen Abbruch, der Anfang ist stimmig, klangdicht und erfrischend anders. Dann aber tauscht Andreas Kinzelmann die verzierte Röhre gegen seine Klarinette und die fünf machten ihrem ersten Titel alle Ehre: Die Nacht ist zum Tanzen da. Ja, man hätte in der Kaffeemühle gerne getanzt bei dieser temporeichen Musik, die mitreißt und fröhlich macht. Allein, es ist kein Platz dazu da.

Der Klezmer ist eine instrumentale Musik, die Klezmorim waren Teil des Hochzeitsritus. Der Titel von der nach Hause zu begleitenden Schwiegermutter erinnert an diese alte Tradition der von Hochzeit zu Hochzeit ziehenden Klezmermusiker. Andy Kinzelmann mit seiner Klarinette ist das Zentrum der Band. Er lässt sie juchzen und weinen. Die anderen Musiker überlassen ihm gerne den Fokus und Kinzelmann lebt darin auch sichtlich auf. Auch die Djembe gehört nicht wirklich ins klassische Klezmersetting. Doch Beuz Thiombane spielt auf wundersame Weise Percussion mit diesem afrikanischen Instrument. Nie spielt er sich in den Vordergrund und ist doch rhythmische Stütze der anderen Musiker.

Die Haiducken waren einst Wegelagerer und Plünderer

Ursprünglich waren die Haiducken Weggelagerer, Plünderer oder Freischärler zur Herrschaftszeit der Osmanen. Die Haiducken aus Freiburg belagern die Ohren, zwingen zum Mitklatschen, stehlen ihren Fans das Herz. Doch anders als zu osmanischen Zeiten ist man nach einem Gig der Haiducken reicher als zuvor. Die Breisgauer bereichern einen mit Musik aus fremden Gefilden und spenden eine große Portion Freude und Glückseligkeit.

Spannend ist auch die Nähe des Klezmer zur Romamusik. Roma wie Klezmermusiker waren auf dem Balkan als Umherreisende Außenseiter – man traf sich unterwegs und tauschte sich auch musikalisch aus. Konsequenterweise haben auch die Haiducken ihr Repertoire um die Musik der Roma ergänzt. Eine vielfältige musikalische Vergangenheit wurde bei diesem Konzert wieder lebendig.