Kosten laufen aus dem Ruder

Hans-Jürgen Hege

Von Hans-Jürgen Hege

Mo, 06. März 2017

Steinen

Der AWO-Vorsitzende Rudolf Steck machte sich in der Jahreshauptversammlung Sorgen um den Verein / "Deutlich kürzer treten".

STEINEN. Die Sorgenfalten auf der Stirn des Ortsvereinsvorsitzenden Rudolf Steck waren bei der Jahreshauptversammlung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Steinen am Samstag nicht mehr zu übersehen. Und auch Kassierer Günter Senn vermutete, dass die AWO künftig gehörig auf die (Ausgaben-)Bremse drücken oder die Begegnungsstätte schließen muss.

"Wir haben mehr Ausgaben als Einnahmen und leben eigentlich über unsere Verhältnisse", gab Rudolf Steck zu und ergänzte: "Hätten wir nicht gute Rücklagen, müssten wir längst schon den Gürtel deutlich enger schnallen und uns von guten Taten verabschieden." Und das, obwohl ausnahmslos "alle Beschäftigten ehrenamtlich, also kostenlos arbeiten", betonte Steck. Die AWO werde sich verstärkt an Veranstaltungen beteiligen und "stringent versuchen, Ausgaben – wo vertretbar – zurückzufahren", kündigte er an. Außerdem werde er Gespräche mit der Kommune führen, um "insbesondere die Kosten für die Begegnungsstätte begrenzen zu können", die seit acht bis zehn Jahren aus dem Ruder laufen und in erster Linie für die laufenden Verluste – jährlich über 2000 Euro – verantwortlich sind. Andernfalls sei es vorbei mit den Skatnachmittagen oder den übrigen Treffen in der Begegnungsstätte, an denen 58 Mitglieder und zahlreiche Freunde ihre Freude haben. 3466 Euro Einnahmen stehen 5687 Euro Ausgaben allein auf dem Konto der Begegnungsstätte gegenüber. Sie sei in die Jahre gekommen, schlecht beziehungsweise gar nicht isoliert, betonte Kassierer Günter Senn, der für Energie, Miete und Reinigung 70 Prozent seines Budgets aufwenden muss. Monat für Monat schlagen Unterhaltskosten und Miete mit 380 Euro zu Buche, 180 bis 200 Euro davon kommen durch Vermietungen wieder rein. Aber das mache, salopp gesagt, den Kohl leider nicht fett.

Bürgermeister Gunther Braun hat sich die Zahlen natürlich notiert. Rudolf Steck und Günter Senn hoffen, dass mit ihm zusammen eine Lösung für das Problem gefunden werden kann. Denn wie schon erwähnt: "Allzu lange kann die AWO allein von der Substanz nicht mehr leben."

Und das wäre sehr schade. Denn sie hat für Groß und Klein sehr interessante Angebote in ihrem Programm. Allerdings glaubt Rudolf Steck, dass es durchaus Sinn mache, sich mit anderen Vereinen, die sich mit den gleichen Sorgen herumschlagen, an einen Tisch zu setzen und auszuloten, ob gewisse Synergieeffekte nutzbar sein könnten. Die Devise sollte lauten: Gemeinsam an einem Strang ziehen, ohne den eigenen Identifikationswert aufs Spiel zu setzen. "Erste kleine Anläufe dazu sollten sich eigentlich lohnen, bevor alles tröpfchenweise zu Ende geht", glaubt der AWO-Vorsitzende, der hofft, dass es gelingt, in Schritten zusammenzufügen, was zusammengehört. Und das seien auf alle Fälle Organisationen, die sich soziale Ziele im Dienste der Allgemeinheit auf die Fahnen geschrieben haben.

Ein solcher Schritt in die richtige Richtung könnte die Idee sein, zusammen mit den Ortsvereinen Schopfheim und Maulburg "Essen auf Rädern" anzubieten. Die Grundlagen dazu habe man bereits geschaffen, doch das Projekt ruhe derzeit "aus vielschichtigen Gründen". Vor allem gesellschaftliche Veränderungen sowie die Auswirkungen von Gesetzesinitiativen erforderten eine differenziertere Diskussion des komplexen Themas, sagte Rudolf Steck und wies vorsorglich darauf hin, dass nicht Berührungsängste mit Schopfheim und Maulburg ursächlich seien für die Stagnation der Gespräche. Seinem Ortsverein gehe es darum, "Kommune und Mühlehof stärker in die Umsetzung einzubinden".

Ehrungen: Nachdem Monika Milite Details aus dem abgelaufenen Jahresprogramm, darunter die Hol- und Bringbörse, das Skatspielen, die Zusammenarbeit mit der AWO-Betreuung Köchlinstraße, den Frühlingsausflug, den Besuch im Mühlehof, die Herbstfahrt, den Martini-Markt oder die Flüchtlingsbetreuung gewürdigt hatte, hielt es Rudolf Steck mit Konrad Adenauer, der gesagt habe: "Wenn die Gerechtigkeit ihren guten Tag hat, muss Beständigkeit belohnt werden." Also hatte er sich vorgenommen, verdiente Mitglieder zu ehren. Schließlich sei es kein Klacks, einer Organisation vier Jahrzehnte die Treue zu halten. Sein Dank galt Eugen Boll, Rolf-Gunther Ries und Verena Trinler, die das Kunststück fertiggebracht hatten und der AWO, wie Verena Trinler sagte, auch weiterhin treu bleiben werden, "bis ich die Augen zumache".

Wahlen: Für weitere zwei Jahre gewählt wurden Rudolf Steck als Vorsitzender, Günter Senn als Kassierer und die Beisitzer Brigitte Haas und Waltraud Spauszus. Monika Milite wird den Ortsverein bei der Kreisdelegiertenkonferenz vertreten. Und Martin Kickhöfen übernahm zusammen mit Willibald Kerscher den Kassenprüferjob.