Schubs für den inneren Schweinehund

Gabriele Poppen

Von Gabriele Poppen

Fr, 27. Oktober 2017

Steinen

RADFAHREN IN STEINEN: BZ-Mitarbeiterin Gabriele Poppen hat die Radbonus-App des gleichnamigen Kölner Startups ausprobiert.

STEINEN. "Ich sollte, ich könnte, ich müsste...". Vielfältig sind die Gründe, die man dafür finden kann, doch mal schnell ins Auto zu springen, anstatt mögliche alltägliche Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Unsere im hochgelegenen Steinener Teilort Hägelberg lebende Mitarbeiterin Gabriele Poppen hat eine Belohnungs-App für Radfahrer zwei Wochen lang ausprobiert.

Ziemlich angetan war ich, als mir die Radbonus-App neulich zufällig im Internet "über den Weg lief". Neben dem Gesundheits- und Umweltaspekt noch ein bisschen belohnt werden fürs Radfahren – das wäre doch der kleine Kick, um wieder mehr auf den Drahtesel umzusteigen. Und zudem war da auch die Neugier darauf, wie das System funktioniert. Eine eingefleischte Radfahrerin war ich in den letzten Jahren nicht gewesen, vor allem, weil sich zwischen mich und den guten Vorsatz auf der Rückfahrt immer ein, wie ich finde, ordentlicher Anstieg in den Weg stellte. Und ein E-Bike sollte es im Moment auch nicht sein.

Die Radbonus-App könnte nun also für einen Motivations-Schub sorgen, so denke ich mir, und lade sie denn auch gleich auf das Smartphone. Ohne komplizierte Anmelde-Formalitäten, lediglich mit der Freigabe der Standortdaten in den Handy-Einstellungen, kann ich loslegen. Ein anstehender kleiner Einkauf bietet sich als Gelegenheit zum Ausprobieren an: Schnell die App aufrufen, den "Start"-Knopf drücken, und los geht’s mit dem Kilometersammeln. Was auf dem Hinweg Berg runter in der kühlen Morgenluft noch flott vorangeht, treibt mir auf dem Rückweg, mit dem mit Einkäufen vollgepackten Rucksack, doch einigermaßen den Schweiß auf die Stirn. Stückweise ist Schieben gen Hägelberg angesagt. Umso besser ist das Gefühl beim Eintreffen zu Hause. Zum einen ist jetzt schon ein gewisses Bewegungspensum für heute zu verbuchen. Zum anderen scheinen die eingekauften Sachen einen größeren Wert zu haben, schließlich wurden sie mit Muskelkraft aus dem Supermarkt bis zu den heimischen Schränken gebracht – jeder Milchkarton, jedes Päckchen Waschmittel ist plötzlich ein kleiner Schatz. Zudem kauft man viel bewusster ein, wenn der Transportplatz beschränkt ist. Und, nicht zu vergessen, auf meinem Sammelkonto in der App kann ich, nach Drücken des "Stop-Buttons", immerhin acht Rad-Kilometer für heute verzeichnen.

Die nächsten zwei Wochen versuche ich, wo immer es passt, lieber das Fahrrad als das Auto zu benutzen, hauptsächlich für Besorgungen in Steinen, aber auch für einen Besuch in Schopfheim. Ein wenig stolz bin ich dann schon, als mit 50 gesammelten Fahrtkilometern eine erste Zielmarke in der Radbonus-App erreicht ist. Nun könnte ich zur Belohnung einen Rabatt von fünf Prozent bei einem Einkauf in einem der verbundenen Partner-Online-Shops (der Rabatt steigt an, gestaffelt je nach Kilometern) in Anspruch nehmen und zudem beispielsweise bei der Oktober-Challenge der Stadt Bad-Krozingen teilnehmen, die für das Erreichen von 35 Radkilometern eine Verlosung anbietet. Zu gewinnen gibt es unter anderem Eintrittskarten in die Vita Classica Therme oder den Gutschein einer örtlichen Buchhandlung.

Ich entscheide mich für das Bonus-Paket mit den Thermen-Eintrittskarten, trage auf dem Smartphone meine Radbonus-ID-Nummer plus Anschrift und E-Mail-Adresse ein. Selbst wenn ich bei der Verlosung nichts gewinnen sollte, fühle ich mich jetzt schon als Gewinnerin. Denn mittlerweile erscheint mir, dank des einsetzenden Trainingseffekts, der Heimanstieg mit dem Rad nicht mehr ganz so abschreckend und ich habe deutlich mehr Puste, wenn ich oben ankomme. Und allein dafür hat es sich gelohnt.

Info: Das Kölner Startup "Radbonus" wurde 2015 gegründet, mit dem Ziel, den Radverkehr zu fördern. Gefahrene Radkilometer werden gesammelt, dafür kann man bei verschiedenen Anbietern entweder an Verlosungen teilnehmen oder Rabatte erhalten. Die kostenlose App gibt es für iOS und Android-Geräte. 2017 hat sie beim Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie "Service" den dritten Platz belegt. Seit diesem Jahr ist auch die Stadt Bad Krozingen mit teilnehmenden lokalen Unternehmen Partner von Radbonus. Mehr unter http://www.radbonus.com