Spanische Musik ist mehr als Flamenco

Martina David-Wenk

Von Martina David-Wenk

Mo, 26. Februar 2018

Steinen

Das Konzert von Steffen Ehrhardt und Sergios Garcia streichelte die Seele der Zuhörer.

STEINEN. Die neue Vorsitzende des Steinener Kulturfördervereins, Christel Mohr, sprach von einem Konzert, das die Seele streicheln würde. Tatsächlich hat das Konzert von Steffen Ehrhardt und Sergios Garcia nicht nur die Seele gestreichelt, sondern als Zugabe auch den Magen. Viele der engagierten Vereinsmitglieder brachten selbstgemachte Tapas mit. Inhaltlich passend zum Thema des Abends. Denn die beiden Berliner Steffen Ehrhardt und Sergios Garcia hatten ein Repertoire von spanischer Volksmusik und einigen argentinischen Tangos.

Ein großes Plus der Konzerte von Kunst und Kultur ist die besondere Atmosphäre in der zur Kleinkunstbühne umgebauten Kaffeemühle, dem Café des Mühlehofs. Alles ist einen Tick persönlicher, einen Tick unmittelbarer als in anderen Konzertstätten. Das liegt selbstverständlich an der mit großem Engagement betriebenen Arbeit des Vereins. Es liegt im Falle des Konzerts der beiden Berliner aber auch an den Künstlern und ihrer Musik.

Sie wollten die spanische Volksmusik populärer machen, sagt der gebürtige Spanier Sergios Garcia zu Beginn. Die spanische Musik sei mehr als nur Flamenco, dieser stamme aus Andalusien. Er, der aus Santander in Nordspanien kommt, sieht es als seinen Auftrag an zu zeigen: Spanien ist mehr als Andalusien.

Viele der Lieder stammen vom großen spanischen Dichter Federico Garcia Lorca, auch er kommt aus Andalusien, was aber nicht heißen muss, dass der große Dichter der spanischen Moderne sein Liedrepertoire auf den Flamenco begrenzen muss. Es gibt über 50 Arten des Flamencos. Auch Sergios Garcia und Steffen Ehrhardt spielen in ihrem zweistündigen Konzert zwei von ihnen. Doch, was der spanische Sänger darbietet, hat nichts mit der folkloristischen Gitanoseligkeit zu tun. Es ist eine ganz intime persönliche Art, die südspanische Musik den Zuhörern außerhalb Spaniens nahe zu bringen. Und somit ist er seiner Mission, die spanische Volksmusik auch in Nordeuropa etwas bekannter zu machen nicht untreu geworden. Nur ein Sänger und ein Gitarrist reduzieren die Musik auf das Wesentliche. Wenn klappernde Kastagnetten und bunte Kostüme fehlen, dann hören die Menschen zu. Und brechen mit den beiden Berlinern auf zu neuen Hörgewohnheiten.

Da singt einer mit einer unglaublichen Stimme ungehörte Lieder aus einem Land, von dem der gewöhnliche Deutsche nur weiß, dass es dort warm ist und im Winter die Orangen von dort kommen. Sergios Garcia öffnete das Tor zu diesem großen Land mit seiner vielfältigen Kultur. Er tat dies auf eine ganz persönliche Weise. Die Atmosphäre tut ein Übriges. So kommt der Sänger gerne den Aufforderungen aus dem Publikum nach, den Inhalt der Stücke zu erklären. So kommen Künstler und Publikum in einen Dialog, der sie für einen Abend ganz nah zusammenrücken lässt.

Gitarrist Steffen Ehrhardt verschwindet zwar etwas hinter der großartigen Stimme seines Partners, doch ist es die Musik, die den hochklassigen Hintergrund dieser Stücke ausmacht. Filigran und ausdrucksvoll sind seine Soli. Der Deutsche des Duos weiß, neben dem echten Spanier hat er es in diesem Duo etwas schwerer, doch fühlt er sich in dieser Rolle sichtlich wohl. Und Sergios Garcia weiß, ohne den großartigen Gitarrenspieler, würde den Stücken viel fehlen.

Klasse Konzert in einer ganz intimen Atmosphäre. Der Abend war ein Juwel in der Konzertlandschaft der Region.